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Mann oder Frau

Junge Leute stehen zusammen mit Regenfarben auf Fahnen

Mann oder Frau

Infos zur Biologie der Geschlechter

von Gabriele Sauerbrei

Mann oder Frau, was verbirgt sich hinter diesen elementaren Begriffen der Menschheit? Derzeit finden sich zahlreiche teils widersprüchliche und emotional aufgeladene Aussagen zu diesem Thema. Der folgende Beitrag möchte informieren über die vielfältigen Varianten der menschlichen Geschlechtsidentität ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Lassen Sie uns beginnen mit einem Zitat aus dem Neuen Testament (Galater 3.28):

„Hier ist nicht Jude noch Grieche,

hier ist nicht Sklave noch Freier,

hier ist nicht Mann noch Frau, 

denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“

Betrachten wir also das Individuum Mensch mit eben dieser Toleranz, Achtung, Gleich-Berechtigung und im Idealfall mit den Augen der Liebe. 

Die Natur hat entschieden, dass es zum Erhalt der menschlichen Spezies grundsätzlich zweier chromosomaler Voraussetzungen bedarf, nämlich der Geschlechtschromosomen (Genosomen) X und Y, in der Konstellation XX weiblich und XY männlich. Durch Verlust oder Vervielfältigung eines X- oder Y-Chromosoms entstehen Varianten des chromosomalen Geschlechtes, die an der Wahrnehmung männlich oder weiblich in der Regel nichts ändern. Ich bezeichne in der Praxis diese Varianten nicht als Krankheit, sondern als Besonderheit der Natur. Man darf aber nicht außer Acht lassen, dass Menschen mit diesen Merkmalen im Verlauf ihres Lebens Unterstützung durch ärztliche Maßnahmen benötigen. Doch, welcher Mensch bedarf in seinem Leben keinerlei Unterstützung? 

Das chromosomale Geschlecht bedingt das biologische Geschlecht. Ab der sechsten Schwangerschaftswoche erfolgt unter dem Einfluss von Hormonen und Rezeptoren die Differenzierung in männlich oder weiblich. Kommt es in dieser Phase zu Störungen, bleibt die männliche Entwicklung mehr oder weniger unvollständig; ein weiblich anmutender Mensch entsteht trotz XY-Konstellation. Werden sowohl männliche wie auch weibliche Genitalorgane in einem Individuum angelegt, bezeichnet man dies als „intergeschlechtlich“ oder „divers“. Unter diesem Begriff verortet sich heute die Mehrzahl der Menschen mit geschlechtsspezifischen Besonderheiten. Nun ist der Mensch mit seinen ,,Erbgütern“, den chromosomalen und biologischen, auf der Welt und muss in Auseinandersetzung mit der Umwelt seinen Platz, seine Identität finden.

 

Gabriele Sauerbrei

Dr. med. Gabriele Sauerbrei, Jahrgang 1952, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderendokrinologin. Berufliche Stationen: Medizinische Akademie Erfurt, Justus-Liebig- Universtät Gießen, Helios Klinkum Erfurt, von 2003 bis 2018 in eigener Praxis in Erfurt. Verheiratet, ein Sohn, zwei Enkeltöchter, ein Pflegesohn.

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Beitragsfoto: © R3m0z· stock.adobe.com

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