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Ein evangelischer Rat, um Gott zu begegnen

Ein evangelischer Rat, um Gott zu begegnen

Überlegungen zum Thema „Armut“

von Harald M. Knes

Der Begriff „Armut“ taucht in unseren Medien aktuell ausschließlich als negativer Begriff auf. Er bedeutet, dass jemandem das Minimum zur Lebenssicherung verweigert wird, dass er aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten ein Stück weit ausgeschlossen ist an der gesellschaftlichen Teilnahme.

Gleichzeitig gibt es einen großen gesellschaftlichen Trend, eine große Sehnsucht, bedürfnislos mit möglichst kleinem Verbrauch von Ressourcen zu leben: Tiny Häuser, sein Leben gestalten mit weniger als 100 Dingen, dem Klima zuliebe auf Fleisch und Flugzeug verzichten. Oder wie es die Musikgruppe Silbermond in einem ihrer Lieder ausdrückte: „Es reist sich leichter mit leichtem Gepäck.“

Die Nähe Gottes intensiv erleben

Von beiden Punkten kann man in den Medien viel lesen, sehen und anhören, auch wenn jeder Punkt für sich steht, sie sich nicht berühren und mit Gott schon gar nichts zu tun haben. Eine für mich prägende Erfahrung, die alles ganzheitlich miteinander verbindet, war das Pilgern. In den 1990er Jahren pilgerte ich meist alleine ohne Geld und ohne Organisation der Übernachtung in etwa sieben Touren über 3000 Kilometer kreuz und quer durch Europa. 

Dabei wurde ich manchmal als Schmarotzer beschimpft und wie ein Hund davongejagt, so zum Beispiel Ende September 1993, als ich nach 42 Kilometern in einer schönen Stadt in den Vogesen ankam. Es war schon nach 20 Uhr und ich klingelte beim großen Pfarrhaus. Unter heftigen französischen Beschimpfungen blieb mir nichts anderes übrig, als den Staub von meinen Schuhen zu schütteln (vgl. Mk 6, 6-13) und hungrig weiterzugehen. Eine Stunde später klopfte ich im nächsten Dorf die Tür des ärmlichen Pfarrhauses und wurde herzlichst aufgenommen. Nach fünf Tagen Pilgern bekam ich dort am späten Abend zum ersten Mal ein warmes Essen. Beide hatten wir das intensive Empfinden, dass jeder im anderen Christus begegnet und etwas ganz Tiefes geschenkt bekommt.

Beim Pilgern erlebte ich die Nähe Gottes in so intensiver Weise wie sonst nirgends. Der Vater im Himmel, Gott selbst sorgt sich bis in die letzten Details um mich, seinem in Not geratenen Kind. Eventuell kann man hierbei schon von mystischen Erfahrungen sprechen. Das Pilgern ließ mich fast ein Jahrzehnt lang nicht mehr los. Es war eine große Sehnsucht, doch wieder einmal die Mitte frei zu räumen und einmal mehr Gott intensiv spüren zu dürfen. 

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Harald M. Knes

Leiter der Josef-Kentenich-Grundschule Kempten, gehört zum Säkularinstitut der Schönstätter Marienbrüder.

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Beitragsfoto: © Aleksey Ignatenko · stock.adobe.com

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