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Völlig loyal, aber klar in der Kritik

Völlig loyal, aber klar in der Kritik

Pater Josef Kentenich im Konflikt mit Kirchenleitungen verschiedener Ebenen

von Lothar Penners

Im Lebensverlauf Pater Josef Kentenichs spielt der Themenbereich Wahrheit und Wahrhaftigkeit eine zentrale Rolle. Dabei zieht sein Konflikt mit den Kirchenleitungen im Verlauf der bischöflichen wie päpstlichen Visitation naturgemäß zunächst die Aufmerksamkeit auf sich. Visitator war zunächst der Trierer Weihbischof Bernhard Stein, auf dessen prinzipielles Gutheißen der Bewegung und partielle Kritik an einzelnen Lebensvorgängen in der Gemeinschaft der Marienschwestern der Gründer mit einer umfangreichen Entgegnung („Epistola perlonga“) reagierte. Diese führte in den folgenden Jahren zu einer Anklage beim sogenannten „Heiligen Offizium“ und einer Apostolischen Visitation. In deren Verlauf wurde der Gründer von seinem Werk getrennt und 14 Jahre lang in eine Art Verbannung in die USA beordert. Der Beitrag Pater Kentenichs zur Thematik dieses Heftes geht über die Kontroverse mit dem kirchlichen „Amt“ weit hinaus, findet indessen gerade in dieser seine spezielle Zuspitzung. 

Wenn der Pädagoge Kentenich durchaus mit der Unterscheidung von essentieller und funktionaler Wahrheit (= Wahrheit, die einen Lebensvorgang auslöst) „arbeitet“, geht es dem Gründer des Schönstatt-Werks im Kontakt mit dem kirchlichen Amt gerade nicht darum, diplomatisch geschickt die Approbation origineller und ungewohnter Ideen und Lebensformen zu erreichen. Was wiederum nicht ausschließt, dass er durchaus Geschick an den Tag legte, eine für Neuartiges offene Mentalität ausfindig zu machen oder Entwicklungen abzuwarten, bei denen „grünes Licht“ zu erwarten sei.

Diplomatisches Vorgehen schloss für ihn ein Festhalten am seinshaften Wahrheitsverständnis nicht aus. Sein Erkenntnis-Modell „Beobachten – Vergleichen – Straffen – Anwenden“ lässt erkennen, dass er bestrebt war, Sinn für die Vielfalt des Lebens und seine geschichtliche Verwirklichung, aber nichtsdestotrotz auch essentiell Unverzichtbares und dessen „praktische“ Realisierung unterscheidend wahrzunehmen und doch miteinander in Verbindung zu bringen. Romano Guardini hat mitunter mit einem Seitenblick auf Platon von der „Sinn-Macht der Wahrheit“ gesprochen.

Pater Kentenich hat mit Blick auf den heilsgeschichtlichen Gottes-BUND besonders hervorgehoben, er sei Grund-SINN, Grund-KRAFT, Grund-FORM und Grund-NORM in der Beziehung zwischen Gott und dem Menschen. Auch hier klingt an, dass die Wahrheit des Bundes Grunddimensonen hat, welche die Haltung der Wahrhaftigkeit auf unterschiedliche Weise tangieren: Ein Lobpreis-Psalm zum Beispiel berührt die religiös gestimmte „Seele“ anders als die Apodiktik des fünften Gebotes: „Du sollst nicht töten.“ 

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Lothar Penners

Dr. theol., Schönstatt-Pater, bis 2014 Bewegungsleiter der deutschen Schönstatt-Bewegung, gehört zum Initiativkreis „Miteinander für Europa“.

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Beitragsfoto: © Schönstatt

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