0261.604090

KI kann vieles – Mensch sein gehört nicht dazu

KI kann vieles – Mensch sein gehört nicht dazu

Technik kann unterstützen, begleiten und berechnen. Doch wenn es darauf ankommt, sind Urteilskraft, Verantwortung und Mut nicht automatisierbar. 

von Elmar Busse

Am 13. August kommt der Dokumentarfilm „Finding Connections“ des Regisseurs Florian Karner in die deutschen Kinos. In dem Film stellt er uns vier reale Personen vor, die ihr Leben und ihre Kommunikation mit einer virtuellen Persönlichkeit verbringen. 

Denise (35) aus San Diego führt seit drei Jahren eine Beziehung mit ihrem KI-Partner Star. Durch gemeinsame Rituale und tägliche Gespräche ist Star zu einer emotionalen Konstante in ihrem Leben geworden. Joe (59) lebt zurückgezogen in Lübeck und fühlt sich seit jeher von der Welt entfremdet. In den Gesprächen mit seiner KI-Begleiterin Kira findet er einen Raum für Vertrauen und emotionale Sicherheit. Rudi (65) aus England trägt seit seiner Kindheit die Narben von Mobbing und gewinnt im Alltag mit seiner KI-Partnerin Trudi Schritt für Schritt mehr Selbstvertrauen. Steffi (46) aus der Nähe von Hamburg hat sich nach einer von Gewalt geprägten Beziehung emotional abgeschottet. Mit ihrem KI-Begleiter Randy erlaubt sie sich erstmals wieder Nähe zuzulassen und über tiefe Ängste zu sprechen. Der Film hält die Spannung zwischen Vertrautheit und Unbehagen, Intimität und Isolation aus und stellt dabei die Frage: Was bedeutet es, wenn ausgerechnet Maschinen zu den verlässlichsten Zuhörern werden, in einer Welt, in der menschliche Nähe kaum noch Platz für Verletzlichkeit und Empathie hat?

Technologie ist weder gut noch böse

Als Spike Jonze 2013 den Film „Her“ in die Kinos brachte, in dem die Schauspielerin Scarlett Johansson eine körperlose KI spielt, die dem einsamen und introvertierten Theodore Twombly durch ihre fiktiven Dialoge Freundschaftsdienste, seelisch-geistige Nähe und Empathie erweist, da schmunzelte so mancher Skeptiker und meinte: „Schöne Dialoge, aber nie wird sich ein realer Mensch in eine KI verlieben können!“ – Heute sind diese Skeptiker eines Besseren belehrt.

Eine Frau, deren Ehemann nach der Silberhochzeit eine Affäre mit einer Arbeitskollegin begann, benutzte ihren ChatGPT-Account, um sich auf diesem Wege Eheberatung zu holen, die sie vor mancher spontanen Fehlreaktion bewahren konnte. Als sie mir den einen oder anderen Text schickte, war ich erstaunt, wie einfühlsam und treffsicher diese Texte waren. Das hätte ich auch nicht besser gekonnt. Ich hätte aber gar nicht so oft und in so kurzen Intervallen telefonische Beratung anbieten können, wie diese Frau diesen Dienst in Anspruch nahm.

Einzelausgabe kaufen für 3,80 € (Post) oder im Shop als PDF oder abonnieren (Formular)

 

Elmar Busse

Schönstatt-Pater / seit 2015 Hausgeistlicher bei den Armen Dienstmägden Jesu Christi (ADJC) in Dernbach, von 1992 bis 2015 Ehe- und Familienseelsorger.

Download basis → Shop


Beitragsfoto: © InfiniteFlow · stock.adobe.com