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Laptop und Smartphone auf dunklem Untergrund

KI – Alleingang oder Rückbindung an ein Menschenbild?

06.10.2026

Beide Meldungen erstaunen und machen irgendwie ratlos. Einerseits berichten unsere Medien die Warnungen wichtiger Chefs von führenden KI-Unternehmen, die eine Verlangsamung und Kontrolle ihrer Erfindungen beschwören. Ein wichtiger Mann wie der Anthropic-Chef Amodei kann und sollte nicht überhört werden. Der Staat soll eventuell sogar juristisch einschreiten, damit die Kontrolle nicht verloren wird.

Andererseits lesen wir Meldungen wie: ‚Trump setzt im KI-Rennen auf Selbstkontrolle‘. Die Hoffnung der in Amerika wichtigsten sechs Technokonzerne wurde in einer Erklärung festgehalten. Männer wie Zuckerberg und Musk sitzen mit Trump am Tisch. Im Dekret des Präsidenten wird aus ‚Künstlicher Intelligenz‘ sogar ‚Superintelligenz‘, denn der Begriff KI suggeriere nach Trump, dass die Technik lediglich menschliche Intelligenz nachahme. Es geht aber um mehr. In jedem Fall wollen die Unternehmen selbst verhindern, dass ihre Erfindungen ungewünscht in wichtige andere Systeme eindringen können. Überhaupt soll alles intern unter ihrer Kontrolle bleiben. Der Wettlauf mit China spielt eine nicht unerhebliche Rolle – ebenso natürlich die hohen Milliarden oder Billionensummen, die bisher in die Entwicklung von KI geflossen sind. Die Bedeutung für die US-Wirtschaft ist zu groß.

Doch führt beides nicht zu eng? Natürlich ist technisch vieles möglich. Aber geht es zu Lasten von Menschen in bestimmten Berufen? Werden nicht einfach Mitarbeiter entlassen und auf die Straße geschickt? Es kann nie nur darum gehen, ob sich der Einsatz von KI wirtschaftlich lohnt. Wo bleibt der Mensch?

Ganz andere Fragen stellen sich, wenn KI bei Lernvorgängen eingesetzt wird. Untersuchungen zeigen, dass in Studiengängen nicht mehr die herkömmlichen Lehrbücher konsultiert werden. Viel schneller wachsen die Erkenntnisse, wenn sogenannte Chatbots konsultiert werden. Was ist aber nachweisbar die eigene Leistung in einer wissenschaftichen Arbeit?

Texte bei Hausaufgaben in den Schulen sind natürlich formvoller, inhaltsreicher und schneller mit KI. Dies insbesondere wenn nicht nur die eigene Denkleistung, die Argumentation und Interpretation mit KI verfeinert wird, sondern die Denkarbeit insgesamt abgegeben wird. Die kognitive Eigenleistung der Schülerschaft und der Studenten nimmt rapide ab. Denkprozesse können delegiert werden. Manchmal werden Antworten gegeben, bevor die Fragen verstanden sind. So können Ergebnisse passend und weiterführend sein, aber andererseits auch haarsträubend. Wo steht der Mensch?

Müßte die Frage nach der Selbstkontrolle nicht in eine ganz andere Richtung und noch tiefer gehen? Was wird aus dem Menschen, der Person, wenn KI immer bestimmender wird? Man sollte die erste große Enzyklika von Papst Leo XIV. ‚Magnifica humanitas‘ sehr ernst nehmen. Der Papst hat zur Abfassung mit Vertretern von KI, Wirtschaftsleuten und anderen zusammengearbeitet. Kenntnisreich schreibt er ‚Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz‘. Schon die Themenstellung lässt aufhorchen und das Fazit ist auf verschiedenen Ebenen bedacht. Der Papst verteufelt nie, was technisch heute möglich ist. Er sieht und benennt die vielfachen Chancen. Dabei ist ihm aber wichtig, dass Technik und Geld nicht die entscheidenden Faktoren sind. Der Mensch muss die verschiedenen Entwicklungen so steuern, dass sie ihn nicht beherrschen. Er ist als ein personales Gegenüber und nicht nur als Funktion zu sehen.1 Die wichtigste Herausforderung heute ist, „zutiefst menschlich zu bleiben.“2 Dazu ist entscheidend, welches Menschenbild wir haben. In allem – als Christen menschlich bleiben!

Gertrud Pollak
Ordinariatsdirektorin a. D.

Foto von JÉSHOOTS: https://www.pexels.com/de-de/foto/nahaufnahme-des-handys-250459/

Dr. Gertrud Pollak
Mainz

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  1. Vgl. MH 114 ↩︎
  2. MH 15 ↩︎

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