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Wie viel Vorsatz brauche ich?

Wie viel Vorsatz brauche ich und wie viel Vorsatz überfordert mich?

von Wilhelm Mahlmeister 

In meiner Kindheit und Jugendzeit haben wir jede Woche gebeichtet. Aus dem Vorbereitungsunterricht wussten wir, dass zu einer guten Beichte ein „guter Vorsatz“ gehört. Wie uns der Pfarrer diesen Vorsatz erklärt hat, weiß ich heute nicht mehr. Klar war mir, ich muss mit Hilfe des Vorsatzes ein besser Mensch und ein besserer Christ werden. In meiner Jugendzeit kam ich dann sogar auf den Gedanken: Wenn ich jedes Jahr mit Hilfe des Vorsatzes einen Fehler oder ein Fehlverhalten loswerde, bin ich bald ein Heiliger. Das habe ich leider bis heute immer noch nicht erreicht. (Vgl. basis-Heft November 2017 „Heilig sein“.) Also Vorsatz und Beichte gehören für mich zusammen.

Für das vor uns liegende Jahr 2018 denke ich an Josef Engling (* 1900), einen der jungen Mitbegründer der Schönstatt-Bewegung, an dessen 100. Todestag im Oktober dieses Jahres gedacht wird. Ich denke an dessen viele „Maivorsätze“ während des Ersten Weltkrieges. Ich denke an den Ernst dieses Mannes, 19 Vorsätze Tag für Tag unter schwierigsten Bedingungen, etwa im Schützengraben an der Front in Frankreich, durchzuführen. Neben all seinen Vorsätzen, die Josef bis zum Ende seines Lebens am 4. Oktober 1918 treu durchführte, legte er ganz großen Wert auf jeweils einen von ihnen, den er „Partikularexamen“ nannte. Diesen wechselte er im Turnus etwa von einer Woche. Andere Vorsätze wie z. B. das Morgengebet behielt er über Jahre bei. Das Partikularexamen war also für Josef etwas ganz Besonderes, eben ein besonderer Vorsatz. …

Notker Wolf OSB

Missionsbenediktiner, Dr. theol., 1977 Erzabt der Erzabtei St. Ottilien; 2000 Abtprimas des Benediktinerordens und damit Sprecher des ältesten Ordens.

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