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Mein Leben – eine Weltkarte

Selbstportrait einer jungen Frau beim Wandern im Gebirge

Mein Leben – eine Weltkarte

Wie fremde Orte und unbekannte Menschen helfen, über sich hinauszuwachsen

von Magdalena Lindner

Menschen, die sich kennenlernen, stellen sich einander vor. Sich vorzustellen bedeutet, dem Gegenüber etwas von dem Menschen zu vermitteln, der man selbst ist. Und dieser Mensch verändert sich mit jedem Tag, denn jede Erfahrung prägt uns. Kleine Erfahrungen und große. Und manche Erfahrungen sind Meilensteine. Meine Meilensteine sind Länder. Orte, die ich besucht habe, und Menschen, denen ich dort begegnet bin. Müsste ich mein Leben malen, es wäre eine Weltkarte. 

Der amerikanische Schriftsteller James Baldwin hat diesen Gedanken etwas anders ausgedrückt. Über seine Reisen in Europa und seine Zeit in seiner französischen Wahlheimat sagte er einmal: „Ich habe viele Leute in Europa getroffen. Ich bin sogar mir selbst begegnet.“ Sich über die eigenen Grenzen und auch Landesgrenzen hinauszuwagen, macht das mit einem Menschen. Jede Reise, die man antritt, ist gleichzeitig eine Reise zu sich selbst. Jeder Besuch in einem anderen Land, jedes Mal Aufbrechen, jedes Mal Ankommen und jeder Moment dazwischen ist die Chance, sich selbst besser kennenzulernen. 

Jedes Land bringt neue Erkenntnisse

In Argentinien habe ich gelernt, dass Kommunikation mehr ist, als nur eine Sprache zu beherrschen. Die Philippinen haben mir beigebracht, dankbar zu sein, dass ich privilegiert aufgewachsen bin. In den USA wurde mir klar, dass es sich lohnen kann, unbedarft auf Menschen zuzugehen und ihnen zu vertrauen. Nach Belgien zu ziehen war eine Lektion darin, dass man manchmal mit etwas Geduld zu lieben lernt, was man zuerst nicht mochte.

Jedes Land, das ich bereisen durfte, hat mir etwas anderes gezeigt und einen anderen Teil von mir beeinflusst. Ich habe viel gelernt über Politik, Kultur, Geschichte und den Umgang mit der eigenen Geschichte. Welche Saite eine Reise zum Klingen bringt, ist ganz unterschiedlich, und manchmal wird man sich erst Monate oder Jahre später bewusst, was in einem längst vergangenen Moment eigentlich geschehen ist. Vielleicht ist es die politische Situation eines Ortes oder seine Geschichte, die einen Gedanken anstößt. Möglicherweise aber auch etwas, das zufällig an diesem Ort passiert ist. Am Ende ergeben aber all diese kleinen Momente, die Puzzleteilchen, ein großes Ganzes: mich, wie ich bin.

Auf meiner jüngsten Reise durch den Pazifischen Nordwesten der USA ist mir klarer denn je vor Augen geführt worden, wie wichtig es ist, die Wahl zu haben. Wortwörtlich. In den USA geht es im Wahljahr 2024 vor allem um das Duell Trump gegen Biden, rechts gegen links, und für die meisten Menschen sind beide Alternativen genau das nicht – eine Alternative. Im selben Jahr habe ich als EU-Bürgerin die Wahl, eine aus vielen Möglichkeiten zu wählen und damit die EU zu stärken, die mir als junger Europäerin so viel ermöglicht. Grenzenloses Reisen, arbeiten, wo ich will, Frieden!

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Magdalena Lindner

30 Jahre alt, stammt aus einem kleinen Ort in Oberbayern, lebt und arbeitet in Brüssel, packt leidenschaftlich gerne ihren Rucksack und besucht neue Länder.

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Beitragsfoto: © vadosloginov · stock.adobe.com

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