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Ignazio Sanna

Heiligkeit im Alltag

01.05.2019

Im Laufe des liturgischen Jahres gibt es die „Wochen im Jahreskreis“. In dieser Zeit werden nicht so prägnante Feste wie die Geburt Jesu an Weihnachten oder die Auferstehung an Ostern gefeiert.  Daneben begehen wir persönlich, in der Familie, in Vereinen und Gruppen Geburtstage und Gedenktage wie z.B. Jubiläen oder außerordentliche gesellschaftliche Ereignisse.

Doch zur Vorbereitung besonders der religiösen Feste haben wir oft nur ganz wenig Zeit. Die meiste Zeit über sind wir eingespannt in die tägliche Arbeit, in das Familienleben, das Lernen in der Schule, auch mit den Besuchen von Verwandten oder mit dem Treffen von Freunden.

Frage: Wie können wir zu einer besonderen Spiritualität finden, um auch diese “gewöhnliche Zeit”, den Alltag mit seinen Freuden und Sorgen, mit einer guten, ja religiösen Einstellung zu erleben? Daran schließt sich die grundlegende Frage: Gibt es überhaupt eine Spiritualität des Lebens im Alltag? Oder gibt es nur jene besondere Spiritualität in der Advents- und Weihnachtszeit oder in der Fasten- und Osterzeit? Was gibt Sinn und Wert allen Dingen, die wir täglich tun?

Nach Papst Franziskus gibt es auch „tägliche Heilige“ und auch eine alltägliche Spiritualität. Im apostolischen Schreiben Gaudete et Exultate (GE) über die Heiligkeit in der Welt von heute schreibt er: Es gibt „Heilige von nebenan“, solche, die in unserer Nähe wohnen und die ein Widerschein der Gegenwart Gottes sind, oder, um es anders auszudrücken, es gibt eine „Mittelschicht der Heiligkeit“ (nach  Joseph Malègue) (GE, 7). „Wir sind alle berufen, heilig zu sein, indem wir in der Liebe leben und im täglichen Tun unser persönliches Zeugnis ablegen, jede und jeder an dem Platz, an dem sie und er sich befindet.

  • „Bist du ein Gottgeweihter oder eine Gottgeweihte? Sei heilig, indem du deine Hingabe freudig lebst.
  • Bist du verheiratet? Sei heilig, indem du deinen Mann oder deine Frau liebst und umsorgst, wie Christus es mit der Kirche getan hat.
  • Hast du eine Verantwortungsposition inne? Sei heilig, indem du für das Gemeinwohl kämpfst und auf deine persönlichen Interessen verzichtest.” (GE, 14)

Diese Heiligkeit, schreibt der Heilige Vater weiter, zu der der Herr dich ruft, wächst durch kleine Gesten. Eine Frau geht beispielsweise auf den Markt zum Einkaufen, trifft dabei eine Nachbarin, beginnt ein Gespräch mit ihr, und dann wird herumkritisiert. Trotzdem sagt diese Frau innerlich: „Nein, ich werde über niemanden schlecht reden.“ Das ist ein Schritt hin zur Heiligkeit (GE, 16).

Mit anderen Worten, der Weg zur Heiligkeit führt nicht durch heroische Gesten, sondern durch einfache Gesten, weil kleine Taten die Welt verändern können. Papst Franziskus erwähnt Kardinal François-Xavier Nguyên Van Thuân, der im Gefängnis saß, aber darauf verzichtete, sich in Erwartung seiner Freilassung aufzureiben. Er entschied: „Ich lebe in diesem Augenblick und werde ihn mit Liebe füllen.“ Und die Art und Weise, in der dies konkret wird, ist folgende: „Nütze jeden Tag die Gelegenheit, um kleine Dinge in großartiger Weise zu erledigen.” (GE, 17)

Erzbischof Dr. Ignazio Sanna, Oristano /Sardinien 


                          Foto: pixabay.com

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