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Michael Maas

Der Papst schweigt

12.09.2018

Er schweigt. Beharrlich. Und ich muss zugeben, so wirklich gut komme ich damit nicht klar. Gemeint ist Papst Franziskus. Und er schweigt zu den Vorwürfen, dass er selbst Hinweise auf Fehlverhalten von geistlichen Würdenträgern schon zu früheren Zeiten gehabt habe. Der Vorwurf der Vertuschung steht jetzt auch ihm gegenüber im Raum.

Ausgesprochen ausgerechnet durch einen wichtigen Vertreter der Kirche: den früheren Nuntius in den USA, Erzbischof Viganò. Er hat einen langen Brief geschrieben und veröffentlicht. Versehen mit mehr oder weniger drastischen Verfehlungen von Bischöfen und Kardinälen in den USA und mit dem Verweis garniert, dass er Papst Franziskus über all das informiert habe, ohne dass es Auswirkungen gehabt hätte.

Und was macht der Papst? Er sagt nichts zu all dem. Außer, dass man sich ja selbst seinen Reim darauf machen könne. Kein Wort der Verteidigung. Kein Wort des Erklärens. Und das macht es mir schwierig. Zweifel steigen auf. Könnte es alles stimmen, was ihm vorgeworfen wird? Warum benennt er nicht einfach, was Sache ist? Wem dient das Schweigen? Hat er am Ende gar kein Interesse an der Aufklärung des sexuellen Missbrauchs?  Viele Fragen bewegen mich in der Sorge darum, wie es in und mit der Kirche und dem katholischen Glauben weitergeht.

Von Papst Franziskus dazu aber kein Wort. Wie übrigens auch zu den „Dubia“ (Zweifel) der vier Kardinäle (angesichts der Frage, ob wiederverheiratet Geschiedene im Einzelfall zu Kommunion gehen könnten). Oder zur Entlassung von Kardinal Müller als Präfekt der Glaubenskongregation. Das Schweigen – als System?

Und da fällt der Blick auf die Heilige Schrift. Auf Jesus Christus. Auch er schweigt gerne, wo andere eine Auskunft von ihm haben wollen. In seinem Verhör bei Pilatus, wo er sich verteidigen könnte: Stille. Als er von den Pharisäern gefragt wird, wie man mit der Ehebrecherin umgehen müsse: Da malt er mit einem Finger im Sand.

Ich komme ins Nachdenken: Ist es vielleicht besser, manchmal einfach „nichts“ zu sagen? Darauf zu setzen, dass „die Steine schreien werden“ (Lk 19,40), wie es ebenfalls in der Bibel heißt? Also darauf zu vertrauen, dass sich die Wahrheit und das Richtige am Ende schon durchsetzen werden?
Ich merke: Vielleicht wäre es besser, wenn ich selbst in mancher Diskussion lieber schwiegen würde, statt mit Halbwissen kluge Sätze daher zu sagen. Vielleicht wäre es angemessen, das zu tun, was Papst Franziskus selbst empfiehlt: die Nöte der Zeit und auch die Nöte der Kirche in die Stille und in das Gebet zu nehmen.

Und dann wahrzunehmen, dass es dem Heiligen Vater tatsächlich an einer ehrlichen Aufklärung des vielfältigen Missbrauchs in der Kirche gelegen ist, ohne sich dabei instrumentalisieren zu lassen, (wie es Bischof Oster zurecht formuliert hat). Dass er hierin in den vergangenen Jahren – wie übrigens auch Benedikt XVI – bereits einiges unternommen hat. Damit letztlich Papst Franziskus zu vertrauen, dass er die richtigen Schritte im Gebet und in der Stille von Gott gezeigt bekommt und dann bereit ist, diese Schritte weiterhin zu gehen. Selbst dann, wenn er manche Verfehlung begangen hat. Denn auch darin wird er nicht müde: Zu betonen, dass er ein Sünder sei und die Barmherzigkeit Gottes und das Gebet der Gläubigen für seinen Dienst brauche. Mehr als eine Floskel.

Beten wir also für Papst Franziskus und für die Kirche und vertrauen wir darauf, dass er die richtigen Schritte aus dieser schwierigen Situation findet und geht.

Direktor Michael Maas
Leiter des Zentrums für Berufungspastoral, Freiburg


                                            Foto: © pixabay.com

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