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Resilienz · Wie man innere Stärke gewinnt

Resilienz · Wie man innere Stärke gewinnt

von Klaus Glas

Kennen Sie einen Menschen in Ihrem Umfeld, der seinen Job, aber nicht sein Lächeln verloren hat? Wissen Sie von einer Person, deren Partner allzu früh verstorben ist – durch eine schwere Krankheit oder einen Verkehrsunfall –, die aber ihren Glauben an Gott nicht aufgegeben hat? Irgendwie müssen diese Leute es geschafft haben, Schweres zu verdauen, ohne sich eine Seelen-Verstimmung zu holen. 

Die verbreitete Ansicht, wer etwas Schlimmes erlebt hat, müsse automatisch einen Psychologen konsultieren, ist falsch. 

Tatsächlich gibt es mehr Leute als man denkt, die schwerste Traumata aus innerer Stärke heraus alleine bewältigen. 

Die Wahrscheinlichkeit, nach einem miterlebten Terroranschlag oder einem sexuellen Missbrauch eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln, beträgt 50 bis 60 Prozent. Umgekehrt heißt das: Die Hälfte der von einem „man made disaster“ betroffenen Personen bleibt seelisch gesund. Die Psyche der Betroffenen bricht nicht wie ein knorriger Baum, stattdessen scheinen sie biegsam wie ein Bambus, der sich nach dem Sturm wieder aufrichtet.

Von Verwundbarkeit und Widerstandsfähigkeit

Nach dem zweiten Weltkrieg hat sich die Psychologie überwiegend mit persönlichen Schwächen im Gefolge von kritischen Lebensereignissen beschäftigt. Das war auch wichtig, denn so konnte eine Reihe von Faktoren identifiziert werden, die den Menschen anfällig machen für seelische Störungen. Unter Vulnerabilität (Verwundbarkeit) versteht man sowohl persönliche Eigenschaften (z.B. Geschlecht, schwieriges Temperament) als auch Bedingungen der sozialen Umwelt, in die man hineingeboren wird (z.B. Erkrankung eines Elternteiles, Armut). Zwei Beispiele. Allein die Tatsache, ein Mädchen zu sein, verdoppelt – im Vergleich zu einem Jungen – das Risiko, im Lauf des Lebens an einer Depression zu erkranken. Kinder, deren Väter alkoholkrank sind, entwickeln in den folgenden 20 Jahren signifikant häufiger eine Verhaltensstörung als Kinder, deren Papa psychisch stabil ist. 

Der Begriff Resilienz stammt aus der Baustoffkunde. Er bezeichnet in diesem Fachgebiet die Flexibilität bzw. Elastizität von Materialien. In den 1970er Jahren fand das Konzept Eingang in die psychologische Fachwelt. Dort versteht man darunter eine innere Widerstandsfähigkeit gegenüber dem negativen Druck, den das Leben ausübt. Wie resilient jemand ist, sieht man nicht, wenn alles im grünen Bereich läuft. Erst wenn ein akuter Stressor auftaucht oder eine chronische Krankheit die Nerven der Angehörigen strapaziert, zeigt sich, wer diese Widerstandskraft besitzt und wer nicht.

Resilienz ist plural zu verstehen. Wir sprechen von einer handvoll Bewältigungs-Kompetenzen, die man – bewusst und unbewusst – in der Auseinandersetzung mit seiner sozialen Umwelt ausbildet. …

Pamela Luckau

Prof. Dr. phil., Coach, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, Geschäftsführerin Mentalkompass GmbH, www.pamelaluckau.de. In basis verantwortlich für den Bereich Politik.

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Foto: © Aintschie | stock.adobe.com

 

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