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Gottes Weg mit mir

Gottes Weg mit mir

Mit Profil leben

von Maria Wolff

Die erste programmatische Zielgestalt Schönstatts, die dem Gründer Josef Kentenich vorschwebte, lautet: „Der neue Mensch in der neuen Gemeinschaft“. Den neuen Menschen haben sich viele auf die Fahne geschrieben und auch den damit angezielten „Umbau der Gesellschaft“. In vielen Fällen geht das mit einem neuen Menschenbild einher, das nicht selten die Auflösung des über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende geltende Menschenbildes als Voraussetzung denkt und anstrebt. Ideologien bedienen sich bis heute dieses Weges und haben oft auch zunächst großen Erfolg damit, bis es früher oder später in der umgebauten Gesellschaft zu brodeln beginnt und die Menschen aus den entsprechenden Schablonen ausbrechen. 

Extremer Individualismus ist keine Lösung

Auch der Kirche ist das mehrfach in der Geschichte passiert, wenn sie Kirchenleben mit der Nivellierung der einzelnen Persönlichkeit verwechselt hat. Ein Gegenschlag gegen alle Arten von verfremdenden Systemen kann dann der extreme Individualismus sein. Der aber führt genauso wenig in eine lebendige dynamische, kreative Gemeinschaft zum Wohle aller. Vielmehr belässt er den Einzelnen auf seiner einsamen Insel.

Auch heute gibt es verschiedentlich eine fast gewalttätige Einwirkung auf das Denken der Menschen, beispielsweise den Versuch, Studenten ideologisch „auf Linie zu bringen“. Kürzlich erzählte uns wieder einmal eine Studentin, dass ihre Seminararbeit nicht angenommen wurde, weil sie sich geweigert hatte, Gender-Sternchen zu verwenden. Sie nahm sich dieses Recht heraus, da auch die offizielle Regelung nach wie vor von dieser Form absieht. Man kann die Dinge ja sehen, wie man möchte, aber irgendwann bricht sich das Bestreben, eine echte Persönlichkeit mit Selbststand zu sein, unter Umständen an diesen Punkten Bahn. Ein freier Geist lässt sich nicht gerne von einer Seite her – moralisierend – überfremden. Das haben auch christliche Kreise lernen müssen.

Typ Hai, Wal oder Eule?

Gleichzeitig zu uneingeschränktem Individualismus oder kollektiver Überformung gibt es ein breites Spektrum an gesuchten Angeboten, die eigene standhafte Persönlichkeit zu entwickeln. Zuweilen kurios anmutend wie etwa bei dem Coach Tobias Beck, der für sich wirbt:   „Mache den Persönlichkeitstest von Tobi Beck und finde heraus, welches Tier in dir steckt. Hier geht’s zum kostenlosen Tiertest! … Typen: Hai, Delfin, Wal, Eule.“ 

Weiter finden wir im Internet das Angebot: „Dein Coaching für ein authentischeres Leben mit mehr Kraft, mehr Gefühl und mehr Freude. Jeder Mensch ist Teil seines eigenen umfangreichen Systems. Entdecke deines!“ 

Janine Katharina Poetsch, Akademie für Image & Persönlichkeit im Business, bietet interessante Denk- und Testfaktoren an, um die eigene Persönlichkeit zu entfalten. Sie legt ihren Schwerpunkt nicht auf Konstruktion, sondern auf Entwicklung und Entfaltung des Menschen. Sie formuliert in ihren Veröffentlichungen:

„Faktor 1: Eine unverwechselbare Identität

Eine Persönlichkeit hat eine starke und unverkennbare Identität. Sie kennt ihre Stärken, ihre Talente und ihre Motive zum Handeln. Auch ihre Schwachstellen, ohne diese zu verleugnen. Die Identität ist bei einer echten Persönlichkeit immer wie ein Fingerabdruck, eindeutig und unverwechselbar.

‘Es ist verdammt schwer, einen Menschen zu nehmen, wie er ist, wenn er sich anders gibt, als er ist.’ (Ernst Ferstl, Lehrer und Buchautor). Eine Persönlichkeit ist immer authentisch … sie spielt keine Rolle oder trägt eine Maske. Bei einer Persönlichkeit ist im Außen und Innen die eigene Identität mit dem Image präsent …

Faktor 2: Eine klare Haltung

Persönlichkeiten haben eine ganz klare Haltung, zu der sie auch stehen. Das kann eine bestimmte politische Meinung sein, eine Meinung zu einem aktuellen Thema oder zu einem Thema als Vordenker. „Haltung lässt sich leichter bewahren als wiedergewinnen.“ (Thomas Paine, einer der  Gründerväter der Vereinigten Staaten)

Echte Persönlichkeiten … springen nicht auf jeden Zug auf und machen nicht jeden Trend mit. Sie positionieren sich ganz klar und eindeutig und grenzen sich damit auch bewusst von anderen Menschen oder Gruppen ab. Sie sind keine Mitläufer und wollen (brauchen) nicht jedem gefallen.

