Fünf von Dreitausend
22.04.2026
Es ist Erstkommunionsaison. An vielen Orten feiern katholische Gemeinden in diesen österlichen Tagen Erstkommunion. Für mich als Gemeindereferentin jedes Jahr aufs Neue eine spannende Zeit, denn über einen längeren Zeitraum durfte ich Kinder begleiten und mit der Botschaft des Evangeliums in Berührung bringen. Und ehrlich: Ich lieb’s! Was ich rund um die Erstkommunion allerdings nicht mag, sind die Menschen, die mir nachher begegnen und sich darüber auslassen, dass es das für die Familien ja jetzt erstmal war. „Da sind wir mal gespannt, wen wir nächsten Sonntag von denen noch sehen!“ Wenn ich das höre, muss ich mich sehr zusammenreißen nicht ungerecht zu werden. Mich triggert der Satz und er offenbart für mich ein Dilemma, in dem wir uns befinden. Zum einen wünsche ich mir natürlich auch, dass die Kommunionvorbereitung so gut war, dass die Kinder und ihre Familien jetzt die Sehnsucht haben, jeden Sonntag an der Eucharistiefeier teilzunehmen. Ich höre in der süffisanten Frage aber auch den Auftrag, dass ich als Hauptamtliche in der Kirche die Verantwortung dafür trage, wie gut die Bänke am nächsten Sonntag gefüllt sind. Und auch, wenn ich in Gemeinden wirken darf, die immer wieder kreative Wege der Verkündigung suchen, geht auch an uns die allgemeine Kirchenentwicklung nicht vorbei. Ich frage mich häufig: Was müsste ich/wir anders machen? Wo bräuchte es (noch) mehr Invest? Da berührt es mich in sonderbarer Weise, dass wir in diesen Tagen immer wieder aus der Apostelgeschichte Sätze wie diesen hören „An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt.“ (Apg 2,41) Ein Traum!?
Osterspuren
Szenenwechsel. In den Wochen nach Ostern sitze ich mit den Pfarrgemeinderäten meiner Pfarreien zusammen und auch in der Dienstgemeinschaft der Hauptamtlichen sind wir im reflektierenden Gespräch über die vergangenen Kar- und Ostertage. Wir erzählen uns: Von bewegenden Gottesdiensten; von Menschen, die an den Kirchentüren freudestrahlend erzählen, wie sehr sie sich von der Feier der Osternacht haben berühren lassen; von Menschen, die in großer Innigkeit bei der Kreuzverehrung am Karfreitag teilgenommen haben, usw. Und jede dieser Runden macht Mut, lässt uns Freude spüren und setzt Kreativität frei.
Von den Dreitausend der Apostelgeschichte sind wir weit entfernt, aber das, was hier geschehen ist, macht mich froh und zuversichtlich. Wir klagen nicht, sondern wir freuen uns über all die berührenden Begegnungen und an den Menschen, die Tod und Auferstehung Jesu mitgefeiert haben. Es ist nicht, weil wir „anders“ Ostern gefeiert hätten als in den letzten Jahren – mit Special Effects oder mehr Primborium, sondern wir durften erleben, dass Menschen aller Generationen einfach da sind. Miteinander bilden sie Gemeinde und erfahren den Wert dieser Gemeinschaft. Nachher hat niemand gefragt, ob denn all diejenigen, die zur Osternacht da waren auch am nächsten Sonntag wiederkommen. Nein: Wir haben uns einfach gefreut.
Hoffnungszeichen
Und während ich den Artikel schreibe klingelt mein Telefon: „Guten Tag! Wir sind zugezogen. Ich würde unseren Sohn gerne taufen und meine Tochter in die Kirche aufnehmen lassen.“ Verrückt. Fast das gleiche Telefonat wie 24 Stunden zuvor: „Hallo! Ich möchte meine zwei Kinder in die Kirche aufnehmen lassen. Bin ich da bei Ihnen richtig?“ Und während ich weiterschreibe geht eine E-Mail mit dem Betreff „Anfrage Taufe/Erstkommunion“ bei mir ein.
Fünf von Dreitausend… Mir geht das Herz auf und in mir wächst das Vertrauen: Der Herr sorgt für seine Kirche. Ich verstehe einmal mehr, warum wir am 4. Sonntag der Osterzeit Jesus als den guten Hirten in den Blick nehmen: „…die Schafe hören auf seine Stimme, er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen… und die Schafe folgen ihm, denn sie kennen seine Stimme.“ (Joh 10,3-4)
Das Beste daran – all das geschieht ohne mein Zutun. Halleluja!
Eva-Maria Baumgarten, Gemeindereferentin im Pastoralverbund St. Michael Hohe Rhön, Bistum Fulda
Foto: Mike_November auf Pixabay









