0261.604090
info@patris-verlag.de
Impressum

Die Bibel als Grundlage für Liturgie und Leben

Die Bibel als Grundlage für Liturgie und Leben

vonFranz-Rudolf Weinert

In Mainz wird es bald einen Bibelturm geben. Der „Gutenberg-Tower“ soll künftig den kostbarsten Schatz des Weltmuseums der Druckkunst beherbergen, die lateinische, 42-zeilige Gutenberg-Bibel, die zwischen 1452 und 1454 entstand. Im 16. Jahrhundert übersetzte Martin Luther das Alte und Neue Testament ins Deutsche; die „Biblia Germanica“, ein weiterer Meilenstein. Die Bibel wurde nun zum Buch der Bücher, zum meist verbreiteten Buch der Welt.

Wertschätzung der Bibel

Die Schriften des Ersten und Neuen Bundes (Gesetz und Propheten, Evangelien und Briefliteratur) sind für Christen, gleich welcher Konfession, Heilige Schriften, vom Heiligen Geist inspiriertes, geoffenbartes Wort Gottes. Das Christentum ist eine Buch-Religion, aber nicht in dem Sinne, dass das Wort Gottes als „Buch“ zur Erde kommt, sondern das Wort Gottes Mensch wird: „… und das Wort ist Fleisch geworden…“(Joh 1, 14). „Wort des lebendigen Gottes“, „Evangelium unseres Herrn Jesus Christus“ rufen die Verkünder den Hörern des Wortes Gottes zu. „Dank sei Gott, dem Herrn“, „Lob sei dir, Christus“ antwortet die versammelte Gemeinde.

Es ist ganz gewiss ein Verdienst von Martin Luther und vieler evangelischer Christen, wenn heute in der katholischen Kirche die Bibel einen grösseren Stellenwert hat als früher. Lange Zeit hatte das Wort im Gottesdienst eine dem Sakrament untergeordnete Bedeutung. So nannte man den ersten Teil der Eucharistiefeier „Vor-Messe“. Der Wortgottesdienst als eine Art Vor-Spiel zum Eigentlichen, zur sakramentalen Feier. Lesung und Evangelium kehrten in einem einjährigen Lesezyklus wieder, was zwar behaltsam war, aber auch eine Beschränkung bedeutete. Viele biblische Texte wurden nie verkündet.

Erneuerung aufgrund der Bibel

Mit der Bibel-Bewegung und der Liturgischen Erneuerung im 19./20. Jahrhundert kam es zu einer Neuausrichtung; die Erneuerung der Kirche aus den Quellen der Liturgie, insbesondere der Heiligen Schrift. Ein Beispiel: Bereits Martin Luther hatte beklagt, dass es falsch sei, die Krankensalbung als Sterbesakrament zu bezeichnen und zu spenden, wie der Jakobusbrief 5,14 eindeutig belege. Diese berechtigte Kritik griff das Trienter Konzil, vor allem aber die Liturgische Bewegung auf und schlug sich dann im II. Vatikanischen Konzil nieder: die Krankensalbung ist ein Sakrament für die Kranken! Damit war ein 1000 jähriges Missverständnis, im Rückgriff auf die Bibel zumindest theoretisch korrigiert. Martin Luther hätte sicher auch seine Freude gehabt, wenn er gelesen bzw. gehört hätte, was die Konzilsväter in ihren Dokumenten über die Heilige Schrift ausgesagt haben. …

Franz-Rudolf Weinert

Prof. Dr. theol., Mainz, Professor für Pastoralliturgie am Mainzer Priesterseminar, Dompfarrer, Sprecher der Schönstättischen Priestergemeinschaft „Liga“.

Download basis → Shop


Foto: © kevron2001 · stock.adobe.com