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Brückenbauen als Programm

Papst Leo und seine Art zu reden, gerade weil es schwierig ist

von Felix Geyer

Papst Leo XIV. beginnt sein Pontifikat nicht mit einem Programm, sondern mit einer Haltung. Sein erster öffentlicher Satz ist ein Gruß: „Friede sei mit euch!“ – und er deutet ihn sofort: ein Friede, der entwaffnet und entwaffnend wirkt, demütig und beharrlich. Schon darin liegt sein Ansatz:
Frieden beginnt nicht erst bei Verträgen, sondern bei der Weise, wie wir sprechen, hören und einander begegnen. Seine Art trifft den Kern unserer Zeit. Wenn ich auf die deutsche Schönstatt-Bewegung blicke und vor allem auf unser Jahresmotto „dem Wind trauen – im Sturm glauben“, dann liefert uns Papst Leo eine Blaupause für das, was es heißt, aktiv am Vertrauen und damit am Glauben zu arbeiten. Hier sollen einige Gesichtspunkte seiner Art zu agieren benannt werden und gefragt werden, was wir von unserem Papst vielleicht besonders lernen können. Dabei stehen seine erste Friedensworte auf der Loggia als programmatisches Leitwort.

Diese Grundlinie zieht sich durch seine frühen Ansprachen. Besonders deutlich formuliert er sie gegenüber Medienschaffenden: „Entwaffnen wir die Worte, dann helfen wir, die Welt zu entwaffnen“ (Ansprache an Medienschaffende, 12.05.2025). Kommunikation ist für Papst Leo kein neutrales Instrument. Sie entscheidet mit darüber, ob Konflikte eskalieren oder ob überhaupt noch ein Raum entsteht, in dem Menschen sich begegnen können.

Damit ist bereits seine Methode benannt: Leo XIV. baut Brücken nicht durch schnelle Kompromisse, sondern durch Gesprächsfähigkeit unter Spannung.  Seine Reden folgen oft einer klaren inneren Bewegung: Er beginnt mit Wertschätzung – für Menschen, Kulturen, Situationen. Er benennt das Gemeinsame. Und erst dann setzt er einen inhaltlichen Akzent, oft durchaus anspruchsvoll. Die Würdigung ist dabei kein rhetorischer Einstieg, sondern die Voraussetzung dafür, dass das Gegenüber überhaupt hörfähig bleibt.

Auffällig ist auch, mit wem dieser Papst spricht. Er bewegt sich selbstverständlich innerhalb der Kirche, aber nicht ausschließlich. Seine Gesprächspartner sind Kardinäle und Jugendliche, Diplomaten und Wissenschaftler, Vertreter anderer Religionen, gesellschaftliche Akteure, Menschen aus Medien, Wirtschaft und Sozialarbeit. Leo XIV. sucht gezielt die Schnittstellen – dort, wo unterschiedliche Logiken aufeinandertreffen: Glaube und Politik, Technik und Ethik, Religion und Öffentlichkeit.

Dialog braucht Mut

Programmatisch wird das in seiner ersten Ansprache vor dem Kardinalskollegium. Dort spricht er von einem „mutigen und vertrauensvollen Dialog mit der Welt von heute“ (Ansprache an das Kardinalskollegium, 10.05.2025). Dieser doppelte Akzent ist entscheidend: Dialog braucht Mut, weil er die eigene Position einbringt – und Vertrauen, weil er dem anderen nicht nur Irrtum, sondern auch Wahrheit zutraut.

 

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Felix Geyer

Schönstatt-Pater, Jahrgang 1986. Lehrbeauftragter für Sozialethik am CTS Berlin, Schriftleiter der Zeitschrift Regnum, Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken und seit Oktober Leiter der Deutschen Schönstatt-Bewegung. Er beschäftigt sich mit Wertfragen und gesellschaftlicher Veränderung und der Mitgestaltung der Schönstatt-Bewegung.

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