0261.604090

basis Kommentare

Narren bringen so manches ans Licht

11.02.2026

Man kann gespannt sein, was der Karneval in diesem Jahr alles aufgreift. Regional sind unterschiedliche Themen relevant. Doch zwei Figuren werden wohl auf jeden Fall eine Rolle spielen. Irgendwie werden sie aufs Korn genommen. Aber ganz einfach ist das nicht.
Eine Figur bleibt eher im Hintergrund, obwohl sie das Sagen hat. Sie agiert über ihre Drohnen, Bomben und Soldaten. Dieser Staatsmann bleibt unberechenbar und tut manches geheim. Empfindlich gegen westliche Werte ist er überdies.

Die zweite Figur ist unüberhörbar und in den Medien nicht zu übersehen. Sie findet stets kraftvolle Worte und gebärdet sich mit einem Selbstbewusstsein ohne Ende. Alle müssen irgendwie mit ihr rechnen. Sie nimmt sich, was für sie dran ist. Heute so, morgen anders, neue Ideen. Neue Zölle? Die Welt hört und muss sich einstellen. Diese Person scheint eine neue Weltordnung zu wollen, möglichst auf Lebenszeit. Man muss irgendwie reagieren. Mit der anderen wichtigen Figur sei man „auf Du“, krächzt diese Stimme selbstbewusst. Zumindest tut sie so.

Dennoch – manches eskaliert und die vielen Kriege, die angeblich beendet sind, gehen auf ganz unterschiedliche Weise weiter. Auch dort, wo ein Haltepunkt erreicht ist, leiden Menschen immer noch. Viele verzweifeln. Die Bilder im Fernsehen sind unbarmherzig, die Realität ist es noch viel mehr.

Doch – was ist Realität gerade in der Fassenacht? Seit alters kann der echte Narr längst zwischen Sein und Schein unterscheiden. Der Narr kennt sich vielleicht besser aus, als die Realisten denken. Er hat hinter die Kulissen geschaut, hat hinter der Maske vielleicht Neues über sich und andere erfahren. Das Aufbegehren gegen Obrigkeiten gehört zu den Wurzeln der Fastnacht.

Dabei bleibt die Meinungsfreiheit als Grundrecht, von dem unsere Fastnachtsumzüge und unsere Karnevalisten besonders Gebrauch machen. Echte Demokratie hält es aus, auch wenn Staatsorganen am Karneval der Spiegel vorgehalten wird. Sicher, Kreativität ist gefragt, wenn jemand aufs Korn genommen wird. Manche Formulierung in den Fastnachts-Vorträgen finden wir vielleicht unpassend. Die Umzugswagen der letzten Jahre können an die Grenzen des persönlichen Geschmacks gehen – sei es in Düsseldorf, Köln oder Mainz. Doch ein Prozess, wie ihn Russland nach Artikel 207.3 des russischen Strafgesetzbuches wieder neu gegen den Düsseldorfer Wagenbauer anstrebt, lässt jeden, vor allem aber den echten Narren, kopfschüttelnd zurück. Als ‚Verunglimpfung der russischen Staatsorgane‘ werden die Vergehen zusammengefasst. Was heißt das denn? Dieser Artikel hilft Russland jedenfalls immer neu, Andersdenkende und Kritiker anzuklagen und zu verunsichern. Derzeit seien es mehr als 430 angeklagte Personen. Wo bleibt der Humor – oder besser hier: die Meinungsfreiheit? Karneval hätte keine Chance. Auch dem angeklagten Wagenbauer droht eine Verurteilung und Haftstrafe – freilich in Abwesenheit.

Für uns bleibt ein Hoch auf die richtige Fastnacht. Der Karneval öffnet auf seine Art den Blick für die Realität. Doch auch dabei braucht es ein Maß und Wertesystem. Echte Meinungsfreiheit hilft der Demokratie auf und entspricht der christlichen Weltanschauung. Wir dürfen gespannt sein, was die Fassenacht dieses Jahr aufgreift. Aber wie immer: Bis Rosenmontag bleiben die diesjährigen Wagenmotive geheim.

Dr. Gertrud Pollak, Mainz


Foto von Eren Alkış: https://www.pexels.com/de-de/foto/lebendige-karnevalsparade-mit-bunten-festwagen-in-holland-33003546/

Antworten