Synodalität auf Dauer stellen

Synodalität auf Dauer stellen

Erfahrungen auf dem Synodalen Weg

von Matthias Leineweber

Von der Betroffenheit zum Dialog

Nach der Veröffentlichung der MHG-Studie über die sexualisierte Gewalt im Leben der katholischen Kirche im Jahr 2018 und die Feststellung, dass die Mehrheit der Täter Priester waren, wurde auf Wunsch der Bischofskonferenz ein synodaler Prozess ins Leben gerufen. Auf Bitten der Bischöfe haben sich das ZdK und andere Personen als Vertretung des katholischen Lebens auf einen schwierigen Weg gemacht, Antworten zu suchen, um solchen Missbrauch in Zukunft möglichst auszuschließen. Große Betroffenheit lösten nicht nur die schrecklichen Taten aus und das Leid, das dadurch unzähligen Betroffenen zugefügt wurde und nun endlich in den Blick genommen wurde. Tiefes Entsetzen rief ebenso der Umgang kirchlicher Verantwortungsträger mit Missbrauch und sexualisierter Gewalt hervor, der überwiegend von Verschweigen und Vertuschung gekennzeichnet war. 

Ausgangspunkt des nicht einfachen Weges war die Überzeugung: „Wir müssen reden. Auch und gerade, weil es schwierig ist“. Im Präambeltext des Synodalen Weges heißt es: „Wir suchen nach einem Weg für die Kirche in diesem Land und in dieser Zeit, auf dem sie in neuer Weise anschlussfähig wird an die existentiellen Fragen der Menschen von heute und dadurch den Auftrag der Evangelisierung neu wahrzunehmen lernt“ (Nr. 2). 

Als 2019 mit der ersten Synodalversammlung in Frankfurt der Startschuss gegeben wurde, war die Unfähigkeit zum Gespräch deutlich zu spüren. Zu groß waren emotionale Befindlichkeiten und Verletzungen, vor allem auch von Betroffenen. Es wurden Monate und Jahre benötigt, um in ein gemeinsames Gespräch zu kommen oder zumindest eine gelungene Kommunikation zu den verschiedenen Themen zu finden. Vielleicht ist das bis heute nicht vollkommen gelungen. Allerdings wurde eine Wegstrecke von Monologen, die nebeneinander gestellt wurden, Schritt für Schritt zurückgelegt hin zu mehr Dialog und Verständnis. 

Versuch der Aufarbeitung

Der gesamte Prozess von 2019 bis zur sechsten Synodalversammlung im Januar 2026 und der jetzigen Übergangsphase war ein Versuch, einen Weg der Synodalität von Bischöfen und Männern und Frauen der Kirche aus unterschiedlichen Kontexten aufzubauen, der durch die beiden Bischofssynoden zur Synodalität 2023 und 2024 auch auf der Ebene der Gesamtkirche auf Initiative von Papst Franziskus eingeschlagen wurde. Er selbst hatte 2019 in seinem Schreiben an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland auf die Bedeutung des Prozesses hingewiesen, der Zeit und Begegnung benötigt: „Die aktuellen Herausforderungen sowie die Antworten, die wir geben, verlangen im Blick auf die Entwicklung eines gesunden aggiornamento «einen langen Reifungsprozess und die Zusammenarbeit eines ganzen Volkes über Jahre hinweg». Dies regt das Entstehen und Fortführen von Prozessen an, die uns als Volk Gottes aufbauen, statt nach unmittelbaren Ergebnissen mit voreiligen und medialen Folgen zu suchen, die flüchtig sind wegen mangelnder Vertiefung und Reifung oder weil sie nicht der Berufung entsprechen, die uns gegeben ist“ (Nr. 3). 

Die deutsche Kirche entschloss sich, diesen Prozess auf der Grundlage von vier Themen zu gehen, die in Foren vertieft und zu denen dann in den Vollversammlungen Texte verabschiedet wurden: 1. Macht und Gewaltenteilung in der Kirche. Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag, 2. Priesterliche Existenz heute, 3. Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche und 4. Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft.

 

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Matthias Leineweber

Dr. theol, Domvikar in Würzburg. Als Vertreter der Gemeinschaft Sant’Egidio und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) war er Mitglied der Synodalversammlung und des Forums „Priesterliche Existenz heute“ sowie des Synodalen Ausschusses, in dem er in der Kommission für die nicht verabschiedeten Texte mitgearbeitet hat.

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Beitragsfoto: © contrastwerkstatt · stock.adobe.com

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