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Stefan Heße

Ein neuer Feiertag im Norden

28.02.2018

„Nicht das ist das Kunststück, ein Fest zu veranstalten, sondern solche zu finden, welche sich an ihm erfreuen.“ (Friedrich Nietzsche) Dieser Satz beschreibt etwas spitz die Situation in Norddeutschland. Es war im letzten Jahr klar, dass der Punkt gekommen ist, unseren ‚Feiertagsrückstand‘ gegenüber dem ‚Fest-verwöhnten‘ Süden aufzuholen. Da der Norden historisch überwiegend konfessionell evangelisch geprägt ist, lag in der Debatte der Reformationstag schnell auf der Hand. Nicht zuletzt deshalb, weil eben dieser Tag 2017, also im Jubiläumsjahr der Reformation, bundesweit einmalig zum Feiertag erklärt worden ist.

Mittlerweile hat das Land Schleswig Holstein den 31. Oktober zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Die anderen Länder werden vermutlich mit etwas Abstand nachziehen, um eine einheitliche und vermeintlich praktische Lösung für den gesamten norddeutschen Raum zu finden. Ich kann das gut nachvollziehen, beobachte aber, wie der Tag auch politisch eher als Kompromisslösung gesehen wird und weniger wegen eines großen inhaltlichen Konsenses gewählt wurde.

Denn – um mit Friedrich Nietzsche zu sprechen, der nicht im Verdacht steht ein Wortführer der katholischen Kirche zu sein – das eigentliche Kunststück ist es Menschen zu finden, die mit dem Feiertag einen bewussten Sinngehalt verbinden. Wir müssen uns also fragen, was haben wir zu feiern und hat das Relevanz für die Gesellschaft? Erst wenn der Anlass klar ist, müssen wir auf einen konkreten Tag blicken. Ist es die Reformation mit ihrer ambivalenten Geschichte? Oder ist es das Grundgesetz, das freiheitliches und demokratisches Leben in Deutschland ermöglicht? (Tag des Grundgesetzes am 23. Mai) Sind es die Frauen, die in Geschichte und Gegenwart unter Benachteiligung, Unterdrückung und Missbrauch gelitten haben und immer noch leiden? (Weltfrauentag am 8. März) Ist es die immer wieder neue Notwendigkeit zu Umkehr und Besinnung, die auch interreligiös anschlussfähig ist? (Buß- und Bettag) Ist es die Schöpfung, die Natur, von der wir letztlich alle leben und die akut bedroht ist? (Tag der Schöpfung am 1. September bzw. am ersten Freitag im September) Oder der Kieler Matrosenaufstand, oder der Jahrestag des Kriegsendes …

Wir Katholiken werden selbstverständlich die jeweiligen Entscheidungen der Länderparlamente akzeptieren. Was wir uns aber weiterhin sehr deutlich wünschen, ist eine breite gesellschafts-politische Debatte. Dafür ist es in Bremen, Hamburg und Niedersachsen noch nicht zu spät.

 

 Foto: © pixabay.com

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