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Editorial basis 03.2017

Editorial basis 03.2017

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Wenn Sie diese basis-Ausgabe in Händen halten, sind die „tollen Tage“ vorbei und die Fastenzeit ist angebrochen. Die Fastenzeit bietet sich uns als eine Zeit an, auf bestimmte Dinge zu verzichten, um den Blick und das Herz frei zu bekommen für die wichtigen Dinge des Lebens, nicht zuletzt für die Erfahrungen unseres Glaubens.

Den Blick und das Herz frei machen

Doch wie kommen wir wirklich an diese wichtigen Dinge des Lebens heran? Wie können wir uns von Vordergründigem losreißen, um zu den Hintergründen unseres Lebens durchzustoßen, oder um tiefer in mögliche Abgründe hinabzusteigen, aber auch um höher zu den guten Gründen unseres Lebens vorzustoßen? Oder um es mit einem heute gängigen Wort zu beschreiben: Wie können wir unser Leben so anschauen und gestalten, dass es nachhaltig wird?
Damit Sie diese Fragen beantworten können, möchte die basis Sie in dieser Fastenzeit – man  höre und staune – zum Genießen einladen. basis-Leserinnen und -Leser sollen diese Fastenzeit genießen! Ja, ich sehe Ihr nachdenkliches Gesicht – Sie haben recht: Es geht um ein Genießen eigener Art.
Um zu verstehen, was gemeint ist, hier ein Vergleich: Wir alle haben sie schon einmal gesehen, jene Wein-Verkoster, die zuerst in das Glas mit köstlichem Wein hineinriechen, dann einen Schluck in den Mund nehmen, um ihn genüsslich auf die Geschmacksnerven einwirken zu lassen, ihn langsam schlucken und schließlich den „Abgang“ prüfen. Das ist viel mehr, als einen Schluck Wein zu trinken.

Verkosten des Lebens

So sind wir eingeladen, Verkoster des Lebens zu werden. Wir sollen in das Leben hineinspüren, es schmecken, um zu erfahren, wie kostbar und köstlich es ist oder sein kann. Selbst der herbe Geschmack einer schwierigen Lebenssituation kann so als bedeutungsvoll erfahren werden.
Es ist allerdings wie beim Wein-Verkosten. Wenn wir das Leben nur ableben, dann brauchen wir uns bei unserem Ableben nicht zu wundern, wenn wir dieses Leben im Rückblick eher als schal, vielleicht sogar als bedeutungslos erachten. Doch wenn wir dieses Leben verkosten, d.h. in die Bedeutung der vielen Lebenssituationen hineinspüren, dann können wir am Ende des Lebens vielleicht das empfinden, was von Abraham in der Bibel gesagt wird: Er starb „lebenssatt“ (Genesis 25,8).
Gläubiges Verkosten des Lebens
Eine eigene Tiefe bekommt jenes Verkosten des Lebens, wenn das Leben auf die „Geschmacksnerven“ des Glaubens trifft. Dann brechen nämlich neue Erkenntnisse und Perspektiven auf. Das Leben wird betrachtet unter den Augen Gottes, der mit jedem Leben einen heilvollen Plan hat – so die Überzeugung glaubender Menschen. Keine Erfahrung bleibt bloßer Zufall, keine Freude bleibt nur Vergnügen, kein Schmerz muss verdrängt werden. Alles ist unter den Augen Gottes wert- und bedeutungsvoll, macht einen Sinn.
Leider verschluckt der Alltag allzu oft diese Dimension der Lebensbetrachtung. Wir rutschen zu schnell ab und trinken unseren Lebens-Wein einfach in uns hinein. Wir schütten ihn in uns hinein, ohne ihn zu genießen, auf seine Güte zu prüfen, seine Güte zu bewerten.

Vom Verkosten zum Nach-Verkosten

Darum bedarf es sozusagen eines zweiten Durchgangs durch das Leben, ein Verkosten nach dem Verkosten, ein Nach-Verkosten. Wir sind eingeladen, solche zweiten Verkostungen immer wieder vorzunehmen, um das Leben wirklich ausschöpfen zu können.
Diese basis-Ausgabe befasst sich darum mit dem Thema „Nach·verkosten“. Verschiedene Arten, das Leben zu betrachten, zu reflektieren, zu meditieren, werden vorgestellt. Bei der religiösen Sicht des Lebens spielt nicht zuletzt auch die Frage ein Rolle, welche „Resonanz“ diese Sicht in unserer Gesellschaft überhaupt erfährt, und was die Menschen dazu bewegen kann, die Verkostung des Lebens im Angesicht Gottes zu tun.
So wünsche ich Ihnen, auch im Namen der gesamten basis-Redaktion, dass Sie diese Fastenzeit nutzen können, das Leben wirklich in dem genannten Sinn zu genießen.

Hubertus Brantzen

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