basis Kommentare

Döner Kebap

Der erste Döner

29.04.2026

Es sind nicht die großen Nachrichten, die in diesen Tagen hängen bleiben. Es sind oft die kleinen.

Vor ein paar Tagen ging ein Video viral: Ordensschwestern, unterwegs nach einer Wallfahrt, landen in einem Dönerladen. Mittendrin: die 92-jährige Schwester Irmingard, die zum ersten Mal in ihrem Leben einen Döner probiert. „Ich bin ganz begeistert“, sagt sie – und wirkt in diesem Moment tatsächlich ein bisschen jünger.
Gefilmt hat das Ganze Schwester Clarita. Ich kenne sie noch aus einer gemeinsamen Zeit in der Jugendarbeit in Trier. Eine junge Schwester, die sich zum Ziel gesetzt hat, anderen einen tieferen Einblick in das Ordensleben zu geben, den sie sich auf Ihrer eigenen Suche gewünscht hätte.

Eigentlich geht es gar nicht um Döner. Wir leben in einer Zeit, in der viele müde geworden sind. Müde von Krisen, von Nachrichten, von immer neuen Herausforderungen. Man scrollt sich durch Schlagzeilen, die sich ähneln, und irgendwann stellt sich ein Gefühl ein: Es ist alles schon gesagt. Alles schon gesehen.

Und dann kommt dieses Video: Eine 92-jährige Frau, die etwas zum ersten Mal tut.

Das ist mehr als eine nette Geschichte. Es ist eine stille Anfrage an uns alle: Wann habe ich eigentlich das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Nicht etwas Großes. Kein Lebensprojekt. Sondern etwas, bei dem ich nicht schon wusste, wie es ausgeht. Etwas, das mich überrascht.
Vielleicht ist genau das ein Teil unserer Müdigkeit: dass wir uns zu sehr eingerichtet haben. Dass wir glauben, schon zu wissen, wie die Dinge sind. Und uns damit selbst die Möglichkeit nehmen, Neues zu entdecken.

Was mich an diesem Moment berührt: Diese Offenheit hört offenbar nicht mit 30, 50 oder 80 auf. Sie kann bleiben. Vielleicht ist sie sogar eine geistliche Haltung.

Im christlichen Glauben geht es ja genau darum: dass Leben nicht einfach Wiederholung ist. Dass Gott immer wieder Neues schafft. Dass es einen Überschuss gibt – etwas, das wir noch nicht kennen.
„Siehe, ich mache alles neu“, heißt es in der Bibel.

Das klingt groß. Aber manchmal beginnt dieses „Neue“ ganz klein. Mit einem ersten Schritt. Oder mit einem ersten Bissen.
Vielleicht brauchen wir in einer müden Welt nicht nur große Antworten. Vielleicht brauchen wir auch den Mut zu kleinen ersten Malen.

Ein Gespräch, das wir sonst nicht führen würden. Ein Gedanke, den wir zulassen. Oder eben etwas so Einfaches wie ein Döner, den wir noch nie probiert haben.

Und wer weiß: Vielleicht fühlt man sich danach ein kleines bisschen jünger.

Alexander Paul
Abteilungsleiter Caritas Pforzheim

Foto von Frank Rietsch auf pixabay.com

Antworten

Datenschutz
, Inhaber: (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
Datenschutz
, Inhaber: (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: