Mutmacher für Kirche und Gesellschaft
Der Katholikentag 2026 als geistlicher und gesellschaftlicher Impulsgeber in bewegten Zeiten
von Andreas Kratel
Seit über 175 Jahren finden die deutschen Katholikentage statt. Seit jeher waren sie Plattform für kirchenpolitische und gesellschaftspolitische Fragen. Neben der Feier von zahlreichen kleinen und großen Gottesdiensten und der vielfältigen Möglichkeit zur Begegnung waren und sind Katholikentage Orte der Zeitansage. Von Ihnen gingen und gehen wichtige Impulse in die Kirche und in die Gesellschaft hinein. Auf den deutschen Katholikentagen stellt sich die gesamte Bandbreite des katholischen Lebens in Deutschland dar. Zahlreiche Verbände und Organisationen wirken bei der Vorbereitung und Durchführung ebenso mit wie Diözesanräte und Diözesankomitees. Die Deutschen Katholikentage werden vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) veranstaltet, Gastgeber ist immer ein jeweils anderes Bistum; 2026 ist es das Bistum Würzburg.
Lösungen für die Zukunft suchen
Das Programm eines Katholikentags besteht aus drei großen Säulen. Zunächst ist da die große Zahl von Gottesdiensten, Gebetszeiten und Bibelarbeiten und die Werkstätten im biblisch-geistlichen Zentrum. Ein zweiter großer Bereich ist das Kulturprogramm aus allen künstlerischen Genres, nicht als schmückendes Beiwerk, sondern als Ausdruck der vielfältigen Möglichkeiten menschlicher Kreativität. Der dritte Bereich dann sind die kirchenpolitischen und gesellschaftspolitischen Veranstaltungen. Zu ihnen werden Referentinnen und Referenten aus verschiedensten kirchlichen und gesellschaftlichen Bereichen eingeladen. Hochrangige Politikerinnen und Politiker, Wissenschaftler, Journalisten und zahlreiche andere Vertreter diskutieren die wichtigsten Fragen der Zeit. Katholikentage stellen damit eine Plattform gelebter Demokratie dar. Es geht darum, in konstruktiver Atmosphäre Argumente zu hören, auszutauschen und gemeinsam nach Lösungen für die Zukunft zu suchen.
Jeder Katholikentag steht unter einem Leitwort. Oft ist das Leitwort der Heiligen Schrift entnommen. Beim Katholikentag 2026 in Würzburg stammt das Leitwort aus dem Markusevangelium aus der Heilungsgeschichte des Blinden Bartimäus. „Hab Mut, steh auf!“ rufen die Jüngerinnen und Jünger dem blinden Bartimäus zu. Er fasst sich ein Herz, lässt sich aufrütteln, steht auf und tritt Jesus gegenüber. Sein Glaube hat ihn ermutigt, nicht still an der Seite sitzen zu bleiben, sondern selbstbewusst sein Anliegen vorzutragen.
Kirche und Gesellschaft aktiv und konstruktiv mitgestalten
Das Leitwort passt hervorragend in das aktuelle Zeitgeschehen. Viele Menschen sind durch Krisen verunsichert. Herausfordernde soziale Fragen im Inland und andauernde und neue Kriege auf der Welt führen zu Desorientierung und Entmutigung. Der Katholikentag möchte mit dem Leitwort ein anderes Signal setzen. Aus dem Glauben heraus können und wollen wir als Christen die Hoffnung auf eine gute Zukunft nicht aufgeben. Wir stehen bereit, Kirche und Gesellschaft aktiv und konstruktiv mitzugestalten. Die Teilnahme und Mitwirkung bei einem Katholikentag kann eine Mut-Schule sein: Man kommt zusammen mit vielen anderen begeisterten und ermutigten Menschen, man trifft sich in Gottesdiensten, um sich vom Wort Gottes und vom Sakrament stärken zu lassen, und man tanzt und feiert miteinander. So gestärkt ist man in der Lage am gesellschaftlichen Diskurs teilzunehmen und sich einzubringen.
Großes Interesse
Meine persönliche Erwartung für den Katholikentag in Würzburg 2026 ist, dass uns dieser Anspruch wieder gut gelingen wird. Zahlreiche ehrenamtliche Vorbereitungsgruppen haben sich intensiv darüber Gedanken gemacht, welche Themen den Menschen am Herzen liegen. Insbesondere das gastgebende Bistum Würzburg hat sehr viele Christinnen und Christen zum Aufstehen ermutigt, sie haben sich intensiv in die Programmvorbereitungen eingebracht. Auch bei den organisatorischen Vorbereitungen zeigt sich, auf wie großes Interesse der Katholikentag in Würzburg wieder stößt: Es haben sich über tausend ehrenamtliche Helferinnen und Helfer angemeldet, und Würzburger Bürgerinnen und Bürger haben mehrere tausend Betten in privaten Quartieren angeboten.
Ich selbst bin in verschiedenen Gremien federführend an den Vorbereitungen beteiligt. Ganz konkrete Hoffnungen verbinden sich für mich mit dem Katholikentag in Würzburg: Zunächst, dass er mit seinen rund 900 Veranstaltungen friedlich und sicher abläuft. Durch ein ausgefeiltes Sicherheitskonzept sind wir gut vorbereitet. Dann hoffe ich natürlich auf eine große Zahl von Besucherinnen und Besuchern. Ich bin gewiss, dass nicht zuletzt aus dem katholisch geprägten Unterfranken viele Menschen nach Würzburg reisen werden. Vor allem aber hoffe ich, dass vom Katholikentag vom 13. bis 17. Mai 2026 ein ermunterndes Zeichen ausgeht: Vereint in der großen Zahl der Glaubenden sind wir in der Lage und bereit, Kirche und Gesellschaft weiterhin aktiv und positiv mitzugestalten. Wir nehmen uns das Leitwort zu Herzen: „Hab Mut, steh auf!“
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