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Vorsynode in Rom

Als Delegierte der deutschen Bischöfe auf der Vorsynode in Rom

von Magdalena Hartmann

Auf Einladung des Papstes sollten junge Menschen schon im Vorhinein einen Teil zu der im Herbst 2018 stattfindenden XV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode beitragen, die unter dem Leitwort „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ stehen wird. Deshalb wurde zu einer sogenannten Vorsynode eingeladen – hauptsächlich Menschen mit katholischem Hintergrund, aber auch Atheisten und Vertreterinnen und Vertreter anderer Religionen waren dabei. 

Vom 19. Bis 24. März 2018 war es soweit. Anhand von
15 Leitfragen entstand ein Dokument, das ins „Instrumentum Laboris“, in die Vorbereitung der Bischofssynode, einfließen wird. Sowohl die Lebenswelten der jungen Menschen, aber auch ihre Meinung zur Kirche, samt Kritik und Vorschlägen, sollten Platz finden. In der Ansprache ermutigte Papst Franziskus, „kein Blatt vor den Mund zu nehmen“ und „etwas zu riskieren“. Genau das wurde zum Ansporn und trug zu einem offenen und wertschätzenden Dialog zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen bei.

Die deutsche Bischofskonferenz delegierte Thomas Andoni, Bundesvorsitzender des BDKJ und mich, Magdalena Hartmann, die deutschen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Rom zu vertreten und deren Meinungen mitzunehmen. Da ich selbst in der Schönstatt-Bewegung Mädchen-Junge-Frauen MJF aktiv bin, sollte ich die geistlichen Bewegungen und Gemeinschaften repräsentieren. Somit stellte ich ein Pendant zum BDKJ-Vertreter dar, der die verbandliche und eher politische Ebene miteinbrachte.

Meine Themen

Ein Anliegen, das ich mit nach Rom nahm, war, dass unsere Kirche wieder näher am Leben sein sollte. Unser christlicher Glaube sollte im Alltag spürbar sein und nicht hinter dicken Kirchenmauern stattfinden. Gerade in geistlichen Gemeinschaften nehme ich wahr, dass dies gelingt. Wenn wir allein auf die Pädagogik und geistlichen Methoden Pater Kentenichs schauen, finden wir ein breites Spektrum an Möglichkeiten, unseren Glauben mit dem konkreten Leben zu kombinieren. Dazu gehört aber auch, seitens der Kirche einen jeden Menschen so anzunehmen, wie er ist. Ein wertschätzender Umgang auf Basis unseres christlichen Glaubens müsste im Miteinander auffallen: in wertschätzenden Gesprächen, in ehrlichen Entschuldigungen oder aufrichtigem Zuhören. 

Berufung bekommt dadurch nochmal eine weitere Bedeutung. Dann heißt für die Berufung:  nicht nur die Entscheidung, einen priesterlichen oder ehelosen Weg einzuschlagen, sondern seine Persönlichkeit bestmöglich im Sinne unseres Schöpfers zu entfalten. In geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen ist dies meiner Meinung nach schon durchgedrungen. In einigen Pfarrgemeinden fehlt jedoch die Wertschätzung der Arbeit von Laien, insbesondere von Jugendlichen. 

Ein weiterer Wunsch, den ich eingebracht habe, ist der nach einer authentischen Kirche. Viele junge Katholiken sehnen sich nach Priestern, Bischöfen und Vorbildern, die lebendige Zeugnisse sind. Erst wenn es gelingt, ehrlich mit sich selbst umzugehen und das, was man sagt und predigt, auch in die Tat umzusetzen, wird unsere Kirche wieder glaubwürdig. Ich möchte keineswegs alle über einen Kamm scheren. Aber ich glaube, unsere Kirche trägt in Sachen Ehrlichkeit und Transparenz noch einiges an Wachstumspotenzial in sich.

Herausforderung Verschiedenheit

Ich konnte mit meiner Perspektive einen kleinen Teil der Meinung von deutschen Jugendlichen abdecken und bekam im Voraus durch Gespräche und Nachrichten noch einige Impulse und Gedanken, die ich „einpackte“, bevor es nach Rom ging.

Die Tage dort waren beeindruckend. Allein die kulturelle Vielfalt, aber auch die Gespräche mit Vertretern anderer Religionen, wie beispielsweise dem Islam, trugen zu einem bunten Bild bei. Von Beginn an herrschte eine wertschätzende und offene Atmosphäre. Wir arbeiteten sowohl im Plenum als auch in Gesprächsgruppen, die aus jeweils 15 Personen verschiedener Länder bestanden. 

