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Hubertus Brantzen

Weihnachten in der Baustelle

04.12.2019

Auf den Weihnachtsmärkten sind bereits die Krippen aufgebaut. In einigen Kirchen beginnt man, ganze Krippenlandschaften zu gestalten. Während eines Besuches in Karlsruhe kam ich in die katholische Kirche St. Stephan, in der ich eine „Baustellenkrippe“ fand, die den Titel trug: „Weihnachten – Gott ganz nah.“

Der Stern von Betlehem steht über dem Eingang zu einer Baustelle. Im Hintergrund Hochhäuser, davor diese aus Beton gegossene Baustelle. Im Eingang stehen Maria und Josef, doch ganz anders anzuschauen: Die blonde Maria mit Strumpfhose, Minirock und Gummistiefel. Auf dem Arm hält sie ihr Kind. Josef steht neben dran, in typischer Bauarbeiterbekleidung und einem Schutzhelm auf dem Kopf. Er schaut sich Mutter und Kind an, die Arme in die Hüften gestützt. Auf einem Materialcontainer rechts oben steht ein Bauarbeiter mit weißer Latzhose. Bei näherer Betrachtung entdecke ich Flügel. Das ist also der Engel, der die frohe Botschaft von Weihnachten verkündet. Und neben Baustellenabsperrungen und Schuttcontainer stehen statt der Hirten und Könige Menschen von der Straße. Ich selbst könnte einer davon sein, der gerade in diese Kirche hineingeschneit ist.

In einem Prospekt finde ich eine Beschreibung dieser Krippendarstellung von Antke Wollersen: „Gott kommt zu uns – in  die Baustellen unseres Lebens.“ Es sind zwei Botschaften, die mich treffen:

Gott kommt in unsere heutige Realität hinein. Indem ich diese Krippendarstellung anschaue, merke ich, dass ich im Gedanken nicht 2000 Jahre zurückwandere, um Jesus in Betlehem zu suchen. Ich bleibe in der Gegenwart, um ihn im Hier und Heute zu suchen.

Und Gott kommt in die Baustellen meines Lebens. Hierhin zu mir, wie ich bin, was ich habe oder nicht habe, was ich mit mir rumschleppe und nicht loslassen kann, was ich an Hoffnungen und unerfüllten Sehnsüchten mit mir herumschleppe. Das sind statt Gold, Weihrauch und Myrre meine Geschenke an das neugeborene Kind.

Ich wünsche mir, dass ich an der nächsten Baustelle, an der ich vorbeikomme, mich erinnere: Hier und in den Baustellen meines Lebens will Gott ankommen.


                         Foto: Maria-Theresia Brantzen

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