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Herwig Gössl

Die Botschaft des Schweigens

20.03.2019

Der heilige Josef – sein Namensfest ist am 19. März – hat uns in den Evangelien kein einziges Wort von sich hinterlassen. Wie kann demnach eine Botschaft von ihm ausgehen? Und dann auch noch für heute, wo doch alles, wofür Josef steht, aus der Zeit gefallen erscheint: Gerecht war Josef und fromm, kein Kämpfer, sondern viel zu schnell bereit, sich zurückzuziehen und anderen das Feld zu überlassen. Alles in allem ein komischer Heiliger für heutige Ansprüche.

Und doch: Sind nicht genau die Anfragen, die der Heilige stellt, wichtige Impulse für uns hier und jetzt?

Wäre nicht sein Schweigen eine bedeutsame Schule für unsere grelle, laute Zeit mit ihren aufdringlichen Schlagworten, Schlagzeilen und Schlagseiten, die uns aus den unterschiedlichsten Medien erreichen und Botschaften einhämmern wollen. Josef steht mit seinem Schweigen gegen die Überzeugung: Wer laut ist, hat recht. Er schafft eine wohltuende Distanz zu allem Lauten, das nicht nach der Wahrheit, sondern nur nach der Resonanz fragt.

Das Schweigen des Josef ist aber zugleich eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Gott zu Wort kommen kann. Darunter leidet unsere Zeit doch am meisten: Sie hat Gott verloren – aus dem Sinn, aus den Gedanken, aus dem Herzen. Gott erfahren, das geht nur in der Stille. Zu meinen eindrucksvollsten Erinnerungen an Weltjugendtage gehört das Erlebnis, wie hunderte von Jugendlichen gemeinsam in eine Gebetsstille versinken.

Aus der Haltung des Schweigens wächst daher bei Josef die Frömmigkeit, aber auch seine Gerechtigkeit, die mehr ist als die mechanische Anwendung von Gesetzen. Im schweigenden Hören spürt Josef, dass auch die eindeutigsten Rechtsvorschriften nicht die Situation Marias einfangen. Es ist überhaupt nicht möglich, ein Recht zu schaffen, das allen Lebenssituationen aller Menschen jemals gerecht wird. Daher braucht es gerechte Menschen wie den heiligen Josef, Menschen, die das Richtige tun und dafür bereit sind. auch den Kopf hinzuhalten.

Und schließlich ist Josef auch ein zurückhaltender Mensch, einer, der nicht großspurig auftritt und sich selbst und seine Ansprüche in den Vordergrund schiebt. Er ist ein leibhaftiger Gegenentwurf zum modernen Machtmenschen, eine wohltuende Alternative zu all den lautstarken Halbstarken, welche die öffentliche Wahrnehmung zunehmend prägen. Mit dieser Zurückhaltung gehört Josef nicht zu den Verlierern, sondern er gewinnt Einsicht und Zukunft. Etwas mehr Josef in unserer Zeit würde uns allen sehr gut tun.

Die Botschaft des Josef an uns ist, gemäß seiner Natur, keine sehr laute, aber eine bestimmte: Er ruft uns durch sein Schweigen die Wirklichkeit Gottes in Erinnerung und macht Mut, selbst gegen den Zeitgeist Bescheidenheit und Demut zu leben. Es lohnt sich, diese Botschaft aufzunehmen und im eigenen Leben umzusetzen. Die gesamte Schöpfung und ganz besonders unsere Mitmenschen werden es uns danken.

Weihbischof Herwig Gössl, Bamberg


                                     Foto: © pixabay.com

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