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Michael Maas

Sorge um die Zukunft der Kirche

09.02.2022

Die aktuelle Spurensuche muss sich mit dem Synodalen Weg befassen. Daran führt sozusagen kein Weg vorbei. Und doch merke ich, dass ich da lieber darauf verzichtet würde. Warum das so ist? Weil eine Einschätzung exakt nicht zutrifft, die man nun überall lesen und hören kann. Da lautet der Duktus: „Es ist so wunderbar, dass man in der Kirche nun frei sagen kann, was man denkt. Das hat es ewige Zeiten nicht gegeben. Jetzt geht das.“ Leider erfahre ich genau das Gegenteil. Wer nicht voller Freude über all die Änderungen ist, die gerade mit jeweils 80/85 Prozent der Teilnehmer am Synodalen Weg beschlossen wurden, der hat es schwer.

Wenn es bisweilen früher so war, dass Menschen, die bestimmte Positionen vertraten, abgesprochen wurde, „katholisch“ zu sein, so gilt das jetzt mit anderen Vorzeichen in die andere Richtung. Da wird einem, wenn man bestimmte Positionen nicht mitträgt, unterstellt, dass man den sexuellen Missbrauch, den es in der Kirche gegeben hat, verharmlosen wolle oder dass einem die Empathie fehlt für Menschen, die unter bestimmten Situationen leiden. Man ist dann nicht mehr „kein guter Katholik“, sondern „kein guter Mensch“. Verurteilend ist das genauso.

Das sind keine abstrakten Beschreibungen. Dieses Vorgehen geschieht ganz konkret auch auf dem Synodalen Weg selbst, wenn etwa Bischof Vorderholzer, unter Zeitdruck stehend , die Gesetzeslage der 70er Jahre vorträgt und ihm dann unterstellt wird, das sei seine Meinung. Oder wenn Professorin Gerl-Falkovitz darauf hinweist, nur weil es etwas in der Welt gebe, müsse dies noch  nicht Teil der „guten Schöpfung Gottes“ sein, und diese Aussage bewusst falsch verstanden wird.

Von außen kann man den Eindruck haben, dass da eine Agenda mit aller Gewalt durchgebracht werden soll – und dass diejenigen, die nicht mit Begeisterung mitmachen, einfach nur als störend und überflüssig wahrgenommen werden. Man kann den Eindruck gewinnen, dass man sich nicht zuhört, sondern Positionen durchdrückt.

Neben anderem hat mich persönlich die Diskussion über den Zölibat sehr enttäuscht. Von einigen Bischöfen wurde er zwar noch als allgemein segensreich, aber faktisch nicht mehr praktikabel eingeschätzt. Von anderen Mitgliedern der Synode wurde er sogar als gefährlich bezeichnet, weil diese Lebensform zu so viel sexuellem Missbrauch geführt habe.

Ich habe diese Lebensform in der Nachfolge Jesu bewusst gewählt, und nehme nun wahr, dass sie offensichtlich von vielen als solche nicht mehr erkannt und geschätzt wird. Das trifft mich schon sehr, und ich frage mich, wie gerade Leute, die sonst für alles und jedes höchste Sensibilität aufbringen, an dieser Stelle einfach unbekümmert draufhauen und damit auch mich verletzen – obwohl das die Faktenlage nicht wirklich hergibt. Laut WHO sind in Deutschland aktuell 1 Million (!) Kinder und Jugendliche von sexuellem Missbrauch betroffen. Könnte es sein, dass der Fokus da etwas einseitig auf Priester gerichtet ist?

Die Meinungshoheit über das, was gesagt werden darf, ist dabei allerdings nur das eine. Es führt mich zur viel grundlegenderen Frage, wie es mit der Kirche weiter geht. Es ist für mich die Frage nach der Einheit der Kirche. Diese wird von zahlreichen Delegierten auf dem Synodalen Weg mit unterschiedlichen Argumenten als irrelevant abgewiesen, sei es im Verweis auf eine ohnehin schon vorhandene Spaltung, sei es mit dem Hinweis auf den Missbrauch, der keine andere Handlungsoption zulasse, usw.

Mir bereitet das riesige Sorgen. Ja, es ist offensichtlich: Unsere Kirche braucht Erneuerung und wir müssen auch schauen, wie wir in unserer heutigen Welt das Evangelium so verkünden können, dass es angenommen werden kann. Wir dürfen auch nicht über das Leid hinwegsehen, das Menschen in der Kirche erfahren haben. Erneuerung kann aber nicht geschehen, indem Tradition und Lehre der Kirche einfach relativiert werden. Sie kann nicht geschehen, indem wir für uns in Deutschland eine eigene Kirche schaffen. Sie kann auch nicht geschehen, indem Impulse von Papst Franziskus gelobt und dann in die Schublade gelegt werden. Ratlos stehe ich vor der Frage, wie es weitergehen kann.

Es gibt nur zwei konkrete Anliegen, für die Jesus auffordert, zu beten. Um Arbeiter in seinem Weinberg und um die Einheit im Glauben. Beides braucht es, damit die Welt glaubt. Beides kann ich auf dem Synodalen Weg als Schwerpunkte leider nicht erkennen. Ob es noch kommen wird?

Als „gute Christen“ kennen wir die drei Grundtugenden Glaube, Hoffnung und Liebe. Das ist es, was mir trotz allem Mut macht. Ob das reicht? Darum bete ich.

Michael Maas, Staufen


                                            Foto: pixabay.com

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