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Reinhard Hauke

Das Verachtete hat Gott erwählt

05.02.2020

Märtyrer wie die heilige Agatha, der heilige Bischof Blasius, der selige Petrus Werhun und der heilige Paul Miki mit seinen Gefährten sind in dieser Woche in den Gottesdiensten im Blick. Am Festtag der heiligen Agatha lesen wir das Wort aus dem 1. Korintherbrief des Apostel Paulus:

Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott. (1 Kor 1, 26b-29)

Der Blick in unsere Kirchengemeinden bestätigt diese Worte vielfach, denn diejenigen, die wir im Gottesdienst sehen, sind Menschen, die auf ihre Titel und ihr Vermögen nichts groß geben wollen oder die zu den einfachen Menschen gehören, die mit solchen Dingen nicht prahlen könnten. Die wahre Größe besteht ja nicht darin, mit Glanz und Gloria in dieser Welt zu leben, sondern das, was uns anvertraut ist – sei es viel oder wenig – so zu nutzen, dass andere etwas davon haben. Da kann es sein, dass jemand viel geben kann und ein anderer nur wenig. Wir erinnern uns: Das kleine Opfer der Witwe am Tempel von Jerusalem hat die Aufmerksamkeit Jesu erregt – nicht die große Gabe der Begüterten (vgl. Mk 12, 41-44).

Ich freue mich über alle, die gern zum Gottesdienst kommen, weil sie hier „ihren Schatz“ gefunden haben, den sie sich von niemandem nehmen lassen. Die großen Heiligen und besonders die Märtyrer lebten aus der Erfahrung der Gottesnähe im Wort der Heiligen Schrift und im Sakrament der Eucharistie. Selbst dann, wenn sie im Gefängnis keinen Zutritt zu diesem Schatz hatten, blieb er ihnen im Gebet und im Herzen erhalten. Dieser Schatz hat sie reich und stark gemacht. So konnten sie auch ein Martyrium durchstehen.

In den Gesprächen über den synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland spielen Entwicklungen eine Rolle, die wir heute kritisch und konstruktiv angehen wollen. Dabei spielt natürlich auch der Wert der Heiligen Schrift und der Sakramente eine große Rolle. Die bekannten Themen, die besprochen wurden und weiterhin eine Bedeutung im Leben der Kirche haben, können nur zu einem guten Ergebnis führen, wenn sie immer auf den Prüfstand der Heiligen Schrift und der kirchlichen Tradition gestellt werden, zu der ja auch die Sakramententheologie gehört, d.h. das Erforschen der Bedeutung von Eucharistie, Buße, Taufe, Firmung, Ehe, Priesterweihe und Krankensalbung.

Ein Bischof hat die Möglichkeit, den Dienst bei allen diesen Sakramenten als Spender oder Zeuge zu tun. Ständig sind wir Bischöfe auf der Suche nach Helferinnen und Helfern, die bei der Vorbereitung für den Empfang der Sakramente und für das tiefere Verstehen der Heiligen Schrift helfen können.

Kürzlich habe ich im Gespräch mit 15-jährigen Firmlingen aus Jena dieses Anliegen mitgeteilt, dass in wenigen Jahren sie selbst als Gefirmte dafür mitverantwortlich sind, dass die katholische Kirche aus der Heiligen Schrift und den Sakramenten lebt. Wer das als sein persönliches Anliegen aufgenommen hat, kann nicht mehr mit Machtansprüchen herumlaufen, denn beide Quellen der Kirche basieren auf der Selbsthingabe Jesu Christi am Kreuz. Dennoch müssen wir nicht mit gesenktem Haupt durch die Welt laufen, denn das Geschenk der Auferstehung aus Sünde und Tod ist ebenso die feste Zusage, die uns seit unserer Taufe begleitet.

Wir haben keinen Grund, uns wegen irgendetwas zu rühmen, aber wir haben allen Grund zu danken, dass Gott uns groß gemacht hat, auch wenn wir in den Augen der Mitmenschen „nicht mit der Zeit gehen“ und an dem festhalten, was auch Agatha, Petrus Werhun, Blasius, Paul Miki und seine Gefährten groß gemacht hat: die Zuversicht, dass Jesus Christus bei uns steht. Diese Zuversicht wünsche ich uns Christen und allen Menschen guten Willens.

Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, Erfurt


                                     Foto: pixabay.com

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