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Es ist Zeit zu reden

Junge Frau schaut sehr freundlich

Frauen im geweihten Amt der katholischen Kirche?

Daniela Mohr-Braun

Biographisches

1993 hat mein hauptamtlicher Dienst in der Kirche begonnen, als ich persönliche Referentin und wissenschaftliche Assistentin des damaligen Bischofs und späteren Kardinals Karl Lehmann im Bistum Mainz wurde. Was ich mitbrachte, waren die ehrenamtliche Erfahrung in der Heimatpfarrei, viele Einblicke in die Jugendarbeit der sogenannten Neuen Geistlichen Bewegungen und ein Diplom in katholischer Theologie, das ich an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main erworben hatte. Nun wurde ich hineingeschmissen in die Weite der katholischen Kirche durch die Eindrücke, die ich als Mitarbeiterin eines Bischofs gewinnen konnte, der seinen Dienst ganz als Theologe und von der Nähe zu den Menschen und ihren Themen her verstand. Die Einblicke, die ich in den folgenden vier Jahren im Mainzer Bischofshaus gewinnen durfte, waren vor allem geprägt durch die kirchliche Stimmungslage während des Pontifikates von Papst Johannes Paul II. Die große geistliche, sicher mystische Tiefe dieses Papstes, seine Zugänge zu den großen Themen der Zeit über den Weg der theologischen Anthropologie und Moraltheologie, die Auswertung der kirchlichen Erfahrungen während der Zeit des Kommunismus in Osteuropa, heftige Auseinandersetzungen um die Frage einer Beteiligung der katholischen Beratungsstellen an der Schwangerenkonfliktberatung, alles das kennzeichnete diese Jahre und hat mich als junge Frau in der Kirche tief beeindruckt und nachhaltig geprägt.

Roma locuta causa finita?

Aus dem Vielerlei der Themen stach eines heraus, ja ein Tag, an dem ich unseren Bischof erlebte wie sonst nicht: der Tag, an dem den Deutschen Bischöfen die baldige Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens Ordinatio Sacerdotalis zur Kenntnis gegeben wurde, in dem die Nichtzulassung der Frauen zum geweihten Amt in der römisch-katholischen Kirche mit hoher theologischer Verbindlichkeit erneut bestätigt wurde. Die Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens erfolgte dann am 22. Mai 1994; Lehmann war 1993 für eine zweite Amtszeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz bestätigt worden. Das heißt, ihm oblag nun die besondere Pflicht, dem Willen des Papstes entsprechend für eine breite Rezeption des Apostolischen Schreibens in der deutschen Kirche einzutreten. Wie war Bischof Lehmanns Reaktion? Offensichtlich war er von dem päpstlichen Vorstoß im Hinblick auf den Zeitpunkt und die vorgetragene Verbindlichkeit überrascht, gleichwohl er als Ökumeniker wusste, dass die Frage in Rom auf höchster Ebene verhandelt wurde, da die Anglikanische Kirche in England am 12. März 1994 gerade die ersten Frauen zur Priesterweihe zugelassen hatte. Papst Johannes Paul II. ließ in seinem Schreiben keinen Zweifel daran, dass er die vorgelegten Argumente nicht als theologische Meinung, sondern als lehramtlich bindend interpretiert wissen wollte: „Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“ (Ordinatio Sacerdotalis, Nr. 4) Diese Auslegung der lehramtlichen Verbindlichkeit wurde anschließend wiederholt bestätigt, so etwa in einer Klarstellung durch den damaligen Präfekten der Glaubenskongregation Joseph Kardinal Ratzinger am 28. Oktober 1995 und später in steter Regelmäßigkeit, weil die Fragen aus der Weltkirche in dieser Sache nicht verstummten.

Auch in neuesten Veröffentlichungen des Vatikans, so etwa in den Erläuterungen des derzeitigen Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre Luis F. Ladaria, S.I. vom 29. Mai 2018 im L’Osservatore Romano, wird diese Auslegung fortgeschrieben und eine Einmütigkeit des weltweiten Episkopates suggeriert, worüber man angesichts der anhaltenden Diskussionslage durchaus staunen kann. In diesem Artikel wird die Kirche Leib und Braut Christi genannt, und auf der Ebene dieser theologischen Symbolik kann der Bräutigam Christus – insbesondere im Rahmen der Eucharistiefeier – nur von einem Mann repräsentiert werden: „Der Priester handelt in der Person Christi, des Bräutigams der Kirche, und sein Mann-Sein ist ein unentbehrlicher Aspekt dieser sakramentalen Repräsentanz“, heißt es da.

Daniela Mohr-Braun

Dr. theol., Pastoralreferentin, seit 2006 Dozentin für Dogmatik im Priesterseminar St. Lambert; seit 2016 Mitarbeiterin der Stabsstelle zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier, verheiratet und Mutter von drei Söhnen.

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