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Hubertus Brantzen

Eine Ethik des Wahlkampfs?

06.09.2017

Lasse ich die Art und Weise, wie der Wahlkampf geführt wird, auf mich wirken, drängen sich mir folgende Regeln auf:

  • Angriff muss in jedem Fall sein, um sich zu profilieren.
  • Die Fähigkeiten des politischen Gegners müssen in jedem Fall angezweifelt oder in Abrede gestellt werden. Das signalisiert die eigene Kompetenz.
  • Zu jedem Thema und in jedem Fall muss deutlich werden, dass man es entschieden besser macht als der politische Gegner.

Beachtet man zusätzlich die Gesetzmäßigkeiten, unter denen Talkshows mit Politiker stattfinden, kommen weitere Regeln hinzu:

  • Die eigene Position muss so formuliert werden, dass sie sich um jeden Preis deutlich von der des politischen Gegners unterscheidet.
  • Stimmungsmäßig muss es in der Talkshow knallen. Am bestem kommt ein kleiner Skandal an.
  • Beachtet man diese Regeln nicht, bekommen alle an der Talkshow Beteiligten die Quittung: Eure Show war langweilig, unprofiliert – zum Vergessen.

Unter pädagogischer Perspektive stelle ich mir die Frage, ob wir unseren Kindern in der Erziehung zu Hause, in der Schule oder in der Kirchengemeinde die falschen Fähigkeiten vermitteln. Dort sollen nämlich folgende Kompetenzen erworben werden:

  • Wertschätzung des anderen als Person.
  • Die Haltung, mit Empathie und Mitgefühl auf andere zugehen zu können.
  • Das Wertvolle im anderen zu sehen und herauszustreichen.
  • Die Fähigkeit, dem anderen zu gutem Handeln Mut zu machen.
  • Echt und authentisch sein in allem, was ich tue und rede. Dazu gehört auch, Negatives zu benennen, aber in verträglicher Weise.

Müssen wir uns selbst und unseren Kindern empfehlen, was Werte des Miteinanders betrifft, schizophren zu leben – oder sich aus der Politik herauszuhalten?

 

Prof. Dr. Hubertus Brantzen, Mainz


                                     Foto: © pixabay.com

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