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Damit ich ganz ich sein kann – und das so gerne

Damit ich ganz ich sein kann – und das so gerne

Gottes Idee von meinem Leben: Das Persönliche Ideal

von Schwester Kerstin Ruh

In der Wirtschaft und im Personalmanagement gilt: Visionen sind entscheidender als die besten Strategien! Denn in der Vision steckt die Motivation und die Kraft, alles einzusetzen. Pater Josef Kentenich war sich dieser Bedeutung bewusst und hat – durch seine Erfahrungen und Beobachtungen mit den Jungs im Studienheim und durch seine geniale Zusammenschau von Theologie, Pädagogik und Psychologie – die Idealpädagogik entwickelt.

„Wir werden alle nicht als Helden geboren“, singt Daniel Ceylan. Das stimmt! Gott „macht“ nicht einfach Helden und Heilige, er will immer unsere Mitwirkung – Stichwort Liebesbündnis, Gnadenkapital, Selbsterziehung. Für uns in Schönstatt gehört das absolut zu den Basics. Schönstatt wurde dafür gegründet, dass wir zu Helden und Heiligen werden können.

Unser origineller Weg dazu ist das Persönliche Ideal (PI). Es gibt viele Umschreibungen für das, was das Persönliche Ideal ist und meint: Die Uridee Gottes von meinem Leben, mein Königs-Ich, das Beste in mir, meine kleine Wahrheit, mein Lebensziel, meine Lebensaufgabe, der Sinn meines Lebens …

Es klingt schön und recht einfach! Und doch erleben wir, dass es gar nicht so leicht ist, dem Persönlichen Ideal wirklich auf die Spur zu kommen, es zu greifen und sich so zu eigen zu machen, dass es das eigene Leben wirklich prägt und formt und nicht nur ein schöner Gedanke bleibt.
Was kann uns dabei helfen?

Im Dialog mit Gott sein

Ich erschaffe mich nicht selbst. Daher brauche ich auch mein PI nicht zu „machen“. Es ist längst da, denn Gott hat es von Anfang an in mich hineingelegt. Ehe ich auf die Welt kam, hatte er schon einen Lieblingsgedanken, ein Lieblingsbild von mir, hat er meine Art und mein Sein so geprägt und mich beschenkt wie keinen anderen Menschen vor und nach mir. Gott ist kein Serienhersteller. Das PI ist „meine persönlich gefärbte, originelle, tiefgreifende Gottesliebe“. Das heißt: Das, was zwischen mir und dem lieben Gott ist, das gibt es nur ein Mal. Das ist ganz originell, einmalig! „Niemand neben mir, niemand vor mir, niemand nach mir hat die Aufgabe, die ich habe“, sagt Josef Kentenich.
Vom ersten Moment meines Seins an habe ich also eine Lebensaufgabe, die nur ich allein erfüllen kann. Auch dann, wenn ich es selbst noch gar nicht sehen und verstehen oder fassen kann.

Gottes Initiative steht an erster Stelle. Er hat eigentlich schon alles getan. Ich muss mich nur auf den Weg machen, das zu entdecken, was schon in mir drin ist. Vielleicht kann uns der Gedanke daran helfen, uns mit Geduld, Gelassenheit und zuversichtlicher Freude auf die Suche nach unserem PI zu machen.

Selbst bei Maria war es so, dass sie nicht von Anfang an ihr PI reflexiv klar hatte. Wir glauben, dass sie ohne Erbsünde zur Welt kam – eben weil Gott schon dieses wunderbare Bild von ihr, ihre Lebensaufgabe als Mutter Gottes – in sie hineingelegt und sie dafür vorbereitet hatte. Dennoch fragt sie: „Wie soll das geschehen“, als der Engel ihr verkündet, dass sie Mutter Gottes werden soll. So dürfen auch wir Gott fragen auf der Suche nach unserem Persönlichen Ideal:

  • Gott, wie hast du mich gedacht?
  • Was sagst du mir durch meine Lebensgeschichte, durch meine Stärken und Schwächen, durch Erlebnisse?
  • Schenke mir den Heiligen Geist, damit ich das Bild erkenne, das du von mir hast.

(Einzelausgabe kaufen für 3,80 € oder abonnieren)

 

Kerstin Ruh

Geboren in Münstertal/Schwarzwald, seit 1995 Mitglied des Säkularinstitutes der Schönstätter Marienschwestern, Studium der Sozialen Arbeit und theologische Zusatzausbildung an der KSFH Benediktbeuern. Aktuell tätig in der Schönstatt-Mädchen und Junge-Frauen-Bewegung, vor allem der Erzdiözese Freiburg. Sie wohnt in Bollschweilbei Freiburg.

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