Faktor 3: Ein hoher Wiedererkennungswert

Persönlichkeiten haben in ihrem ganzheitlichen Auftritt einen hohen Wiedererkennungswert. Das kann zum Beispiel ein bestimmter Kleidungs-Stil sein, ein bestimmtes Stil-Element, oder einfach ein klares und unverkennbares Markenzeichen. Dadurch werden Persönlichkeiten auch zu ihrer eigenen Marke …

Faktor 4: Ein klarer Kommunikations-Stil

Persönlichkeiten wiederholen sich mit ihrem Sprachstil. Sie haben einen Claim oder einen Slogan, den sie immer wieder nutzen. Genauso, wie sie die gleiche Wort-Bild-Sprache auf allen Kommunikationskanälen nutzen. Die Kommunikation ist bei ihnen wie ein erkennbarer roter Faden. Das kann zum Beispiel ein bestimmter Abschlusssatz in der E-Mail sein oder eine bestimmte Art der Begrüßung. Genauso, wie eine handgeschriebene, besonders designte Postkarte als Dankeschön, oder eine bestimmte, immer wieder verwendete Wortwahl.

Faktor 5: Ein klares Werte-System und klare Ziele im Leben

Echte Persönlichkeiten haben klare Werte, nach denen sie leben und handeln. Sie entscheiden sich bewusst für drei bis fünf Kernwerte. Werte sind einfach wichtig, denn sie leiten und führen uns. Werte führen uns auch zu unseren Botschaften in unserer Kommunikation ….

Persönlichkeiten haben auch eine Lebensvision und klare Ziele, die sie kontinuierlich verfolgen. Sie haben auch Mentoren und Coaches an ihrer Seite, die sie beim Erreichen ihrer Ziele unterstützen.“

Soweit ein Blick in ganz andere Bereiche des Coachings. Deutlich wird: Wer einen Auftrag in irgendeinem Bereich hat, der transportiert ihn mit der eigenen Persönlichkeit. 

Vom Vater gesehen 

Ein Profil der christlichen Persönlichkeit steckt hinter der oben genannten Zielgestalt „Der neue Mensch in der neuen Gemeinschaft“. Der neue Mensch versteht sich danach auf einen Schöpfergott bezogen – er verdankt sich diesem als seinem persönlichen Schöpfer, der jedem eine nur von Gott vollkommen überschaubare Prägung mitgegeben hat. Der Mensch konstruiert sich nicht selbst, sondern er darf sich entdecken, entfalten und sich mit seiner Besonderheit als Mitglied der ganzen Menschheitsgemeinschaft kreativ einbringen.  

Jesus Christus vermittelt jeder und jedem von uns die Zusage: Du bist vom Vater gesehen, geliebt und umsorgt. Du bist so gewollt und gerufen, das zu suchen, was dir an Talenten und auch an Grenzen gegeben ist, damit du auf deine eigene Weise liebenswert bist und diese Welt mit prägst. Durch dich entsteht anfanghaft hier und mit der Aussicht auf ewige Vollendung das Reich Gottes. 

Christus will die Freiheit und den „Selbstand“ eines jeden Menschen. Dies kann gelingen, wenn er zu seiner Geschöpflichkeit und originellen Ausstattung Ja sagen kann. Das freie Ja schließt Demut ein und sieht davon ab, sich nicht selbst zum Konstrukteur zu erheben. 

Die Botschaft Jesu besagt weiter: Sein Vater ist nicht der ferne Schöpfer, der alles laufen lässt. In der Bibel wird in eindrücklichen Bildern die Begleitung und Fürsorge Gottes aufgezeigt. 

Wer als christliche Persönlichkeit leben möchte, macht sich von daher vom Schöpfergott abhängig, von der Botschaft Jesu und seinen Handlungskriterien, von Gottes Wegweisungen im Alltag, die es zu finden gilt. 

Der Weg einer christlichen Persönlichkeit ist ein profilierter Weg mit unverwechselbarer ganzheitlicher Identität – ein Mensch nach innen wie nach außen, zur Seite hin und rückgebunden nach oben, mit Markenzeichen, mit Abgrenzung und der Haltung der Liebe und Barmherzigkeit nach dem Vorbild Jesu. Wohl dem, der in entscheidenden Entwicklungs- und Umbruchphasen seines Lebens einen Coach, einen Mentor neben sich weiß. Er hilft beim Entdecken des eigenen Geheimnisses, inklusive Potentialen auch für die ihn umgebende Gemeinschaft.

Maria Wolff

Institut der Schönstattfamilien,
Mitglied der basis-Redaktion.

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Beitragsfoto: © lassedesignen · stock.adobe.com

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