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Hoffnung im Sinne eines Glaubens an die Auferstehung

Hoffnung im Sinne eines Glaubens an die Auferstehung

Die programmatische Rede des neuen Würzburger Bischofs Dr. Franz Jung bei seiner Amtseinführung

von Markus Hauck

Was wird nicht alles bei der Amtseinführung eines neuen Bischofs in den neuen Amtsträger hineinprojiziert. Alles neu, alles besser soll er machen. Die Kirche des jeweiligen Bistums wieder an Glanz und Gloria vergangener Tage heranführen. 

Als am 10. Juni 2018 Dr. Franz Jung, bislang Generalvikar im Bistum Speyer, das Bistum Würzburg übernimmt, greift er diese Erwartungen mit Blick auf seinen dem Hebräerbrief entnommenen Wahlspruch „Spem ancorem animae!“ („Eine Hoffnung als Anker der Seele“) in seinen Dankesworten am Ende des Festgottesdiensts auf. Seine Deutung kann eine Leitlinie sein beim Blick auf das, was Gläubige für die Zukunft der Kirche und des Glaubens erwarten dürfen.

„Unter dieses wunderbare Wort aus dem Hebräerbrief stelle ich meinen Dienst“, betont Bischof Jung mit Blick auf seinen Wahlspruch. Die Hoffnung, die darin erwähnt wird, sei eine Person. „Jesus Christus ist der wahre Hoffnungsanker. In seiner Menschwerdung hat Gott Himmel und Erde unlösbar miteinander verbunden“, betont Bischof Jung. Christus als Hoffnungsanker verleihe der Kirche eine ungeheure Dynamik. Von Christus gezogen zu werden heiße, bisher Erreichtes immer wieder neu zu überschreiten. Veränderung sei von daher nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu begreifen. „Veränderung im Sinne unseres Glaubens an die Auferstehung.“

Auf Auferstehung setzen, nicht auf Wiederbelebung

Was er damit meint, erläutert er. Immer wieder treffe er auf Menschen, die in vielen Dingen eher auf Wiederbelebung denn auf Auferstehung setzten. „Man träumt davon, die alte Herrlichkeit möge wieder erstehen, als Kirche gewissermaßen unangefochten ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft behaupten konnte.“ Nicht wenige Gläubige schwelgen in Erinnerung an volle Kirchen, an die gesellschaftlich tragende und präsente Rolle der Gläubigen. 

Auferstehung im biblischen Sinn sei aber ganz anders zu verstehen. Sie meine nicht die Wiederbelebung des Vergangenen. „Denn das Vergangene liegt hinter uns.“ Gottes Ruf könne nur gehorchen, wer von der unbeirrbaren Hoffnung erfüllt sei, dass Abbrüche nicht den Untergang bedeuteten, sondern Einladung seien, noch einmal neu zu beginnen.

Eine Hoffnung für die weltweite Kirche

„Die Hoffnung, die uns dabei erfüllt, reicht viel weiter als nur bis zu den Grenzen unseres Bistums. Unsere Hoffnung ist eine Hoffnung für die weltweite Kirche.“ Im Blick auf die beiden Partnerbistümer Würzburgs, Mbinga in Tansania und Óbidos in Brasilien, seien es die Erfahrungen der einen katholischen Kirche, „die uns als weltweite Lerngemeinschaft stärken und uns helfen, im Glauben zu wachsen. Unsere Hoffnung erstreckt sich aber noch viel weiter auf alle Menschen, ja auf die gesamte Schöpfung.“ Nicht nur in Unterfranken, dem nordwestlichen Ende Bayerns, seien Christen berufen, Hoffnungsanker für die zu sein, die keinen Fürsprecher hätten und auf das Zeugnis gelebter Hoffnung angewiesen seien. „Wo das erfahrbar wird, wächst Kirche über sich hinaus, auf Gott und auf die Menschen zu.“ 

Hoffnung muss sich an der harten Realität bewähren

Natürlich müsse sich die aus dem Glauben genährte und durch ihn begründete Hoffnung an der harten Realität bewähren, wie schon Paulus im Römerbrief schreibe, erläutert Bischof Jung im vollen Würzburger Dom. Deswegen müsse jeder täglich neu um den Heiligen Geist beten. „Ja, die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen. Die Hoffnung hält vielmehr jung. Das darf ich mir heute gesagt sein lassen, aber es gilt nicht nur mir, sondern uns allen.“ Ein gleichermaßen ermutigendes wie herausforderndes Wort, das Bischof Jung gesprochen hat. Und eine Erinnerung an die alte Weisheit: „ecclesia semper reformanda“ – die Kirche muss sich stets erneuern, um Jesu Auftrag gerecht zu werden. 

Konkret umgesetzt heißt die Ermunterung von Bischof Jung, Veränderungen im Glauben an die Auferstehung anzugehen. Das kann heißen, im Wegbrechen der Volkskirche eine Herausforderung zu sehen, neue Wege der Glaubensverkündigung zu suchen. Das kann bedeuten, einmal die in den Blick zu nehmen, die bislang nur als am Rand stehend wahrgenommen und zum Teil despektierlich als „U-Boot-Christen“ tituliert werden. Und es fordert heraus, in einer zunehmend unsolidarischen Welt für Solidarität einzustehen, gerade für die Menschen, die sonst keine Fürsprecher haben. „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und Besonnenheit“, heißt es im zweiten Timotheusbrief. 

 

Markus Hauck

Leiter der Pressestelle im Bistum Würzburg, Mitglied der basis-Redaktion.

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