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Warum ich Wallfahrten ins Heilige Land anbiete

Kirche des Heiligen Grabes

Warum ich Wallfahrten ins Heilige Land anbiete

von Franz Widmaier

Seit der Kreuzigung und Auferstehung Jesu gab es schon immer eine Sehnsucht, die heiligen Orte in Jerusalem, Bethlehem und andere wichtige Glaubensstätten zu besuchen und dort zu beten – zuerst bei den Jüngern und dann bei denen, die an Jesus glaubten. 

Welche Wirkung und Anziehungskraft schon damals diese Orte hatten, bezeugt, dass Kaiser Hadrian nach dem zweiten jüdischen Aufstand (135 n Chr.) über dem Heiligen Grab in Jerusalem einen Jupitertempel errichten ließ. Auf Golgota wurde eine Venusstatue aufgestellt. An anderen Orten, an denen Jesus Wunder wirkte, ließ Hadrian andere Tempel errichten. Gerade wegen des heidnischen Götterhains und einem Heiligtum des  Jugendgottes Adonis über der Grotte ist der Geburtsort Jesu in Erinnerung geblieben. Später konnten die Christen sogar wieder in die Grotte hinabsteigen und dort beten. Die heidnischen Heiligtümer halfen, die heiligen Orte zu bewahren.

Ab dem 4. Jahrhundert kamen die Pilger

Nach dem Konzil in Nicäa ließ Kaiser Konstantin 325 durch seine Mutter Helena und den Patriarchen Makarios von Jerusalem die heidnischen Tempel beseitigen und große Basiliken errichten. Jetzt war es möglich, dass Pilger ins Heilige Land und an die heiligen Orte kommen konnten. Kriege und islamische Eroberungen haben dann immer wieder die Wallfahrten unmöglich gemacht. Bis ins 19. Jahrhundert mussten Pilger, welche die Grabes- und Auferstehungskirche besuchen wollten, an zwei von Saladin eingesetzte muslimische Familien ihren Eintritts-Obolus entrichten. 

Als ich 1983 mit meinen Kurskollegen für eine mehrmonatige Pilger- und Studienzeit ins Heilige Land kam, war es noch von palästinensisch-israelischen Spannungen geprägt. Wenige Pilger kamen ins Land. Das hatte für uns den Vorteil, dass wir ohne Schlange-Stehen die Heiligen Orte besuchen konnten. Wir nutzten das aus, um im Heiligen Grab und auf Golgota zu beten, manchmal sogar einige Male am Tag. Nachdem der Sakristan der Franziskaner zugestimmt hatte, ließen wir uns nachts in der Basilika öfters einschließen. Da war man noch ungestörter, und nach Mitternacht fing die Liturgie der Griechisch-Orthodoxen mit Weihrauch und Gesängen an, dann die der Armenier, der Kopten und in der Morgenfrühe dann die heiligen Messen der Katholiken. Alles genau nach dem Status Quo geregelt.

Diese Monate im Heiligen Land vor meiner Priesterweihe haben mir und meinen Kollegen tiefe Erfahrungen geschenkt. Wir hatten uns in den Jahren vorher auf diese Wallfahrt intensiv vorbereitet. An dem Ort zu sein, wo Jesus für unsere Sünden gekreuzigt wurde und uns erlöst, wo er im Grab gelegen hat, oder an dem Ort zu sein, wo er mit seinen Jüngern Abendmahl gehalten und somit auch das Priestertum eingesetzt hat, gab mir und den anderen eine Vertiefung im Glauben. Fünfundzwanzig Jahre später sind wir als Kurs wieder nach Jerusalem und ins Heilige Land gepilgert. Meinen Priesterweihetag haben wir zusammen im Grab Jesu und in der Nähe des Coenaculums, dem Ort des letzten Abendmahles gefeiert.

Von den ersten Glaubenserfahrungen und Begegnungen im Heiligen Land habe ich den Jugendlichen während meiner anschließenden Vikarszeit in Bad Cannstatt-Liebfrauen erzählt. So kam eine erste dreiwöchige Wallfahrt mit zwölf Gruppenleitern zustande. Danach pilgerte ich mit größeren Gruppen von Studenten und Jugendlichen in das Land Jesu. Jeden Tag feierten wir die heilige Messe, lasen die Bibel und beteten zusammen. An einigen Ostermontagen konnten wir in Emmaus die heilige Messe feiern. Besonders schön waren auch die Tage am See Genesareth in Tabgha, dem Ort der Brotvermehrung. Von hier aus stiegen wir auf den Berg der Seligpreisungen oder wanderten nach Kapharnaum. Bei den Wüstenwanderungen von Jerusalem nach Jericho hinab gingen wir in Stille. Die Wüste hat sehr viele Stimmen und regt zum Nachdenken an. Unterwegs feierten wir die heilige Messe. Natürlich blieben wir auch einige Nächte in der Grabes- und Auferstehungskirche und feierten früh am Morgen im Grab Jesu oder auf Golgotha die heilige Messe. Untereinander entstanden Freundschaften, und die Pilgergruppen wuchsen zu guten Gemeinschaften zusammen. Es gab Jugendbegegnungen mit den Jugendlichen der melkitischen (griechisch-katholischen) Pfarrei in Jerusalem oder mit Jugendlichen in Shefar Amr im Norden Israels. Hier verbrachten wir schöne Tage in den Familien. Christen im Land Jesu zu begegnen und ihnen auch in ihrer schwierigen Situation unsere Solidarität zu zeigen, war uns wichtig,

