0261.604090

Von der Cloud in den Himmel

Von der Cloud in den Himmel

Was mich an Carlo Acutis beeindruckt 

von Michael Maas

Die Heiligsprechung, die Anfang September in Rom stattgefunden hat, war keine gewöhnliche. Pier Giorgio Frassati und Carlo Acutis waren die beiden, die zur Ehre der Altäre erhoben werden sollten. Besonders Letzterer hatte es der Öffentlichkeit angetan. Als „Influencer Gottes“ und „erster Heiliger unseres Jahrtausends“ erreichte er nicht nur Kirchenzeitungen, sondern auch die allgemeine Medienlandschaft.

Immer wieder auch mit Kritik. War er wirklich so fromm, wie da behauptet wurde? Ehemalige Klassenkameraden berichteten, dass er ihnen nie dermaßen aufgefallen sei. Hat die Mutter in ihren Berichten über ihren Sohn Carlo nicht doch ein wenig übertrieben und ihn zu sehr in den Himmel gehoben? Seine Heiligsprechung zu sehr forciert?

Und dann seine Verehrung: Ist nicht seine letzte Ruhestätte in Assisi doch etwas zu viel Personenkult, wie er da einbalsamiert und gekleidet mit Jeans und Sneakers dort liegt, in einen modernen Seitenaltar gepackt? Das jedenfalls empfanden nicht Wenige aus unserer Reisegruppe, als wir vergangenes Jahr auf den Spuren des heiligen Franziskus waren und dann noch einen Abstecher nach Santa Maria Maggiore unternommen hatten, wo Carlo Acutis auf seinen Wunsch beigesetzt ist.

Schwer auch zu rekonstruieren, was sich tatsächlich in seinem Leben so ereignet hat, wie es geschildert wird, und was erst spätere Legendenbildung ist. In der Tat ist es zusätzlich ungewöhnlich, wenn die gesamte Familie bei der Heiligsprechung live dabei und sogar in die Feier mit eingebunden war.

Das Bild in der Handyhülle

Fragezeichen gibt es also gewiss genug im Blick auf den heiligen Carlo Acutis. Und doch habe ich sein Bild unter meiner Handyhülle angebracht, sodass ich ihn immer bei mir habe und er von anderen gut gesehen werden kann, wenn ich telefoniere. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass gerade in dem Moment, als wir an seinem Grab gebetet hatten, Papst Franziskus bekanntgab, dass er heiliggesprochen werden sollte.

Ein wichtiger Grund dafür ist, dass durch sein Beispiel junge Menschen dazu animiert werden, ihre eigene Verbindung zu Jesus Christus zu stärken. Das war etwa bei unserer Wallfahrt zu spüren, als ein jugendlicher Teilnehmer uns die lange Fahrt mit dem Bus nach Assisi dadurch etwas verkürzte, indem er uns aus dem Leben von Carlo Acutis berichtete. Man merkte, wie viel es ihm bedeutete, sich mit seinem Leben auseinandergesetzt zu haben und uns diesen Bericht geben zu können. Oder wie mich ein anderer Jugendlicher, auf meine Story, die ich über Assisi gepostet hatte, fragte, ob wir eigentlich auch am Grab von Carlo Acutis gewesen seien. Das sei wirklich etwas Besonderes. Oder ein 14-Jähriger, der mit Hartnäckigkeit seinen Vater dazu brachte, zur Heiligsprechung nach Rom zu fahren – man sei doch im Urlaub am Gardasee quasi schon fast in Rom, und da sollte man sich das nicht entgehen lassen.

Drei von zahlreichen Beispielen, die zeigen, dass Carlo, der durch seine Krebserkrankung so früh hat sterben müssen, etwas hat, das die jungen Menschen unserer Tage für den Glauben begeistern kann. Was sie dabei so anspricht, scheint mir recht offensichtlich zu sein. Es ist die Notwendigkeit, ein Beispiel für gelebten Glauben zu erhalten. Und das hat Carlo Acutis in seinem Leben ganz gewiss gegeben. Da stört mich auch nicht, dass jetzt Klassenkameraden auftauchen, die das madig machen wollen, oder eine Mutter, die etwas übermotiviert scheint. Beide Motive hat man ja schon oft genug gesehen: neidische Mitschüler und stolze Mütter. Das einzuordnen ist durchaus möglich.

(Einzelausgabe kaufen für 3,80 € oder abonnieren)

 

Michael Maas

geb. 1976, Priesterweihe 2003, danach Kaplan in der Seelsorgeeinheit Mannheim-Süd, von 2006-2014 Sekretär bei Erzbischof Zollitsch, danach bis Oktober 2021 Direktor des Zentrums für Berufungspastoral im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz, seither Leitender Pfarrer der Kirchengemeinde Staufen-Sankt Trudpert

Download basis → Shop


Beitragsfoto: © carloacutis.de