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Editorial basis 10.2017

Editorial basis 10.2017

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Liebe Leserin, lieber Leser!

„Reformationsgedenken“ und „Christus-Fest“ – zwei Worte, die in den vergangenen Jahren und besonders in diesem Jahr immer wieder gefallen sind. Wir denken daran, dass vor 500 Jahren der Mönch Martin Luther die sogenannten 95 Thesen an das Portal der Schlosskirche von Wittenberg angeheftet haben soll. Was als Anstoß zum Nachdenken über die damalige schwierige Situation der Kirche gedacht war, mündete mehr und mehr in eine unversöhnliche Auseinandersetzung, die zur Trennung in verschiedene Konfessionen führte. Alle Seiten, auch die politisch Verantwortlichen, trugen zur Verhärtung der Fronten bei.

Ein fortdauernder Skandal! Denn in den Abschiedsreden vor seiner Passion bat Jesus Gott, seinen Vater, ausdrücklich um die Einheit aller Jünger (Joh 17,21): „Alle sollen eins sein!“ Eigentlich sollten sich von Anfang an alle Christen um den gemeinsamen Herrn, Jesus Christus, versammeln und gemeinsam den Glaubens feiern. Stattdessen zieht sich eine lange Reihe von Trennungen wie ein roter Faden durch die gesamte Kirchengeschichte. Eine der schwerwiegendsten Trennungen war die der Ost- und Westkirche, der Orthodoxie und der römischen Kirche. Im 16. Jahrhundert dann die Reformation, die von Deutschland ausging, und vielfältige Zersplitterung nach sich zog.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder Schritte, diesen Skandal zu beenden, denn – so der Untertitel dieser basis – eigentlich sind 500 Jahre Trennung genug. Es gab Kommissionen, die theologische Fragen erörterten und sogar zu gemeinsamen Erklärungen führten, wie etwa die gemeinsame katholische und evangelisch-lutherische „Gemeinsame Erklärung“ aus dem Jahr 1999, der sich inzwischen mehrere andere kirchliche Gemeinschaften angeschlossen haben: Alle sind sich einig, dass die Menschen vor Gott nur durch dessen Gnade gerechtfertigt sind – ein Hauptproblem der Reformation. Ferner trafen sich hochrangige Vertreter der Konfessionen, so der Papst z. B. mit dem Orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel / Istanbul oder mit Vertretern der evangelischen Kirchen.

Und dennoch scheint es auf dem Weg zur Einheit nicht recht weiterzugehen. Wie kann ein Modell dieser Einheit aussehen? Welche theologischen Probleme müssen noch überwunden werden? Wann wird es möglich sein, gemeinsam Eucharistie bzw. Abendmahl zu feiern?

Aber da stehen auch emotionale Probleme im Weg, die vielleicht im konkreten Umgang miteinander noch wichtiger sind. Ein Beispiel dafür sind die Bibelübersetzungen. Nachdem vor vielen Jahren eine gemeinsame „Einheitsübersetzung“ erstellt worden war, gaben nun die evangelischen Kirchen eine neue Lutherübersetzung heraus. Das, was die katholische Kirche kürzlich als neue Einheitsübersetzung herausgab, ist lediglich eine gemeinsame Übersetzung der deutschsprachigen katholischen Bistümer. Verschiedene Übersetzungen sind aber beileibe keine Glaubensfrage, sondern eine Frage der emotionalen Bindung an eine Sprachvariante, etwa an das Lutherdeutsch.

Es wird eines wohl noch langen Prozesses der Annäherung bedürfen, bis die Bitte Jesu an den Vater Wirklichkeit wird. Für diesen Prozess brauchen alle Beteiligten Geduld und Ungeduld zugleich. Geduld, weil die Einheit der Kirchen noch nicht in Sicht ist. Ungeduld, weil sonst keine wirklichen Fortschritte erzielt werden. Schließlich läuft es wegen der menschlichen Schwächen aller Beteiligten darauf hinaus, dass die Einheit letztlich ein Geschenk des Herrn der Kirche sein wird.

Dieses Heft der basis, die wir Ihnen zum Thema Reformation vorlegen, wird die noch bestehenden Probleme nicht lösen können. Doch es möchte erhellende und erklärende Durchblicke und konkrete Beispiele eines positiven Miteinanders vorstellen.

So bleibt eines, um das ich im Namen der gesamten basis-Redaktion bitten möchte: Bitten wir und bemühen wir uns um ein freies Herz füreinander, damit die von oben erwartete Einheit bereite Menschen findet.

Hubertus Brantzen

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