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Modelllernen – an Helden und Heiligen?

Modelllernen – an Helden und Heiligen?

von Michael Linden

Als Helden werden Menschen bezeichnet, die Außergewöhnliches geleistet haben, was in gleicher Weise für Heilige gilt. Beide haben sich in besonderer Weise eingesetzt für ein höheres Ziel, oft genug auch unter Einsatz ihres Lebens. Es gibt viele Helden und/oder Heilige, von denen man nie etwas hört, d.h. unbekannte Helden des Alltags oder auch „Alltagsheilige“. Etwas anderes sind die öffentlichen Helden oder kanonisierten Heiligen, die vom Staat oder der Kirche als Beispiel vorgegeben und öffentlich geehrt oder verehrt werden. Sie werden den Menschen zum Vorbild gegeben.

Die Frage ist, was und wann man etwas von Helden oder Heiligen lernen kann. So haben viele Heilige ja eher merkwürdige Biographien. Sie haben sich als Märtyrer steinigen lassen wie der hl. Stephanus, haben ihre Familien verlassen und sich in die Wildnis zurückgezogen wie der hl. Nikolaus von der Flüe, haben zu Kreuzzügen aufgerufen wie der hl. Bernhard von Clairvaux, oder sich schon als Jugendliche hinter Klostermauern versteckt wie die hl. Theresia von Lisieux. Und was macht es für einen Sinn, jemanden wir Nikolaus, der 1487 gestorben ist, ein halbes Jahrtausend später im Jahr 1947 heilig zu sprechen?

Wie wir lernen

Eine Antwort kann die Lernpsychologie geben. Es gibt viele unterschiedliche Formen von Lernen, wie das klassische Konditionieren (man fällt vom Pferd, bekommt Angst und steigt nicht mehr auf), das operante Konditionieren (positive oder negative Folgen verändern die Verhaltenshäufigkeit), das übende Lernen (Vokabeln oder Tennisspielen) oder sogar ein genetisches Lernen. 

Von besonderer Bedeutung ist das Imitations-, Beobachtungs- oder Modelllernen. Jemand schaut einem anderen zu und ahmt ihn nach. Dies kennt jeder von Kindern, kommt gleichermaßen aber auch bei Erwachsenen vor. Man kann lernen, wie man etwas macht oder was man besser nicht tut, oder man kann angestachelt werden, etwas zu tun, was man sonst nie getan hätte. 

Damit Modelllernen gelingt, muss das Modell eine gewisse Attraktivität für den Beobachter haben, das Verhalten des Modells sollte positive Konsequenzen haben. Man muss nicht nur bereit, sondern auch in der Lage sein, das Vorbild nachzuahmen, und das Vorbild sollte daher eine Nähe zur eigenen Person haben. 

 

Michael Linden

Univ.-Prof. Dr. med., Dipl.-Psych., Berlin, vertritt in Basis den Bereich Medizin und Psychotherapie.

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Foto: © Michael Stifter | stock.adobe.com

 

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