Schnell wurde klar, dass wir uns niemals in allen Punkten einig werden. Dazu waren die Lebenswelten und Herausforderungen, die in unseren Gesellschaften bestehen, zu verschieden. Gerade beim Punkt, welche Rolle unsere Kirche oder auch die Person Jesu in der Lebenswelt junger Menschen einnehme, gingen die Meinungen auseinander. 

Faszinierenderweise gab es aber auch immer wieder Punkte, in denen sich die Mehrheit wiederfand. Beispielsweise wenn es um soziale Medien ging, fanden wir einen Konsens, dass Technik in einigen Bereichen eine wirkliche Bereicherung darstellt und Brücken baut, aber auch ein Risiko und eine Gefahr mit sich bringt, die die jungen Menschen oft unterschätzen. Konsens wurde auch gefunden, als es darum ging, dass junge Menschen, vor allem in Phasen des Lebensumbruchs, Orientierung suchen und sich nach Unterstützung in ihrer Entscheidungsfindung sehnen. 

Ohne Jugend keine Synode!

Begleitet wurde das Treffen vom Synodensekretariat unter Kardinal Lorenzo Baldisseri. Er war neben dem Papst einer der wenigen, der bei der Bischofssynode im Oktober dabei sein wird. Das war für mich auch ein ernüchternder Aspekt. Ich bin wirklich dankbar und habe das Gefühl, dass durch das Vorsynoden-Dokument einige Anliegen junger Menschen klar dargestellt werden können. Jedoch sehe ich es als notwendig, dass bei der Jugendsynode junge Menschen nicht nur durch ein Blatt Papier, sondern auch live miteinbezogen werden. Was ist ein „stilles“ Dokument im Gegensatz zu lebendigen Erzählungen und kritischen Nachfragen? Wäre nicht ein wertschätzender Dialog zwischen Bischöfen und jungen Erwachsenen an der Reihe?

Schlüssel Akzeptanz

Obwohl noch einige ungeklärte Fragen bestehen, bin ich zuversichtlich, dass unsere Kirche Zukunft hat. Eine Muslima meiner Gesprächsgruppe brachte es folgendermaßen auf den Punkt: „Ist es nicht kostbar, dass Papst Franziskus als Christ einen Dialog zwischen jungen Menschen aller Religionen ermöglicht und dadurch Brücken baut?“ Auch Erzählungen von südamerikanischen Vertretern und Vertreterinnen bestärkten mich. Eine Bewegung namens „Shalom“ zieht dort weite Kreise und schafft es durch Eröffnung von kleinen Restaurants und Cafés, ganz konkrete Gesprächsräume über „Gott und die Welt“ einzurichten. Dadurch entscheiden sich einige junge Menschen, missionarische Wege einzuschlagen und sich ganz bewusst mit ihrer Berufung auseinanderzusetzen. Auch die Lebendigkeit der afrikanischen Kultur bewegte mich, da der Glaube dort ganz andere Ausdrucksweisen findet, als wir sie aus europäischen Kreisen kennen. Gerade im Akzeptieren und Wertschätzen der Unterschiedlichkeit liegt, meiner Meinung nach, ein Schlüssel. 

Experimente wagen

Ich glaube nicht, dass sich durch die Jugendsynode unsere Kirche auf einmal komplett ändern wird. Das wäre auch nicht wünschenswert. Aber ich erhoffe mir, dass der nun begonnene Dialog fortgeführt werden kann. Es wäre schön, wenn unsere Kirche, angeregt durch die Jugendsynode, neue Wege findet, um unseren Glauben zu vermitteln, aber auch lernt, kritisch auf ihre eigenen Hierarchiesysteme zu sehen und dort mehr Transparenz und Authentizität schafft. 

Es gibt schon unzählige erfolgreiche Initiativen, auch wenn wir auf die schönstättischen Projekte wie Misiones oder Lebensschule schauen. Wenn diese nicht nur in geistlichen Gemeinschaften, sondern auch auf diözesanen Ebenen umgesetzt würden, könnten möglicherweise einige junge Menschen auf ihren Lebenswegen unterstützt werden und einen Weg zum Glauben finden.

Ich wünsche mir auf alle Fälle, dass die Verantwortung, die wir als junge Menschen in Rom bekamen, auch anderenorts übergeben wird und unsere Kirche zu einem Miteinander aller Generationen wird, die wertschätzende Dialoge eingeht und unseren Glauben spürbar und erlebbar werden lässt.

 

Magdalena Hartmann

21 Jahre, in der Schönstatt-Bewegung Mädchen-Junge-Frauen (MJF) aktiv, Delegierte der deutschen Bischofskonferenz auf der Vorsynode in Rom.

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Foto: © privat

 

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