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Reinhard Hauke

Auf Fels gebaut

01.09.2021

Es ist nicht so, dass ich ständig auf der Suche bin nach Motiven, die ich für Geistliche Worte gut gebrauchen kann. Aber manchmal passiert es einfach: Ich steige in Oybin in der Oberlausitz auf den Berg, wo es eine Kloster- und eine Schlossruine geben soll, und sehe, wie die Bauleute im 14. Jahrhundert die Gebäude auf Fels gebaut haben. Es sind beeindruckende Felsen, die wie Bienenkörbe aussehen. Sicherlich wurden damals auch die Ordensleute der Cölestiner davon sehr beeindruckt und sagten sich: „Hier kann man gut auf Fels bauen! Das ist ein fester und sicherer Untergrund.“ Selbst die Ruinen heute beeindrucken mich.

Beim Anblick von Kirchenruinen werde ich natürlich auch nachdenklich. Was hat dazu geführt, dass es die Ordensleute hier nicht mehr gibt? In diesem Fall war es die Reformation des 16. Jahrhunderts, die zur Auflösung des Klosters geführt hat. Politische Kräfte haben unterstützt und ausgenützt, was an kirchlicher Veränderung aufgrund religiöser Fragen in Bewegung gekommen war.

Schnell sind meine Gedanken dann in der Gegenwart und den Diskussionen innerhalb der Kirche und natürlich auch außerhalb. Ich spüre Verängstigung bei vielen Gläubigen und höre den Ruf nach Klarheit und Entschiedenheit. Wenn die Entscheidungen dann aber kommen, gibt es auch die Proteste. Papst Franziskus sucht Wege zur Klarheit und auch zum Verständnis von Entscheidungen in der Leitung der Kirche. Seine Bitte um das Gebet kann man immer nur verstärken und wiederholen.

Es braucht heute die große Zuversicht, dass der Heilige Geist die Kirche leitet und den Petrus und seine Nachfolger stärkt im Dienst, der Felsen zu sein, auf dem die Kirche erbaut ist. Der Felsen, auf dem die Klosterruine in Oybin steht, könnte den Namen „Franziskus“ haben oder den Namen des damaligen Papstes im 13. Jahrhundert, als das Kloster gebaut wurde. Cölestin V. übernahm nach einer zweijährigen Vakanz den Dienst des Papstes und trat nach fünf Monaten und fünf Tagen zurück. Er steht im Ruf, ein Heiliger gewesen zu sein. Ihm folgte Papst Bonifaz VIII. im Jahr 1294, der als herrschsüchtig in die Geschichte der Päpste einging. Seinen Vorgänger internierte er, damit kein Schisma entstand. Zwei Päpste gab es also auch damals, aber der Umgang miteinander war ein anderer als heute.

Der Fischer vom See Genezareth mit Namen Simon wird mit dem neuen Namen und dem neuen Dienst beauftragt. „Petrus“ soll er fortan heißen und damit deutlich machen, was Jesus Christus ihm zutraut. Und immer ist es so gewesen, dass dieser Dienst gelungen ist, wenn der Amtsträger sich daran erinnert hat, dass er einen Auftrag und eine Zusage von Jesus Christus erhalten hat und nicht selbst wie ein „Fels in der Brandung“ stehen kann. Viele Titel und Zuständigkeiten, die dem Papstdienst zugewachsen sind, versucht Papst Franziskus wieder zurückzugeben, damit deutlich bleiben kann, wozu er seinen Dienst tun will: „Das Evangelium verkünden und damit die Welt erneuern.“

Jeder von uns hat in unterschiedlicher Weise Anteil an diesem Petrusdienst, wenn er für andere Fundament des Glaubens ist: als Tauf- oder Firmpate oder als Katechet, als Vater und Mutter in der katholischen Familie oder auch in einem verantwortlichen Dienst einer Bistumsleitung. Der Blick auf die Kirchenruine lässt fragen, warum dort keine intakte Kirche mehr steht. Der Blick auf die Kirche heute lässt uns ebenso fragen, woran die Veränderung liegt, die viele Katholiken unruhig macht. Solange wir uns in der Verantwortung vor Jesus Christus sehen, brauchen wir über unseren Einsatz nicht zu grübeln. Veränderungen – dazu gehört auch das Kleinerwerden von Zahlen der Kirchenmitglieder – nehmen uns die Selbstsicherheit und öffnen den Blick neu für das Wesentliche, das in unserem Fall „Kirche“ das Gottesreich ist. Und es ist das Reich G o t t e s, und nicht unser Herrschaftsgebiet. Aber Jesus Christus will uns dabei haben, wenn es langsam aber sicher wächst. Da dürfen wir sicher sein: Die Pforten der Hölle werden die Kirche nicht besiegen!

Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, Erfurt


                            Foto: wikimedia commons

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