Eine Unterbrechung der Heilig-Land-Wallfahrten brachte die zweite Intifada der Palästinenser. Doch bevor wieder viele Pilger und später die Karawanen der Busse von den Kreuzfahrtschiffen kamen, nutzten wir die billigen Flug- und Unterkunftspreise. So kam eine Wallfahrt von Volontären und Ex-Volontären zustande. Das Land war noch ziemlich „pilger- und touristenfrei“. Danach fingen Pilgerreisen mit Familiengruppen und Erwachsenen an. In meiner Zeit als Wallfahrtsleiter in Schönstatt konnte ich viele Menschen einladen, „auf den Spuren Jesu und seiner Mutter Maria“ zu pilgern. Inzwischen hatte sich meine Heilig-Land-Erfahrung herumgesprochen. So wurde ich auch von Mexikanern und Argentiniern angesprochen, sie auf ihrer Pilgerreise zu begleiten. Andere Nationen bedeuteten auch andere Vorlieben im Heiligen Land. Jede Pilgergruppe war anders. Ebenso konnte ich Kurse jüngerer Mitbrüder unserer Gemeinschaft begleiten. Jeder Kurs war anders, jeder Kurs gewann andere heilige Orte lieb. Doch Höhepunkte blieben immer die heiligen Messen im Heiligen Grab, auf Golgotha, Bethlehem, vor der Verkündigungsgrotte in Nazareth, auf dem Berg Tabor oder am See Genesareth.

Orte, an die gewöhnliche Pilger nicht kommen

Während unserer Studienmonate in Jerusalem hatten wir durch einen Mitbruder, der dort lebte, viel aufnehmen und lernen können. Er führte uns an Orte, an die normale Pilger oder Touristen nicht kommen. Anfangs war ich als priesterlicher Begleiter bei Wallfahrten dabei. Die israelischen Guides, die wir hatten, wussten sehr viel über das Land, die Politik, Geschichte, Kriege, Botanik und über praktische Dinge. Doch wie oft kam auch ihr „Nicht-Glauben“ an Jesus an den Heiligen Orten in ihren Erklärungen durch. Noch heute kann man in der Grabes- und Auferstehungskirche vor dem Heiligen Grab von solchen Führern hören, wie sie unseren Glauben lächerlich machen – und das bei gläubigen Pilgern. Ich wundere mich, dass die das alles schlucken, ohne dagegenzuhalten. Ebenso bekommen etliche Gruppen keine Zeit, um in die Grabeskapelle Jesu hineinzugehen, um dort zu beten. Sie ist unser heiligster Ort und das Ziel einer Heilig-Land-Wallfahrt. All diese Erfahrungen und Beobachtungen haben mich bewogen, selber Heilig-Land-Wallfahrten anzubieten.

Immer wieder höre ich von ehemaligen Pilgern und Pilgerinnen, wie viel Kraft sie aus diesen Wallfahrten schöpfen konnten und immer noch können. Bei den Lesungen in den heiligen Messen kommen die Erinnerungen: Hier war ich schon selber. Es gibt tiefere Beziehungen zur Heiligen Schrift und zum Heilsgeschehen. Ja, es sind tiefe Jesusbegegnungen und -erfahrungen, die einem auf so einer Wallfahrt geschenkt werden.

Inzwischen sind die Pilger- und Tourismusströme nach Israel gewachsen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sind in den vergangenen Jahren viele Pilger aus den ehemaligen kommunistischen Ländern gekommen. Russen, Ukrainer, Polen, Kroaten, aber auch Nigerianer und andere Afrikaner, Südkoreaner, Inder und viele andere Nationen. Die Pilgerzahlen wachsen. Um beten zu können, ist es wichtig, in der Morgenfrühe zu kommen, wenn es noch keinen Lärm gibt.

Orte, an denen Jesus gewiss war

Oft werde ich gefragt: Wie kann man die Echtheit der heiligen Orte bezeugen? Niemand von damals lebt noch. Ebenso gibt es keine Tafeln aus der Zeit Jesu, auf denen alles angeschrieben stünde. Am Anfang wies ich auf die Jünger hin, denen die Orte Jesu wichtig waren. Sie sind zum Gebet dorthin gegangen. Die Römer haben darüber Tempel gebaut. Nach der Vertreibung der Juden aus Palästina haben die Heidenchristen die Erinnerung wachgehalten. Die Väter haben ihren Kindern die Orte überliefert, diese den Kindeskindern. Später haben die Franziskaner, die schon 800 Jahre im Heiligen Land sind, die Heiligen Orte verteidigt – oft mit ihrem Leben. Es gibt meiner Meinung nach sicher Orte, wo man sagen kann, hier ist es wirklich gewesen: Golgotha und das Grab Jesu, die Geburtsgrotte in Bethlehem und die Grotte der Verkündigung in Nazareth, der Ort des Pfingstereignisses und die alte Treppe, die vom Abendmahlssaal ins Kidrontal hinabführt, Kapharnaum. Dazu gibt es viele andere Orte, die an Ereignisse und Begegnungen mit Jesus, an seine Worte und Taten erinnern. Heilige Orte sind Gnadenorte. Doch vor allem ist wichtig, dass wir die Worte Jesu hören und sie auch befolgen, ganz gleich wo er sie gesagt oder wo er das eine oder andere Wunder gewirkt hat.

Eine Heilig-Land-Wallfahrt lohnt sich. Nächstes Jahr im Oktober haben wir noch freie Plätze. Herzlich willkommen!

 

Franz Widmaier

Schönstatt-Pater, organisiert und begleitet seit vielen Jahren Pilgerfahrten ins Heilige Land.

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Foto: © MISHELA | stock.adobe.com

 

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