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Ein voll besetztes Fußballstadion

Alexander Paul

“Wenn nicht jetzt, wann dann?”

12.06.2024

Wenn ich auf das Wochenende zurückschaue, habe ich doch ein recht flaues Gefühl im Magen.
Schaue ich auf die Europawahl und vor allem den Rechtsruck der durch quasi ganz Europa verläuft, wird mir ganz anders.
Die Extremen werden stärker, das was trennt, scheint immer präsenter zu werden.
Und nun mitten in diesem erschütterten Europa steigen in den nächsten zwei Monaten zwei große sportliche Ereignisse. Am Freitag beginnt zunächst die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland, bevor sich im Juli quasi direkt Olympia in Paris anschließt. In Deutschland, wo die AfD gerade ein erschreckendes Rekordergebnis eingefahren hat und in Frankreich, in dem der Präsident sich sogar genötigt sieht, Neuwahlen auszurufen.
Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für solche Sportereignisse?
Ich sage Ja! Ich freue mich auf beide Ereignisse und denke mir, jetzt erst recht.

Ab Freitag strömen Massen von Fans aus ganz Europa nach Deutschland, ja um ihre Nationalteams anzufeuern, aber auch um gemeinsam ein Sportereignis zu genießen. Trotz aller Rivalität auf dem Rasen, erinnern wir uns doch nur zu gern an die großen Fan-Feste, bei denen Fans aus allen Ländern gemeinsam feiern und sich in den Armen liegen. Fans die gemeinsamen Emotionen teilen, Freude und Trauer, die gemeinsam staunen und leiden können.
Bei der WM 2006 in Deutschland stand das Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ nicht nur auf den Bannern der Fifa. Vielmehr würde ich mir auch diesen Sommer wünschen, dass möglichst viele Menschen in Deutschland die Erfahrung machen können, ja wir sind hier zu Gast bei unseren europäischen Freunden. Menschen, die die Erfahrung von offenen Grenzen, von Verständigung über die eigenen Grenzen hinaus machen, können unseren Gesellschaften nur gut tun.
Und im Juli startet dann Olympia, mit einem noch viel bunterem Nationenmix. Weltweit strömen Spitzensportler, aber auch Fans nach Paris, um den Geist von Olympia zu genießen. Die EM kann vorher schon eine gewisse vertraute Atmosphäre schaffen, Olympia kann diese dann nutzen, um noch weiter über den Tellerrand zu schauen. Hier darf ich auch die Erfahrung machen, mit konkreten Menschen, die aus einem ganz anderen Kulturkreis, aus ganz anderen politischen Systemen kommen als wir es gewohnt sind. Mit Menschen zu sprechen, egal was unser vorheriges Bild von ihren Nationen war, tut uns nur gut.

Ist jetzt also der richtige Zeitpunkt für zwei internationale Sportevents?
Um es mit den Höhnern zu sagen: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Alexander Paul, Abteilungsleiter Caritas Pforzheim

Foto: juanmaalmazan auf pixabay.com

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