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Editorial basis 04.2020

Editorial basis 04.2020

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Liebe Leserin, lieber Leser!

„Keine Macht für niemand!“ war in den 1980er Jahren ein beliebter Spruch für die damals modischen runden Pins, die man sich, je nach Belieben, an Jacke, Hemd oder Rucksack heftete. Hintergrund war damals der Einfluss der Punkbewegung und der eng mit ihr verknüpften Idee der Anarchie: Keiner soll irgendjemandem etwas hineinreden, jeder soll „sein Ding“ machen dürfen, wie es ihm passt. Klingt verlockend? Vielleicht, aber spätestens, wenn da jemand kommt, der womöglich stärker ist und dann meine Kreise stört, sehnt sich vermutlich jeder nach einer Macht, die wieder die vorigen Verhältnisse herstellt.

Womöglich ist Macht also nicht automatisch etwas Schlechtes. Oder doch? Im Magnificat, dem Lobgesang, den Lukas in seinem Evangelium der Gottesmutter Maria in den Mund legt, ist davon zu lesen, dass Gott die Mächtigen vom Thron stößt und die Niedrigen erhöht. Mal abgesehen davon, dass es ja dann wieder Mächtige gibt: Sind Mächtige denn automatisch deswegen schlechtere Menschen, weil sie Macht haben? Warum ist die katholische Kirche hierarchisch gegliedert und deswegen mit einer klaren Machtordnung ausgestattet?

Das vorliegende Heft versucht, das Thema Macht aus möglichst vielen Blickwinkeln zu beleuchten und so vielleicht den Horizont zu erweitern. Unter anderem blicken wir aus psychologischer Sicht darauf, was manche Menschen dazu bringt, nach Macht zu streben. Sprache hat seit jeher auch etwas mit Macht zu tun. Richtige Worte können bewegen, eine von allzu vielen Fachausdrücken geprägte oder mit nebulösen Ausdrücken arbeitende, unverständliche
Sprache kann Außenstehende und Menschen bestimmter Bildungsschichten ausschließen.

Gleichzeitig möchte die vorliegende „basis“ ermuntern, die persönlichen Möglichkeiten zu nutzen, dort etwas zu bewegen, wo viele sich als ohnmächtig erleben. Zum Beispiel beim Thema Konsum. Denn jeder kann an der Kasse darauf Einfluss nehmen, was wo wie produziert wird. Und auch das Thema Bildung hat sehr viel mit Macht zu tun, zeigt ein erfahrener Pädagoge anhand konkreter Erlebnisse aus seinem Schulalltag auf.

Besonders ermutigend ist in diesem Zusammenhang ein Blick auf Pater Franz Reinisch, den einzigen Priester, der während der Diktatur der Nationalsozialisten den Fahneneid auf Hitler verweigert hat. Dem Anschein nach musste er sich damit dem Unrecht beugen. Doch auch in scheinbarer Ohnmacht kann viel Kraft liegen.

Viel Freude bei der Lektüre wünscht Ihnen im Namen der Redaktion

Ihr

Markus Hauck

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