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Der Kampf um die Freiheit und die Vorstellung von Ehe und Familie

Der Kampf um die Freiheit und die Vorstellung von Ehe und Familie

von Hubertus Brantzen

Die Befreiung der Menschen aus unwürdigen Lebensbedingungen ist eines der großen Ziele der Menschheitsgeschichte. Das Streben nach Freiheit gehört zur conditio humana, zum Wesen, zur Natur des Menschen. Im Laufe der Geschichte hat dieses Streben die verschiedensten Formen angenommen oder Aspekte von Freiheit besonders hervorgehoben. 

Ein Blick in die Geschichte

Ein besonderes Merkmal der Freiheit ist, dass sie oft an die Möglichkeit gekoppelt ist, Macht über andere auszuüben. Der Stärkere hat das Sagen und kann sich darum die Freiheiten nehmen, die er für erstrebenswert hält. Seit frühester Zeit bis heute zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte, dass um der Freiheit weniger willen viele andere arbeiten, schuften und leiden müssen, ja ausgebeutet werden. Darum sind viele der Denkmäler, die wir heute als Attraktionen und Weltkulturerbe bewundern, zwiespältig. 

Das Weltwunder der Pyramiden erstellten Hundertausende von Arbeitern als Grabstätten für einen einzelnen Herrscher, des Pharaos von Ägypten. Ging es in der ägyptischen Kultur vergleichsweise human zu und wurden freie Arbeiter an den Pyramiden sogar entlohnt, ging es in den frühen Kulturen in Mesopotamien rauer zu. Dort konnte der König zum Beispiel befehlen, eben einmal 200 Sklaven zu opfern, um eine Gottheit für sich gnädig zu stimmen. Oder: Quer durch die Geschichte wurden von „glorreichen“ Feldherren Kriege geführt, selbst wenn die Interessen der Herrschenden noch so viele Menschenleben kosteten. Oder: Bei der Bewunderung des Schlosses von Versailles sollte man nicht vergessen, dass der Sonnenkönig, Ludwig XIV., seine Herrlichkeit auf der Armut eines ganzen Volkes aufbaute. Ferner: Erinnert sei an die Sklaverei oder an die Leibeigenschaft besonders von Bauern, die den Herrschaften Einkünften und damit ein sorgenfreies Leben und rauschende Feste bescherten. 

Perfide ist die Begründung, warum Herrschende so handeln dürfen. Sie verstehen sich „von Gottes Gnaden“ zur Machtausübung berechtigt. Ihnen ist die Herrschaft direkt von Gott übergeben. Darum gebührt ihnen auch die Ehrfurcht und der Gehorsam der Untertanen. Heute hat man von dieser Begründung eher Abstand genommen. In autoritären Systemen ist an die Stelle Gottes etwa eine herrschende Partei getreten. In demokratischen Systemen versuchen Machthaber oder solche, die es werden wollen, durch Manipulation die öffentlichen Meinung zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Geschichte des Kampfes um Freiheit

Umgekehrt könnte man die Geschichte als Geschichte eines fortwährenden Kampfes um die Freiheit verstehen. Sklaven- oder Bauernaufstände sind Beispiele dafür, wie sich unterdrückte Teile von Gesellschaften gegen Machthaber auflehnten. Die Französische Revolution verstand sich als Kampf für die individuelle Freiheit aller Menschen. 

Eine der ersten internationalen Erklärungen, um Standards im Blick auf die Würde und Freiheit der Menschen zu setzen, ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948, verabschiedet von der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Diese Konvention und deren folgende Zusatzerklärungen dienen bis heute dem Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten ausnahmslos aller Menschen. Die proklamierten Rechte können beim Gerichtshof für Menschenrechte in Den Haag eingeklagt werden. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) wurde 1959 in Straßburg von den Mitgliedstaaten des Europarats errichtet und wacht über die Einhaltung der Europäischen Menschenrechtskonvention, die 1950 unterzeichnet wurde. …

 

Hubertus Brantzen

Prof. Dr. theol., Mitglied der basis-Redaktion.

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Foto: © chaiyapruek · stock.adobe.com

 

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