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Handelt Gott wirklich in meinem Leben?

Handelt Gott wirklich in meinem Leben?

Von Peter Zürcher

Es gehört wohl zu den anspruchsvollsten Aufgaben jeder Christin und jedes Christen heute, sich mit zwei Positionen auseinanderzusetzen: der persönlichen geistlichen Erfahrung, dass Gott ein Gott des Lebens ist und der konkret erfahren werden kann einerseits – und dem kritischen Rationalitätsanspruch, der genau das bestreitet, andererseits. Rede und Antwort zu stehen über die Hoffnung, die uns erfüllt (1 Petr 3,15), ist mehr denn je eine Herausforderung! Was tun, wenn Grundüberzeugungen des Christlichen heute nicht mehr einfach zu kommunizieren sind? Wie kann heute glaubwürdig darüber gesprochen werden, dass Gott wirklich im eigenen Leben handelt – und damit auch im Leben anderer und in unserer Welt überhaupt?

Der Glaube an Gottes Handeln

Der Wiener Neutestamentler Jacob Kremer († 2010) hat nach seiner Emeritierung noch einmal eine Vorlesung über Tod und Auferstehung Jesu gehalten – über das Thema, das ihn ein Forscherleben lang beschäftigt hat. Nach Wochen, nachdem er uns Studierenden eine Summe der exegetischen Forschung über diese komplexe Fragestellung dargelegt hatte, hielt er inne und meinte schließlich: „Ich kann Ihnen nicht sagen, was bei der Auferstehung geschehen ist. Aber dass es die Auferstehung Jesu gab – dafür lasse ich mich erschießen.“ Wir haben nicht zu fragen gewagt, ob diese emotionale Aussage von ihm geplant war – aber sie hat ganz entscheidende Folgegespräche ausgelöst, weil sie exakt die Gelenkstelle in uns zwischen theologischer Wissenschaft und eigenem Glauben berührte. Die Episode wird für mich immer dann aufs Neue virulent, wenn es zwischen Rationalitätsanspruch und persönlichem Bekenntnis zu vermitteln gilt.

Vermutlich wird es nie wieder ein gemeinsames Konzept geben, auf dessen Basis die Frage „Handelt Gott wirklich in meinem Leben?“ beantwortet werden könnte, die – auch vorchristlich – über Jahrtausende klar bejaht wurde: Natürlich, etwas anderes ist doch gar nicht vorstellbar, als dass Gott wirklich in meinem Leben handelt. Und mit dem einen „Ja“ wurden alle fünf Teilaussagen zugleich bejaht: die Frage nach Gott, dem Wirklichen, dem Handeln, dem Leben und dem Individuum. 

Es geht um eine geistliche Haltung und Überzeugung

Heute sind alle fünf Teilbereiche problematisch geworden. Beide Beobachtungen stehen sich in einer größer werdenden Spannung gegenüber: Für das Christentum, wie für jeden monotheistischen Offenbarungsglauben, ist die Überzeugung, dass Gott in der Geschichte und im individuellen Leben handelt, wesentlich und ein tragender Grund. „In den modernen, speziell natur- und sozialwissenschaftlichen Wissenschaftsdiskursen ist eine Rede vom Handeln Gottes jedoch nicht nur schwer zu integrieren. Diese Diskurse haben sich vielmehr dadurch konstituiert, dass eine solche Rede prinzipiell ausgeschlossen scheint.“ (Roman A. Siebenrock / Christoph J. Amor (Hg.): Handeln Gottes (= Quaestiones disputatae 262), S. 12.) Auch in der zeitgenössischen Theologie wird immer stärker hinterfragt, ob bzw. wie diese Frage noch legitimerweise bejaht werden kann.

Peter Zürcher

Dr. theol., Pastoralreferent, persönlicher Referent von Bischof Dr. Michael Gerber, Fulda.

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