Passionsgedanken
10.12.2025
In einer Zeit, in der uns täglich Bilder von Krieg, Gewalt und der Zerbrechlichkeit der Weltordnung erreichen, wächst die Sehnsucht nach Worten, die tiefer reichen als Analysen und Schlagzeilen. Die anhaltende Multi-Krise unserer Tage – geprägt von geopolitischen Spannungen, gesellschaftlicher Verunsicherung und wachsender Zukunftsangst – lässt viele Menschen fragen, wo Halt und Sinn zu finden sind.
Die folgenden Zeilen von Christine Praetorius, einer der Autorinnen des „Kommentars der Woche“, nähern sich der Passion Jesu auf eine Weise, die sich bewusst von den üblichen Betrachtungen zu den „Zeichen der Zeit“ unterscheidet. Es ist keine politische Analyse, kein moralischer Appell und keine theologische Betrachtung im klassischen Sinn. Stattdessen öffnet dieser Text einen Raum der Innigkeit, der Hingabe und der Verwundbarkeit – eine poetische Meditation, die inmitten der Erschütterungen unserer Welt vom Kern christlicher Hoffnung erzählt.
Die Passion Jesu erscheint hier nicht als fernes, historisches Ereignis, sondern als ein zutiefst persönliches Geschehen: ein Gegenbild zu Gewalt, Machtmissbrauch und Entfremdung. In der liebevollen Zuwendung zum leidenden Christus wird ein Weg sichtbar, wie Liebe selbst unter den schwersten Bedingungen Bestand haben kann – und wie sie verwandelt.
So schlägt dieser Text eine leise, doch deutliche Brücke in unsere Gegenwart: Er lädt dazu ein, inmitten globaler Unsicherheit sensibel zu bleiben für das, was heilt, was verbindet und was Leben neu werden lässt. Gerade weil er anders ist als viele Kommentare zur Lage der Welt, kann er jene ansprechen, die im Lärm des Alltags nach einer Stimme suchen, die nicht erklärt, sondern berührt.
Möge diese Meditation zur Passion Jesu uns ermutigen, inmitten der Krisen unserer Zeit die zarte Kraft der Liebe nicht aus dem Blick zu verlieren.
Zur Passion Christi.
Sanft umschließen Dich meine Arme
Zärtlich berührt Dich mein Mund
Meine Tränen benetzen Deinen Körper
Aus meinem Inneren strömen Lieder niemals endender Liebe.
Langsam entferne ich Dornen
Stacheln der Sünde wandeln sich in Juwelen
Mit meinen Lippen küsse ich Deine Wunden
Meine Augen liebkosen Dein Gesicht.
Verklärend wandelt sich Schmerz in Liebe
Gemarterte Knechtsgestalt, geschunden am Kreuz:
Königskind in meinen Armen
Ich bete dich an.
Ich singe Dir von meiner Liebe
Meine Hände streichen Dir Haare aus dem Gesicht
Ganz sacht schließe ich Dir Deine Augen
Gebrochen im Schmerz der Liebe.
In meine Liebe hülle ich Deinen Körper
Ich reinige Dich von verkrustetem Blut
Dein Blut auf meinen Lippen, die zärtlich dich berühren
Vereinen sich mit Tränen der Liebe.
Sanft wiege ich Dich in meinen Armen
Mein Herzschlag durchströmt Deinen Körper:
Gemarterte Liebe in meinen Händen
Ich bete dich an.
Zärtlich berge ich Dich an meinem Herzen
Und küsse, mich vergessend Deinen Mund –
Dein Atem durchströmt meinen Körper
Deine Liebe erweckt mich zum Leben.
Ich schlage auf meine Augen
Und blicke in Dein Gesicht:
Zärtlich wiegst Du mich in Deinen Armen
Und singst mir Dein Lied von der Liebe.
Dein Blut durchpulst meine Adern
Dein Herzschlag belebt mich neu:
Königskind in Deinen Armen
Ich singe mit Dir das Lied Deiner Liebe.
Christine Praetorius, Karlstein am Main
Psychologische Psychotherapeutin
Foto: Frank Riedel, Kruzifix in der Basilika St. Michael, Altenstadt („Großer Gott von Altenstadt“)









