Am Nein-Sagen stirbt man nicht!

Am Nein-Sagen stirbt man nicht!

Verzicht als Weg in die Freiheit – Erfülltes Leben trotz unerfüllter Wünsche

von Elmar Busse

In einer Fußgängerzone lief ich einmal hinter einem jungen Mann, auf dessen City-Bag stand auf Englisch: „Ich will alles – sofort.“ Ja, es ist schon bewundernswert, was man heutzutage – wenn man das nötige (Klein-) Geld hat – in kürzester Zeit bekommen kann. „Drei – zwei – eins – meins!“ Das Online-Shopping macht den Einkauf noch bequemer und unabhängig von Öffnungszeiten. Und hat man mal über Google einen Artikel gesucht und gefunden, dann bekommt man – dank des Algorithmus der Suchmaschine – in den nächsten Monaten immer wieder ähnliche Produktangebote. Doch wie bei allen schönen Sachen lauert auch hier ein Suchtpotential.

Nun ist der Frustkauf nicht erst ein Phänomen, seit es die Möglichkeit des Online-Shoppings gibt. Auch früher wählten Menschen, die sich unglücklich fühlten, die enttäuscht waren oder einfach in einem Stimmungstief steckten, diese Strategie der Selbstbelohnung, um sich selbst etwas Gutes zu tun. Da war nebensächlich, ob der Kleiderschrank oder das Schuhregal schon voll waren oder nicht.

Der Regisseur Martin Scorsese drehte 2013 den Film „The Wolf of Wall Street“. Er zeigt den rasanten Aufstieg von Jordan Belfort in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren. Durch Betrug, Aktienmanipulationen und illegale Geschäfte erlangt Belfort gigantischen Reichtum, den er für exzessiven Luxus, Partys und Drogen nutzt. Dann folgt der Absturz.

Mäßigung als positive Grundhaltung

Die klassische christliche Tugendlehre hat die Gier zu einer der sieben Hauptsünden oder Laster erklärt (neben Stolz, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit, Trägheit oder Überdruss). Sie sind Grundgefährdungen des Menschen und heißen Hauptsünden, weil sie oft die Wurzel weiterer Sünden sind. Dem steht die Kardinaltugend Mäßigung (oder Besonnenheit) gegenüber. Der Begriff „Kardinaltugend“ hat nichts zu tun mit dem kirchlichen Amt, sondern leitet sich von dem lateinischen cardo (=Türangel) ab, und weist darauf hin, dass diese Grundhaltung zu einem verantwortungsbewussten und guten Leben dazugehört.

Vor Jahrzehnten hatte ein amerikanischer Psychologe einen interessanten Test mit Kindergartenkindern gemacht: Vor dem Kind lag eine Süßigkeit auf dem Tisch. Der Psychologe erklärte: „Ich gehe jetzt raus. Du kannst die Süßigkeit essen. Aber wenn du damit wartest, bis ich wieder reinkomme, bekommst du zwei Süßigkeiten.“ Manche Kinder aßen die Süßigkeiten, andere konnten warten. Circa 20 Jahre später erkundigte er sich nach den schulischen Leistungen dieser Versuchspersonen: Siehe da: Diejenigen, die schon als Kinder die Belohnung abwarten konnten, waren die erfolgreicheren Studenten. „Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gestellt.“ Oder anders von einem Komponisten so formuliert: „Schöne Musik bedeutet 5 Prozent Inspiration und 95 Prozent Transpiration.“ (Also Anstrengung)

 

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Elmar Busse

Schönstatt-Pater / seit 2015 Hausgeistlicher bei den Armen Dienstmägden Jesu Christi (ADJC) in Dernbach, von 1992 bis 2015 Ehe- und Familienseelsorger.

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Beitragsfoto: © Studicon · stock.adobe.com

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