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Flüchtlinge in Deutschland

01.01.2016

  • Wir regen an, bereits in der Terminologie einen positiven Umgang mit der Erfahrung, dass so viele Flüchtlinge aus Krisengebieten zu uns kommen, zu signalisieren. Wir sind daher gegen den Begriff der „Flüchtlingskrise“ und für die Begrifflichkeit „die Situation der Flüchtlinge“.
  • In der Beurteilung der Lage sind wir für eine vorbehaltlose Analyse dazu, wie es einerseits den zu uns kommenden Flüchtlingen geht, andererseits wie die Menschen in unserem Land darauf reagieren.
    Wir betonen, dass wir nicht nur von Zahlen sprechen dürfen, sondern von tragischen Schicksalen und schwierigsten Wanderungspfaden, die die Flüchtlinge hinter sich haben. Wir betonen, dass in den Augen Gottes jedes Einzelschicksal wichtig ist und jeder einzelne Mensch eine unantastbare Würde besitzt. Dieser Einsicht müssen die Hilfsmaßnahmen entsprechen.
    Gleichzeitig wollen wir die Ängste, die bei vielen Deutschen entstehen, ernst nehmen. Deren Reaktionen wurzeln in der Angst um die eigene Identität, in Verlustängsten, in der Angst vor Veränderung sowie der Abwehr von Fremdem. Diese Ängste kann man nicht einfach verbieten. Sie müssen entzaubert werden.

    Unter den Augen Gottes ist jedes Einzelschicksal wichtig.
    Jeder Mensch hat eine unantastbare Würde.

  • Daneben ist aber eine überwältigende Hilfsbereitschaft festzustellen. Menschen begrüßen die Flüchtlinge herzlich – man spricht inzwischen von einer „Willkommenskultur“. Sie investieren Zeit, Geld und teilweise auch Wohnraum in das Anliegen, dass diese leidgeprüften Menschen eine neue Heimat finden sollen.
  • Bemerkenswert ist die Haltung und Einstellung von Kanzlerin Angela Merkel. Sie stemmt sich gegen einen größer werdenden Abwehrtrend, nimmt sogar einen Beliebtheitsverlust in Kauf. Sie geht in beispielhafter Weise allen voran: „Wir haben doch alle Chancen, uns zu unserer Religion zu bekennen. Dann haben wir doch den Mut, zu sagen, dass wir Christen sind. Dann haben wir doch den Mut, in einen Dialog einzutreten.“ (Quelle: http://www.huffingtonpost.de/2015/09/08/angela-merkel-antwort-bee_n_8101800.html)
  • Solche und ähnliche, motivierende Sätzen sollen gesammelt werden. So etwa die Aussage von Kardinal Marx: „Es gibt keine Ausländer für uns, alle Menschen sind Kinder Gottes, auch die, die nicht Christen sind.“ (Quelle: Spiegel-Interview, 3/2015)
    Hierzu passt auch die Aussage Josef Kentenichs: „Erst Mensch werden, dann Christ, dann ganzer Mensch.“
  • Es muss ein Bewusstsein in der Bevölkerung entstehen, dass die Aufnahme der Flüchtlinge keine „Bedrohung“, sondern eine positive „Herausforderung“ ist, deren Bewältigung auch stolz machen kann. Diese Menschen sind ein Chance für unser Land, ja ein Geschenk. Jedenfalls überwiegen die Chancen deutlich die Probleme, die entstehen und entstehen können.
  • Die Politik kann Weichen stellen, um Integration der Flüchtlinge zu ermöglichen. Der eigentliche Vorgang der Integration geschieht aber durch zwischenmenschliche Beziehungen. Diese Integration muss auf Augenhöhe zwischen den Menschen geschehen. Die Flüchtlinge müssen sich nicht einfach nur anpassen. Auch Deutschen und alle, die schon lange hier leben, müssen in sich Integrationsarbeit leisten.

    Der eigentliche Vorgang der Integration geschieht aber durch zwischenmenschliche Beziehungen.

  • Der Vorgang des Flüchtlingsstroms soll in einem größeren geschichtlichen Rahmen gesehen werden. Solche Ströme, ja Völkerwanderungen, gab es im Laufe der Geschichte immer wieder.
    –  In der jüngeren europäischen Geschichte wanderten z.B. Millionen Menschen aufgrund der Kartoffelpest Mitte des 19. Jahrhunderts aus Irland aus. Großherzig nahmen die USA und Australien diese Menschen auf.
    –  Im letzten Jahrhundert bis in unseren Tagen fliehen Menschen zu Hunderttausenden aus Kriegs- und Krisengebieten in Nachbarländer.
  • Für uns als Christen hat der Vorgang noch einen Mehrwert. Wir glauben daran, dass durch diesen Vorgang Gott uns etwas mitteilen und einen Auftrag erteilen möchte. Er fordert uns zur Mitarbeit auf.
    –   Menschen, die zu uns kommen sind nicht zuerst eine Last, sondern eine Bereicherung, ein Segen.
    –   Wir selbst, wie die Aussagen Gottes an Abraham, den Vater des Glaubens, selbst ebenfalls ein Segen für diese Menschen sein.
    –   Die Menschen leben meist, wenn sie zu uns kommen in Zelten. Das Zelt ist ein altes biblisches Bild
    für die Anwesenheit Gottes bei seinem Volk. Vielleicht ist uns Gott gerade
    in den Zelten der Flüchtlinge besonders nahe.
  • Wir möchten die Medien anregen, positive Beispiele der Willkommenskultur und der Integration regelmäßig vorzustellen. Vergleichbar der ARD-Sendung „Wissen vor acht“ könnte man kurz vor den TV-Nachrichten einen positiven Akzent „Integration vor acht“ setzen. In unserem Land bewegen augenblicklich wohl mehr Menschen die Situation der Flüchtlinge als die Börse, deren Stand mit großer Selbstverständlichkeit täglich vorgestellt wird.

Foto: © Alexander Yakovlev · fotolia.de

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