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Editorial basis 05.2020

Editorial basis 05.2020

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Liebe Leserin, lieber Leser!

„Manche verwechseln das Recht auf Meinungsfreiheit mit dem Anspruch darauf, dass auch alle anderen ihre Meinung teilen. Oder mit dem Recht, jede noch so absurde Behauptung müsse ernst genommen werden. Wer sich aber öffentlich äußert, muss natürlich mit der Überprüfung seiner Aussage rechnen – und mit dem Widerspruch. Dem ‚Das wird man ja wohl noch sagen dürfen‘ folgt eben gern ein ‚Dem wird man ja wohl auch widersprechen dürfen‘. Und das nenne ich nicht Mainstream, das nenne ich nicht Tugendterror – das nenne ich Demokratie.“ 

Was Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im November 2019 benannt hat, ist auch eines der Themen, das sich durch diese „basis“-Ausgabe zieht: Dort, wo nicht wie in einer Monarchie oder Diktatur eine Person ohne die Kontrolle durch andere festlegt, welche Meinung richtig oder falsch ist, geht es darum, die unterschiedlichen Anliegen immer wieder neu auszutarieren, Argumente zu prüfen und gegebenenfalls bisherige Entscheidungen zu widerrufen.

Das fängt in der Familie an, geht weiter über die Städte und Gemeinden, in denen wir leben, und betrifft schließlich die Staaten. Auch in der Kirche geht es darum, den Widerspruch auszuhalten, der dem Anschein nach in der Rede vom „Volk Gottes“ einerseits und der hierarchischen Struktur auf der anderen Seite liegt.

Neben einer grundsätzlichen Klärung, was „Demokratie“ meint, liefert das vorliegende Heft ganz unterschiedliche Facetten, die mit dem Thema im engeren wie im weiteren Sinne verbunden sind. Unter anderem geht es um die Überlegung, welche Voraussetzungen ein Mensch mitbringen muss, um wirklich demokratiefähig zu sein. Zugleich steht dann natürlich auch die Frage im Raum: Warum entwickeln einige Personen ein krampfhaftes Streben nach Macht?

Neben viel grundlegender Theorie gibt es in diesem Heft auch einen Einblick in die direkte Demokratie, wie sie in einigen Kantonen der Schweiz gelebter Alltag ist. Dort sind die Bürgerinnen und Bürger in Regelmäßigkeit gefragt, an der Urne ihre Meinung zu konkreten politischen Fragen kundzutun. Ebenfalls direkt aus der Praxis: Im Bistum Würzburg gibt es als Erprobungsprojekt einige unterschiedliche Modelle, wie auch ehrenamtliche Laien an der Gemeindeleitung mitwirken können. Eine erste Zwischenbilanz schaut auf Vor- wie Nachteile. Wie ein Priester die Erfahrungen mit geteilter Macht sieht, reflektiert ein weiterer Beitrag. Durchaus provokant ist ein Artikel, der sich kritisch mit dem Begriff „Volk Gottes“ auseinandersetzt, der für das Zweite Vatikanische Konzil zentral ist. 

Und ja: Ganz spurlos geht auch die Coronakrise nicht an diesem Heft vorbei, wie Sie unter anderem der „Bibelbasis“ und einem Beitrag zum Thema Glaube und Vertrauen entnehmen können. Dazu gibt es im nächsten Heft noch deutlich mehr.

Bis dahin wünschen wir vom Redaktionsteam Ihnen viel Spaß bei der Lektüre des aktuellen Hefts mit dem Schwerpunkt „Demokratie“. 

Ihr

Markus Hauck

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