Zwischen Hoffnung und Resignation
04.11.2026
1.714 Tage dauert heute, am 4. November 2026, der Krieg in der Ukraine. Er dauert damit bereits länger als der Erste Weltkrieg. Zwischen Hoffen und Bangen vernehmen wir fortwährend die Nachrichten von Bomben und Zerstörung.
In diesen Tagen kam die Nachricht über eine kurze Waffenruhe in der südukrainischen Frontstadt Oleschky. Bis zum 1. November sollten die Waffen schweigen, damit die zurückgebliebene Bevölkerung versorgt und in Sicherheit gebracht werden kann. Ein Korrespondent in Kiew kommentierte, bei aller Skepsis könnte das vielleicht ein Modell sein, wie nach und nach ein Waffenstillstand für das ganze Land erreicht werden könnte.
Barbara Hahlweg kündigte den Fernsehbeitrag an: „Wir beginnen mit einer guten Nachricht aus der Ukraine.“ Ja, aus der Ferne und mit der nur unterschwelligen Befürchtung, dass Putin nicht in der Ukraine Halt machen könnte, ist auch mein erster Reflex: Vielleicht kommt der Krieg doch bald zu einem Ende. Wenn Betroffene aus der Ukraine zu Wort kommen, klingt es meist anders. Sie glauben nicht wirklich an ein schnelles Ende dieses Krieges und der Qualen, die er mit sich bringt – obwohl sie zugleich auch irgendwie hoffen.
Mir fällt dazu der Prophet Elia im ersten Buch der Könige, Kapitel 19, ein. Er hat mit dem Sieg über die Baalspriester sozusagen den Höhepunkt seiner prophetischen Karriere erreicht. Doch dann stürzt er in tiefste Resignation, als ihm Königin Isebel nach dem Leben trachtet. Erschöpft und verzweifelt flieht er in die Wüste. Doch das ist nicht das Ende. Ein Engel stärkt ihn mit Speisen, die ihm die Kraft geben, bis zum Berg Horeb zu wandern. Und dort begegnet ihm Gott in einem „sanften, leisen Säuseln“.
Hoffnung und Resignation liegen oft ganz nahe beieinander. Die Bibel geht davon aus, dass Gott den Menschen nicht nur auf Höhen, sondern auch in der tiefsten Resignation begleitet. Die biblische Botschaft sieht sogar ein gutes Ende, das Gottes Gegenwart wahrnehmen lässt.
Im Vergleich ist es wohl kaum ratsam zu fragen, wer in dem russischen Angriffskrieg die Baalspriester sind, wer in der Wüste leben muss oder wer für wen Stärkung bringt. Doch diese Botschaft gilt: Gott ist in der Resignation der Menschen nicht abwesend. Er ermutigt zur Hoffnung, an ein gutes Ende zu glauben. Und er verheißt, seine begleitende Nähe in irgendeiner Weise zu zeigen. Wir sollen bereit sein, seine Spuren zu suchen und zu finden.
Hubertus Brantzen, Mainz
Foto von Artem Podrez: https://www.pexels.com/de-de/foto/vogel-hand-tier-schnabel-7048694/









