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Unsere Macht als Konsumenten

Unsere Macht als Konsumenten 

Warum wir als Christen aufgerufen sind, weniger und Besseres für alle zu wollen.

von Claudia und Johannes Dambacher

Die Frau, die uns vor etwa zehn Jahren dazu brachte, unser Einkaufsverhalten radikal zu ändern, dürfte mittlerweile gut 80 Jahre alt sein. Es war eine Bäuerin aus dem Allgäu. Im Gegensatz zu uns – wir hatten damals beide gerade unser Theologiestudium abgeschlossen – hat sie keine Prüfung in Sozialethik und Umweltethik abgelegt. Kein Professor hatte ihr erklären müssen, was unser Konsum mit dem Bewahren der Schöpfung zu tun hat und warum solche Themen überhaupt Teil der katholischen Soziallehre sind. Für diese tief gläubige Frau was das gar keine Frage: Die Schöpfung ist ein Geschenk Gottes an uns. Wir sollten es in Ehren halten, doch wir lassen zu, dass es mit Füßen getreten wird. Darüber verzweifelte die Bäuerin, weswegen sie sich damals an die „StadtGottes“, das Magazin der Steyler Missionare, wandte. Ihre Bitte an die Redaktion: Klärt die Leute über Monsanto und Co. auf, denn sie betreiben einen Ausverkauf an allem, was mir als Christin heilig ist. Es ist mittlerweile fast schon ein Allgemeinplatz: Der Gentechnik-Konzern Monsanto (heute Bayer) trieb damals abertausende indischer Bauern in Abhängigkeit, Schuldknechtschaft und Selbstmord. Weil bis heute nur eine Hand voll Agrar-Riesen die weltweite Lebensmittelproduktion beherrscht und alle herkömmlichen Düngemittel von diesen Big Playern stammen, beschloss die Bäuerin damals kurzerhand, keine Düngemittel mehr zu verwenden. Mit über 70 Jahren stellte sie ihren konventionellen Hof auf Bio-Anbau um – aus Gewissensgründen: um ihr eigenes Stück Schöpfung nicht mehr mit den Monsanto-Giften zu belasten und um sich nicht mitschuldig zu machen am Elend und Tod der Bauern in Indien. 

Durch Konsum mitschuldig

Das beeindruckte uns. Nichts zuvor hatte uns so deutlich vor Augen geführt, was es bedeutet, in einer globalisierten Welt zu leben und vor allem: zu konsumieren. Wenn wir die Zusammenhänge nicht kennen, wenn wir nicht wissen, woher die Dinge stammen, die wir kaufen, dann kaufen wir eben ganz schnell mal etwas, an dem Blut klebt. Theologisch gesprochen: Dann versündigen wir uns. Jedenfalls dann, wenn wir uns nicht informieren, obwohl wir uns informieren könnten. Das ist ein relativ neues Phänomen. Unsere Großeltern mussten sich damit – zumindest in unserem Alter – noch nicht auseinandersetzen. Was sie konsumierten, hatten sie entweder selbst produziert oder zwei Ortschaften weiter gekauft. Das heute täglich (!) rund dreieinhalb Millionen lebendige Tiere quer durch Europa gekarrt werden, dass Masthühner zu zehntausenden auf engstem Raum gehalten werden, dass Schweine im Fünf-Sekunden-Takt geschlachtet werden, hätten sie sich damals wohl gar nicht vorstellen können. Von dem, was am anderen Ende der Welt passiert, ganz zu schweigen: Für die immer billigere Produktion unserer Kleidung werden in Asien und Afrika Näherinnen ausgebeutet und Familien zerstört, für die Schokolade von Nestlé, Ferrero, Mondelez (Milka) etc. an der Elfenbeinküste Kinder versklavt. Für die Akkus unsere Laptops und Smartphones schuften im Kongo Siebenjährige in Cobaltminen. An all diesen Dingen machen wir uns als Konsumenten jeden Tag mitschuldig. …

Claudia und Johannes Dambacher

Claudia und Johannes Dambacher sind verheiratet und Eltern von vier Kindern. Johannes ist Dozent für Theologie an einer Fachakademie für Sozialpädagogik, Claudia freie Autorin bei einem Frauenmagazin. Beide arbeiten in Teilzeit.

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