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Wessen Bild wollen wir tragen? Peter Thiel, Elon Musk und die Grenzen menschlicher Macht

14.10.2026

Die Frage, wessen Bild wir tragen, ist älter, als wir denken. Und sie ist aktueller denn je. Peter Thiel wurde mit PayPal und Palantir zum einflussreichen Technologieunternehmer. Palantir verknüpft riesige Datensätze, unter anderem zur Optimierung von Kriegsszenarien. Wenn er heute vom „Antichristen“ spricht, benennt er paradoxerweise selbst das mitgeschaffene Gefahrenpotenzial einer Macht, die angesichts von Atomwaffen und KI totale Sicherheit verspricht und dafür den Verlust eigener Freiheiten abverlangt. Dieser Verantwortungsverlust ist ganz konkret: Wir lassen unsere Daten umfassend überwachen, überlassen Entscheidungen und politische Mitsprache wenigen Instanzen und nehmen Kontrolle hin, weil wir Angst vor den nicht mehr zu kontrollierenden Datenströmen und nicht mehr einzuordnenden Informationsfluten haben. Mich beunruhigt das. Die Verantwortbarkeit und die Nachvollziehbarkeit ist individuell wegen Überforderung nicht mehr gegeben. Aber wer kontrolliert eigentlich diejenigen, die uns vor diesen Überforderungen schützen wollen, die genau diese bewerkstelligt haben?

Ich denke an den Zauberlehrling.

Auch Elon Musk verkörpert die Faszination des technisch Machbaren. Mich irritiert, wie schnell in solchen Zukunftsentwürfen der einzelne Mensch aus dem Blick geraten kann: der Beschäftigte, dessen Arbeitsplatz sich verändert, oder der Schwache, der keine Stimme hat. Technische Intelligenz ist keine Empathie. Und Macht ersetzt kein Mitgefühl. Anthropic, das Unternehmen hinter Claude, hält die Frage offen, ob KI Bewusstsein oder einen moralischen Status entwickeln könnte. Darüber nachzudenken ist wichtig.

Ich denke an den Turmbau zu Babel.

Während eine reiche Elite über die Rechte und Entwicklungen von Maschinen diskutiert, dürfen wir die Rechte der Menschen nicht aus den Augen verlieren. Papst Leo XIV. erinnert daran, dass menschliche Würde keine Leistung und keine Rechenfähigkeit voraussetzt.

Und ich denke an das Evangelium zum kommenden Sonntag.

Im Evangelium stellen Jesu Gegner eine Falle: Darf man dem Kaiser Steuern zahlen? Jesus lässt sich einen Denar zeigen. „Wessen Bild und Aufschrift ist das?“, fragt er. „Des Kaisers“, antworten sie. Und Jesus sagt: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ Er bestreitet nicht die Pflichten gegenüber der politischen Ordnung. Aber er setzt ihrem Anspruch eine Grenze. Denn die Münze trägt das Bild des Kaisers. Der Mensch trägt nach der Schöpfungsgeschichte Gottes Bild. Das ist für mich der entscheidende Unterschied: Ein Staat darf Steuern erheben, ein Unternehmen darf Technik entwickeln. Aber keiner darf über den ganzen Menschen verfügen – nicht über sein Gewissen, seine Würde und sein Leben.

Was gebe ich also Gott? Nicht eine Münze, sondern die Anerkennung, dass ich mein Leben nicht mir selbst verdanke.

Ich kann Neues schaffen, sogar lernende Maschinen. Doch ich bleibe Geschöpf: endlich, fehlbar, auf andere angewiesen. Gerade meine Grenzen erinnern mich daran, dass ich nicht Gott bin. Ihm schulde ich Ehrfurcht vor seiner Schöpfung und Verantwortung für die Menschen, die von meinen Entscheidungen betroffen sind. Wer Gottes Bild im anderen erkennt, darf ihn nicht zum Datenpunkt, Kostenfaktor oder Werkzeug machen. Nicht alles, was wir können, dürfen wir tun. Und was Gott gehört – der Mensch in seiner unverfügbaren Würde – entzieht sich unserer Verfügungsgewalt. Wessen Bild tragen wir also?

Christine Praetorius
Psychologische Psychotherapeutin

Foto von Niklas Jeromin: https://www.pexels.com/de-de/foto/dammerung-landschaft-sonnenuntergang-mann-28241067/

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