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Stefan Heße

Was schaut ihr nach oben?

09.05.2018

„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“ (Apg 1,11)

Jesus ist in den Himmel aufgefahren und die Jünger gucken wie benommen weiter nach oben. Ich kann mir gut vorstellen, wie sie mit offenem Mund dastehen und in den Himmel blicken. Und dann sind da plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern und fragen sie: „Warum guckt ihr nach oben?“ Jesus ist in den Himmel aufgenommen, aber die Jünger sollen ihm nicht nachschauen, wie man heute vielleicht einem gestarteten Flugzeug nachschaut, bis es in den Wolken verschwindet. Jünger sollen keine Hanns-Guck-in-die-Luft sein. Christliche Spiritualität ist eine geerdete Spiritualität. Wir sollen nicht dauernd nach oben gucken, also vor der Welt fliehen und uns den ganzen Tag in den Himmel träumen, sondern nach vorne in die Welt.   

Papst Franziskus sagt in seinem jüngsten Schreiben Gaudete et exsultate: „Das Christentum ist nämlich vor allem dafür gemacht, gelebt zu werden.“ Wir dürfen das in der Gewissheit tun, dass Christus mitgeht – ja, einst wiederkommen wird, so wie er aufgefahren ist.

Mit Christi Himmelfahrt beginnt in Münster der diesjährige Katholikentag. Er steht unter dem Motto „Suche Frieden“. Das Motto ist leider von einer brennenden Aktualität, nicht nur wegen der dortigen Amokfahrt. Die Krisenherde der Welt sind so oft in den Nachrichten, dass man sie gar nicht mehr aufzählen muss. Als Christen mit einer geerdeten Spiritualität gilt es,  „nicht dauerhaft nach oben gucken“,  auch in unsere Friedenssuche. Gott hat uns in Christus seinen Frieden geschenkt. Er ist unser Friede. Das gilt unverbrüchlich. Wir dürfen diesen Frieden jederzeit annehmen. Aber wir sollen mit diesem Blick nach oben eben nicht stehen bleiben, uns zu-frieden geben, sondern aus dem Frieden Gottes heraus in die Welt gehen. Der Frieden mit Gott ermöglicht uns, Frieden mit uns selber zuschließen, uns selber anzunehmen. Sein Friede befähigt uns, Frieden mit anderen zu schließen und uns auch für den Frieden in der Welt zu engagieren.

Denn ein erster Schritt zum Frieden untereinander ist es, den Blick auf den anderen zu richten, den anderen wahrzunehmen und Gemeinsamkeiten zu suchen. Dann kann ich entdecken: Der andere ist ein Mensch mit Würde wie ich, ein Ebenbild Gottes wie ich. Das gibt die Gelassenheit, Anderes und Fremdes zu respektieren und sogar wertzuschätzen. Das ermöglicht schließlich gemeinsames Handeln. Das kann ganz konkret im Alltag beginnen und funktioniert bis hin zur großen Bühne der Weltpolitik.

„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Diese Frage der zwei Männer in weißen Gewändern macht den Himmelfahrtstag unbequem. Denn wir können eben nicht stehen bleiben beim Blick nach oben und uns gemütlich in unserem Christsein einrichten. „Nächstenliebe wäre leichter, wenn der Nächste nicht so nahe wäre“, soll Norman Mailer einmal gesagt haben. Aber Nachfolge will eben genau das: in der Wirklichkeit der Welt gelebt werden.

 

 Foto: © pixabay.com

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