Auf Jesu Herzschlag hören
Leben mit der Heiligen Schrift
von Thomas Römer
Wenn ich mit Konfirmanden, das sind Jugendliche mit 13 oder 14 Jahren, den Konfirmandenunterricht starte, frage ich sie: „Was ist deine Lieblingsgeschichte in der Bibel?“ Da werden dann ganz unterschiedliche Geschichten genannt: Manche favorisieren Daniel, der sich vor Nebukadnezar nicht beugt und in der Löwengrube von Gott geschützt wird, oder die Geschichte von der Stillung des Sturms oder die Auferweckung des Lazarus. Viele meiner Konfirmanden kommen aus der Jugendarbeit des CVJM. Wenn ich sie dann frage: Woher kennt ihr die biblischen Geschichten, dann sagen sie meistens: meine Eltern haben uns diese Geschichten schon immer erzählt. Die Bibel hat ihren Platz in den Familien. Und christliche Eltern erzählen ihren Kindern die biblischen Geschichten. In der Vorbereitung auf die Taufe der Kinder reden wir darüber, dass die Eltern die Aufgabe haben, ihren Kindern die Geschichten von Jesus zu erzählen.
Erzählen
Die mündliche Weitergabe des Wortes Gottes ist die ursprünglichste Form mit der Heiligen Schrift zu leben. Über lange Zeiträume der Kirchengeschichte gab es keine Bibeln in der Familie. Die Geschichten wurden erzählt und oft waren die Bilder in den Kirchen eine Hilfe diese Geschichten weiterzugeben.
Seit der Reformationszeit und der deutschen Übersetzung der Bibel durch Martin Luther ist die Bibel Zentrum der Frömmigkeit in der evangelischen Welt. Im 16. Jahrhundert war aber die Bibel noch ein Wertgegenstand, den sich nur wenige leisten konnten. Diese Bibeln wurden als Kostbarkeit vererbt. In meiner Familie gibt es ein oder zwei Bibeln, die seit dem 16. Jahrhundert in der Familie sind. Erst seit dem 19. Jahrhundert gibt es Bibelgesellschaften, die dafür sorgen, dass jeder Haushalt, ja möglichst jeder einzelne Christ seine Bibel bekommt. Und in manchen Gemeinden werden bis heute Bibeln zur Hochzeit verschenkt. Heute ist der Zugang zur Bibel mit Internet und Smartphone ganz einfach geworden.
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