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Josef Engling

Josef Engling 

von Markus M. Amrein

Zuhause geliebt

„In diesen Ferien habe ich so recht erfahren, was Liebe vermag. Wie schön ist es, wenn Menschen einander lieben.“ Mit diesen Worten beschreibt Josef sehr gut die Atmosphäre seines Zuhauses. Aus diesen natürlichen Bindungen entwickelt sich sein religiöses, seelisches Leben auf ganz natürliche Weise. Am 5. Januar 1898 ist er als viertes von sieben Geschwistern in Prossitten / Ostpreussen geboren worden. 

Durch Rachitis in Kindertagen ist sein Brustbein verkrümmt, die Schultern leicht gebeugt. Er leidet unter einem Sprachfehler, er kann die Buchstaben r, s und l nur schlecht aussprechen. Wenn er auch unter diesen Schwächen viel zu leiden hat, seine Mutter zeigt ihm gerade deswegen besonders ihre Liebe.

Er wollte Priester werden. Der Besuch eines Gymnasiums war damals eine teure Angelegenheit – für seine Eltern eine zu teure. So fiel die Wahl auf das Gymnasium der Pallottiner in Vallendar am Rhein, die auch Schüler aus ärmeren Familien aufnahmen.

Gottes Ruf – die Sehnsucht zu leben –
freie Persönlichkeiten

Seine schwerfällige Art macht es ihm sehr schwer, in seiner neuen Umgebung in Schönstatt/Vallendar zurechtzukommen. Josefs Kleidung sieht antiquiert aus. Seine Sprache, von Dialekt und Sprachfehler geprägt – kaum zu verstehen. Es ist ausreichend, zum Gespött seiner Mitschüler zu werden. Und zu allem Überfluss reichen seine Lateinkenntnisse nicht aus und er wird in die erste Gymnasialklasse eingestuft.

Im preußischen Bildungswesen war eine Hausordnung mit mehr als 150 Paragraphen, die sehr genau das Verhalten und die Disziplin der Schüler regelte, nichts Außergewöhnliches. Als Josef in das neu erbaute Studienheim kommt, ist dieses mitten in einer Krise. Es gibt von mehr als 80 Schülern so viel Protest, dass zwei geistliche Betreuer (Spirituale), deren Aufgabe es eigentlich sein soll, die Situation zu beruhigen, „das Handtuch werfen“. Ein dritter Kandidat betritt kurzfristig das Feld: ein noch junger Pater, Josef Kentenich, soll den Hausfrieden wieder herstellen. 

Pater Kentenich geht einen neuen Weg. Anstatt auf die simple Einhaltung der Regeln zu drängen, zeigt er seinen Schülern, dass sie selbst für ihr Leben Verantwortung übernehmen können. Er appelliert an ihre tieferen Sehnsüchte. Er ruft sie auf zur Freiheit, zur Entfaltung aller ihrer Talente und zur Selbstbeherrschung, damit sie befähigt würden, auch in einer von Wissenschaft und Technologie veränderten Welt zu bestehen. 

Die Ausprägung der eigenen Persönlichkeit, die Charakterformung ist Pater Kentenich besonders wichtig. Zudem bat er Maria, die Mutter Jesu, um ganz konkrete Mithilfe an der Erziehung, um freie Persönlichkeiten zu werden. Die Bemühungen, die sie selbst dazu einbrachten, sollten Maria bewegen, aus einer alten ehemaligen Friedhofskapelle einen Gnaden- und Wallfahrtsort zu machen. Pater Kentenich wusste um die Kühnheit dieses Schrittes. So motivierte er seine Schüler. …

 

Markus M. Amrein

Leiter des Josef-Engling-Sekretariats Vallendar, Autor von Veröffentlichungen über Josef Engling, Mitglied im Schönstatt-Institut Marienbrüder.

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Foto: © Englingfeuer · Quelle: Privat