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Eine Person hält eine Gebetskerze in einer Kirche in den Händen.

Vertrauen wagen – weil Gott die Geschichte führt

22.07.2026

Vertrauen ist zu einer Mangelware geworden. Misstrauen prägt viele Gespräche, Schlagzeilen und öffentliche Debatten. Immer häufiger entsteht der Eindruck, dass Interessen wichtiger sind als Wahrheit und Macht stärker ist als Gerechtigkeit.
Auch der Sport, der Menschen über Grenzen hinweg verbinden sollte, bleibt davon nicht verschont. Seit Jahren werfen Korruptionsvorwürfe gegen die FIFA Schatten auf den Weltfußball. Kommen dann Dinge dazu, wie etwa die Rücknahme einer roten Karte nach einem WM-Spiel zugunsten der USA, fragen sich viele Menschen: Gilt das Recht wirklich für alle gleichermaßen? Selbst wenn einzelne Entscheidungen regeltechnisch begründet werden können, bleibt bei vielen ein schaler Nachgeschmack. Vertrauen wächst so jedenfalls nicht.

Ähnliche Entwicklungen beobachten wir in der Politik. Die bevorstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland lassen erneut starke Zugewinne der AfD erwarten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Doch unabhängig von der politischen Bewertung wird deutlich: Viele Menschen haben das Vertrauen in die bisherigen politischen Kräfte verloren. Wer sich nicht mehr wahrgenommen oder ernst genommen fühlt, sucht nach Alternativen – oft auch aus Protest.

Wir erleben also eine tiefe Vertrauenskrise. Sie betrifft den Sport ebenso wie die Politik, Medien, Wirtschaft und nicht zuletzt auch die Kirche.

Missbrauchsskandale, Polarisierung und gesellschaftliche Verhärtungen haben tiefe Spuren hinterlassen. Die Versuchung ist groß, sich in Misstrauen zurückzuziehen. Wer niemandem mehr vertraut, glaubt sich wenigstens vor Enttäuschungen schützen zu können.

Gerade in einer solchen Zeit gewinnt das Charisma Schönstatts eine besondere Aktualität.

Pater Josef Kentenich spricht vom praktischen Vorsehungsglauben. Damit meinte er keine fromme Vertröstung und keinen naiven Optimismus. Vorsehungsglaube heißt vielmehr: Gott handelt auch in einer unübersichtlichen Geschichte. Er führt nicht an den Ereignissen vorbei, sondern durch sie hindurch. Er schreibt seine Geschichte selbst mit den Brüchen, Krisen und Widersprüchen menschlichen Handelns.

Dieser Glaube verlangt einen Perspektivwechsel. Der Schönstätter fragt nicht zuerst: Warum geschieht das? Sondern: Was möchte Gott mir dadurch sagen? Wo lädt er mich ein, Verantwortung zu übernehmen? Wo ruft er zu Umkehr, zu neuem Vertrauen und zu einem tieferen Glauben?

Hier gewinnt Pater Kentenichs Wort seine ganze Tiefe: Zeitstimmen sind Gottesstimmen. Die Krisen unserer Zeit sind nicht nur Anlass zur Klage. Sie können auch Ruf Gottes sein, unseren Glauben zu vertiefen, unsere Hoffnung zu reinigen und unsere Liebe glaubwürdiger zu leben.

Gerade heute braucht unsere Gesellschaft Menschen, die dieses Vertrauen ausstrahlen. Nicht ein blindes Vertrauen in Institutionen oder Personen – denn Menschen bleiben fehlbar. Sondern ein tiefes Vertrauen in den Gott der Geschichte. Ein Vertrauen, das den Mut gibt, Verantwortung zu übernehmen, für Wahrheit einzutreten und zugleich gelassen zu bleiben, weil letztlich Gott das letzte Wort hat.
Schönstatt lebt aus dieser Hoffnung. Das Liebesbündnis ist keine Flucht aus den Herausforderungen der Gegenwart. Es ist eine Kraftquelle, die befähigt, den Zeitgeist nicht einfach mitzumachen. Wer sich Maria anvertraut, lernt mit ihr auf Gott zu schauen und sich von seiner Führung formen zu lassen. Aus dem Liebesbündnis wächst jene innere Freiheit, die Pater Kentenich so wichtig war: sich weder von Angst noch von Resignation bestimmen zu lassen.

Vielleicht ist genau das der besondere Auftrag Schönstatts in unserer Zeit: nicht zuerst Antworten auf alle politischen oder gesellschaftlichen Fragen zu geben, sondern Menschen des Vertrauens hervorzubringen. Menschen, die mitten in einer Kultur des Misstrauens glaubwürdig bezeugen: Gott führt die Geschichte und darin seine Kirche, die Welt und sogar mein persönliches Leben.

Vertrauen ist deshalb keine Schwäche. Es ist eine geistliche Kraft. Wer aus dem praktischen Vorsehungsglauben lebt, kann den Herausforderungen unserer Zeit mit offenen Augen begegnen – und mit einem Herzen, das fest in Gott verankert ist.

Susi Mitter
Schönstatt-Bewegung Österreich

Foto von Anna Shvets: https://www.pexels.com/de-de/foto/licht-rot-hande-kirche-3943933/

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