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Oh mein Gott!

Oh mein Gott!

oder:
Können Spielfilme
eigentlich von Gott erzählen?

von Martin Ostermann

„Gott existiert, er lebt in Brüssel!“ Mit diesen Worten beginnt der Film „Das brandneue Testament“ (Belgien/Frankreich 2015). Anschließend werden wir in die „Familie Gottes“ eingeführt: Vater, Mutter, Tochter und Sohn, wobei der Sohn schon lange nicht mehr dort wohnt, sondern sich irgendwo auf der Erde herumtreibt. Der Vater ist nach der Schöpfung (auch diese wird irgendwie anders erzählt, denn zuerst gab es Brüssel, dann die Tiere und dann den Menschen) hauptsächlich damit beschäftigt, immer neue Gebote zu erlassen, die das menschliche Leben beständig schwerer machen, z.B. dass ein Marmeladenbrot beim Herunterfallen immer auf der Seite mit der Marmelade landet. Die Tochter verschickt aus Ärger über ihren übellaunigen, sadistischen Vater an alle Menschen ihr jeweiliges Todesdatum, legt den (göttlichen) Computer lahm und macht sich dann nach gelungenem Reißaus auf der Erde auf die Suche nach sechs weiteren Aposteln und lässt ein „brandneues“ Testament schreiben.

Soweit in Kürze die Geschichte dieses Films, dessen Reiz aber in der satirischen Übertreibung und in der humorvollen Infragestellung liebgewordener Glaubensvorstellungen liegt: Bei so viel Unglück und Elend in der Welt ist Gott vielleicht gar nicht lieb. Und was würde passieren, wenn alle Menschen wüssten, wie viel Zeit Ihnen noch bleibt, sie also dem Schöpfer in die Karten bzw. Dateien schauen könnten? …

Martin Ostermann

Dr. theol., Studienleiter „Theologie im Fernkurs“ Würzburg. Doktorarbeit Fundamentaltheologie: „Gotteserzählungen – Gottessuche in Literatur und Film“. Mitglied der Katholischen Filmkommission für Deutschland.

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